Sogenannte Spin-offs – also vermeintlich nebensächliche Auskopplungen einer Serie - haben einen Vorteil gegenüber ihrer kreativen Hauptquelle. Sie ermöglichen ein einigermaßen risikoarmes Experimentieren mit einer bewährten Formel. Angesichts der durchwachsenen Meinungen gegenüber Resident Evil 6 wirkt Capcoms Strategie somit nachvollziehbar: Das Derivat Revelations 2 soll abtasten, wo das Publikum die Stärken der Serie wähnt, und zugleich den Mittelweg zwischen Action und Survival-Horror ausloten.

Resident Evil: Revelations 2 - Episode 2 - TrailerEin weiteres Video

Bereits der angedachte Vertriebsweg dürfte ein Hinweis auf Capcoms Herantasten sein. Revelations 2 erscheint in Form vierer episodisch abgeschlossener Kapitel als Download-Titel zu je 5,99 Euro, kann zum Preis von 24,99 € aber auch vollständig erworben werden, was mehr oder minder einer Milchmädchenrechnung gleichkommt. Eine Version für den Handel steht zusätzlich aus.

Kein Vollpreis, kein vollwertiges Resident Evil? Nicht ganz. Genau wie sein Vorgänger, der bekanntlich einen Umweg vom 3DS-Handheld zu den stationären Systemen zurückgelegt hat, nimmt Revelations einige Kompromisse in Kauf. Angefangen bei der Grafikqualität, die auf den aktuellen Konsolen keine Begeisterungsstürme auslöst. Auch bei der Handlung sind entgegen der Andeutung im Titel keine Offenbarungen zu erwarten. Spielerisch hat Revelations 2 allerdings einiges auf dem Kerbholz. Wir durften den Anfang des Abenteuers, der noch nicht allzu viel preisgibt, auf einem Vorschau-Event begutachten und wurden keineswegs enttäuscht.

Die Kampagne beleuchtet zwei separate, wenn auch verflochtene Handlungsstränge. Im ersten begleiten wir Claire Redfield, die inzwischen einer Anti-Bio-Terror-Organisation angehört, auf eine Firmenparty, wo sie Barry Burtons Tochter Moira trifft. Unglücklicherweise wird die Feier durch einen Anschlag einer unbekannten Gruppe gestört und die beiden Mädels landen in einem düsteren, versifften Gefängnis. Buchstäblich eine ekelhafte Kreuzung aus Bahnhofsklo, Schlachthaus und Irrenanstalt, bei der man froh ist, dass es noch kein Geruchsfernsehen gibt.

Resident Evil: Revelations 2 - Gammelfleisch-Quartett spielt Mettwurst in Uuuhhh-Moll

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In beiden Kampagnenteilen nehmen jeweils zwei Figuren die Hauptrollen ein. Berry wird von der kleinen Natalia begleitet, die über ungewöhnliche Kräfte verfügt.
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Auf dem mühsamen Weg nach draußen stoßen sie auf Zombies, versteht sich, wenn auch nicht auf Horden, sondern auf gezielt platzierte und manchmal wunderbar altmodisch langsam schlurfende Vertreter ihrer Gattung. Das gilt nicht für jeden einzelnen, denn die sogenannten „Befallenen“ überlegen es sich gerne mal anders und sind allgemein schwer einzuschätzen. Am Ende unserer Vorschau-Session wollte sogar ein ziemlich flinker, widerspenstiger Hüne Claire an die Wäsche.

Den bereits genannten Barry Burton verschlägt es im zweiten Handlungsstrang auf eine seltsame Insel voller mutierter Insekten, wobei Untote genauso wenig auf sich warten lassen. Offenbar kommt er Claire und Moira entgegen. Seine Begleiterin ist ein kleines Mädchen von geschätzt zehn bis zwölf Jahren namens Natalia Korda. Sie spaziert im Nachthemd herum, hat keine Ahnung, wie sie auf die Insel gelangte oder wo sie hingehört und verfügt obendrein über ungewöhnliche Kräfte. So kann sie durch Wände hinweg spüren, wo sich Lebewesen befinden.

Packshot zu Resident Evil: Revelations 2Resident Evil: Revelations 2Release: PlayStation Vita: unbekannt
PC, PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One: 25.2.2015
Nintendo Switch: 28.11.2017
kaufen: Jetzt kaufen:

Beide Kampagnenteile spielen sich ähnlich, da man vornehmlich die weniger zimperlichen Figuren Claire und Barry steuert. Sie kennen sich mit Schusswaffen und Heilkräutern aus und nehmen ihre abermals schreckliche Horror-Tour relativ gelassen hin. Munition hier, Waffenteile dort. Da kommt so eine zufällig eingestreute Werkbank zum Aufrüsten der Wummen doch gelegen.

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Die Befallenen kann man nur schwer einschätzen. Mal schlurfen sie umher, mal rennen sie wie von der Tarantel gestochen.
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Ihre Begleiter sind unbewaffnet oder im Bestfall schwach ausgerüstet. Sie dackeln in der Regel treu hinter ihren Beschützern her und sind Angreifern mehr oder minder schutzlos ausgeliefert. Mehr als einen Stein darf Barrys Mädel einem Schlurfer nicht an den Kopf werfen. Moiras größtes Talent ist (nach bisheriger Einsicht) das Anknipsen ihrer Taschenlampe sowie das Mitführen eines Brecheisens. Ihre Hilflosigkeit verstärkt den Survival-Horror-Einschlag, da man sich um beide Figuren kümmern muss, zumal in den bislang vornehmlich eng gestalteten Fluren gelegentlich Verzweigungen anstehen, welche die Gruppen trennen. Etwa weil ein Schlüssel zu suchen ist. So zumindest die Intention.

Das erste Kapitel fühlt sich noch sehr actionlastig an und macht nur selten Gebrauch von den Talenten der Hauptdarsteller. Sind sie am Zug, schaltet man schlicht per Knopfdruck in ihre Ansicht um. Ist euch das zu lästig, so darf ein zweiter Spieler im lokalen Koop-Modus die Rolle des Nebencharakters übernehmen.

Dauerbrenner dank Raid Mode

Abseits der Talente der jeweiligen Begleiter eines Handlungsstrangs scheint der größte Unterschied in der Versorgung zu liegen. Barry findet unterwegs weniger Munitionsnachschub und Heilmittel als Claire, wodurch er etwas mehr von seinem Sidekick abhängig ist. Wobei beide Parteien keineswegs mit Überfluss gesegnet sind. Matt Walker (Production Manager) und Michiteru Okabe (Produzent) verrieten uns in einem kurzen Interview, dass gewisse Parallelen zu früheren Abenteuern durchaus beabsichtigt sind und der Mittelweg zwischen Action und Survival im Prozess auszuloten war.

Schon jetzt besser als Resident Evil 6, weil geradlinig und düster. Der Raid-Modus könnte Action-Fans mit Hang zur Strategie einige Zeit bei Laune halten.Ausblick lesen

So zeigt eine frühe Szene in Claires Abenteuer verblüffende Ähnlichkeit mit der Startsequenz im Gefängnis von Resident Evil: Code Veronica. Aber auch die Platzierung der Ausrüstung in den drei Schwierigkeitsgraden wollen sie wohl bedacht vorgenommen haben, um dem Survival-Horror wieder entgegen zu kommen.

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Dieser Abschnitt im Raid-Modus erinnert an Resident Evil 2. Einige Déjà-vu-Momente wurden absichtlich platziert.
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Die Zwei im Titel verrät natürlich, dass es sich um keine taufrische Herangehensweise handelt, schließlich sind gewisse Erwartungen gegenüber Fans des Vorgängers zu erfüllen. Dazu gehört die Weiterentwicklung des Raid-Modus, der das angedachte Horror-Szenario in einen Action-Durchmarsch samt Rollenspieleinlage verwandelt. Die Herren Walker und Okabe unterstreichen in diesem Zusammenhang die Grätsche, die Capcom vollführen muss, um allen Fans der Serie gerecht zu werden. So hätten einige Leute durchaus Lust auf Actionkost und würden Einzelheiten aus Resident Evil 6 lobend erwähnen, auch wenn die allgemein eher negative Kritik nicht zu überhören war.

Die Konsequenz dieser Einsicht ist ein Ausbau des beliebten Raid Mode, der diesmal ein eigenständiges Szenario bekommt. Statt durch Bereiche der normalen Kampagne zu hotten, teleportiert man sich buchstäblich von einem Szenario ins nächste, wobei Dunkelheit und Schrecken weit weniger Gewicht haben als blanke Waffengewalt. Soll heißen, man bewegt sich auch mal bei Tageslicht und leidet keineswegs unter Munitionsmangel. Gewisse Ähnlichkeiten mit den Schauplätzen früherer Episoden sind auch hier beabsichtigt.

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Wer fleißig Trefferpunkte mitzählt und sein Arsenal strategisch zusammenstellt, kommt leichter durch den Raid Modus.
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Zugegeben, da ist ein merklicher Schuss Strategie im System. Getroffene Zombies indizieren, wie viele Trefferpunkte sie verlieren (da sieht man mal, wie schwach das Messer ist!), man sammelt Upgrades sowie Erfahrungspunkte und ist angehalten, eine fixe Anzahl an Gegnern in kurzer Zeit auszulöschen. Verpasst man eine Schwarm auf dem Weg zum Ziel, fällt die Wertung am Ende niedriger aus als erhofft. Einfach drauflosstürmen wäre somit verschwendete Zeit. Aber von Survival ist im Raid nichts zu spüren.

Wer atmosphärischen Zombie-Terror sucht, wird hier nicht fündig. Dennoch schickt sich das Raid-System als ergiebige Quelle endloser Grind-Läufe an. Durchmarschieren, aufsteigen, neue Level freischalten und wieder von vorne, bis Barry und Claire die höchste Stufe erreicht haben – wo auch immer das sein mag. Ein wahres Fest für Jäger und Sammler, zumal die Bewaffnung frei gewählt und für jeden Lauf angepasst werden darf, sofern man irgendwann über ein brauchbares Arsenal verfügt. Auch hier haben selbst installierbare Waffen-Upgrades einen hohen Stellenwert. Klingt nach einem netten Zeitvertreib.