Können wir uns mit Capcom irgendwie darauf festlegen, dass „Resident Evil“ von damals durch ist? Diese Art Brontosaurier ist gefallen, vor einigen Jahren, und während sich viele an dem Kadaver labten, entwuchsen neue, weniger grausame Arten des Horrors. „Resident Evil: Revelations“ ist eine davon.
Atmosphärisch, hin und wieder zu viel Ballerei. Dennoch ein gutes Spiel und ein technischer Gewinn für den 3DS.FazitIch möchte Capcom das „Back to the roots“-Bestreben gern abnehmen. In seinen besten Momenten ist „Revelations“ wirklich so etwas wie eine Hommage an ein längst vergangenes Früher, als das Inventar zweimal drei Felder groß, der Speicherpunkt dreimal vier Flure entfernt und das Farbband 24 Stunden am Tag aus war.
Ich hebe gerade diese Punkte gern hervor. Sie sind der Inbegriff der Hilflosigkeit, des Ausgesetztseins in einer überfordernden Situation, die, wenn sich die bitterböse Überraschung daruntermischt, in kläglichem Scheitern resultiert. Selbst Wanderern, für die der Weg das Ziel ist und die niemals ans Bergsteigen denken würden, zeigte dieses Monstrum erst die Zähne und danach die Grenzen auf.
„Resident Evil“ hatte auch fast immer etwas Erzieherisches: kein Kraut dabei, dann flatsch. Kein Farbband in Reserve, dann zittern. Kurzum: Fass auf die Herdplatte und du verkohlst dir die Finger. Um den schon viel zu langen Einleitungsbogen nicht zu über-, sondern zu Ende zu spannen: „Revelations“ verliert sich hier und da in Zitaten seines Großvaters, es trifft sich mit all denen, die ein „gutes, altes Resi“ erwartet haben, auf halbem Weg. Bevor es irgendwann kehrtmacht und zurückhumpelt in einen Kugelhagel.
Jill Valentine ist eine der spielbaren Figuren.Als ich anfangs durch die Gänge des Schiffes Queen Zenobia streife, grünes Kraut griff- und Waffe schussbereit, da knistert es noch herrlich. Korridore führen ab, laufen zusammen, enden abrupt. Es gibt einige wunderbar alberne, unsinnige Rätsel nach Resident-Evil-Machart, das gehört halt irgendwie dazu. Mehr: Verschlossene Türen tragen dieselben Symbole wie die Schlüssel, nach denen sie schreien, und Gegner den Schrecken des ersten Kontakts auf den Schultern. Ich fühlte mich wohlig an meinen damaligen Besuch in der Spencer-Villa erinnert, auch wenn die Zitatekiste rückblickend wohl nicht ganz so prall gefüllt ist.
Dass Fensterscheiben beim mehrmaligen Ablaufen eines Ganges plötzlich zersprungen sind und längst im Grab gewähnte Gegner wieder aufstehen, das kennt man, und natürlich soll Capcom sein bestes Pferd im Stall nicht auf Biegen und Brechen neu satteln. Warum auch? Es ist ein unheimlich spannender, wenn auch inszenatorisch gewöhnlicher Einstieg, weg von den offenen, räumlich breiter gebauten Arealen der Teile 4 und 5, hin zu der bedrückenden Enge schummriger Flure.
Ausweichen geht nur so weit, wie die Wand zur Seite zu rücken bereit ist, wegrennen nur bis in den nächsten Raum. Wo vielleicht schon ein weiteres dieser entstellten Biomonster lauert, von einer Bio-Terrorzelle auf die Menschheit losgelassen, herangezüchtet zur Zerstörung der Wasserstadt Terragrigia. Und so fort.
Auch Chris Redfield und seine neue Partnerin Jessica kommen zum Zug.Viel mehr braucht man von Capcoms Versuch, die erzählerische Lücke zwischen den Teilen 4 und 5 zu kitten, im Grunde nicht zu wissen. Chris Redfield und Jill Valentine kommen vor. Ein paar Neue auch. Viele Alte nicht. Es geht um Bioterrorismus und Verrat. Obendrein um einiges mehr, aber die Resident-Evil-Timeline ist nach alle den Jahren eh so verschwurbelt und zurechtgedrückt, dass das schon irgendwie passt. Ich mag auf jeden Fall die Videos.
Überhaupt. Was man sehen kann, sieht hervorragend aus. „Revelations“ ist nicht nur ein zu zögerliches Zurücktasten zu alten Tagen, sondern auch ein Strahlemann für Nintendos 3DS. Ein echter Gewinn für den Knirps, und das nicht weil 3-D so cool ist. Selbst flunderflach sind die Umgebungen und Objekte wunderbar detailverliebt, ebenso wie die Rundungen, die Kleidung und Animationen. „The Mercenaries 3D“ zeigte schon, in welche Richtung ein „Resident Evil“ technisch auf Nintendos Kleinem marschieren kann, und „Revelations“ steht dem in keiner Hinsicht nach.
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