Nach Resident Evil 6 war klar, dass Capcom die Notbremse ziehen und einen kompletten Neustart hinlegen muss, um seine erfolgreiche Horror-Serie zu retten. Die Fans forderten die Rückbesinnung auf alte Tugenden, aber gleichzeitig mehr Innovation und Anspruch. Werden diese Wünsche von Resident Evil 7 erfüllt? Sagen wir es so: RE7 ist definitiv anders als seine Vorgänger und dennoch fühlt es sich vertraut an.

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Capcom hat im Vorfeld der Veröffentlichung ordentlich getrommelt, dicke Presse-Events veranstaltet und unsere Erwartungen mit einer grandiosen Demo ins Unermessliche gesteigert. Bei so einem wichtigen Release möchte man eben nichts dem Zufall überlassen, also wurde marketingtechnisch aus allen Rohren gefeuert. Ihr habt wahrscheinlich schon tonnenweise Artikel und Videos zum Spiel gesehen, darum muss ich Story und Grundlagen nicht mehr groß erklären.

In Kürze: Resi 7 dreht sich um Ethan Winters, dessen Frau Mia spurlos verschwindet. Nach Jahren der Ungewissheit erhält er plötzlich ein Lebenszeichen von ihr. Ist sie es wirklich oder erlaubt sich jemand einen bösen Scherz? Geht es ihr gut? Warum hat sie sich nicht schon früher gemeldet? Ethan macht sich sofort auf den Weg nach Louisiana, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Die Suche beginnt auf einem heruntergekommenen Anwesen, das – genau wie seine Bewohner – sämtliche Horror-Klischees bedient. Mia wird nämlich von einem durchgeknallten Hillbilly-Clan festgehalten und offensichtlich ist sie nicht das einzige Opfer.

Schrecklich nette Familie

Familie Baker könnte Filmen wie House of 1000 Corpses, Texas Chainsaw Massacre oder The Hills have Eyes entsprungen sein. Die verwahrlosten Psychos sind extrem brutal und gnadenlos. Selbst der typische Trump-Wähler wirkt im Vergleich höchst kultiviert und vernünftig. Allerdings wird schnell klar, dass wir es nicht nur mit Irrsinn oder Inzest zu tun haben, denn die Bakers scheinen quasi unzerstörbar zu sein. Haben wir es mit einem übersinnlichen Phänomen oder gar mit Auswirkungen des berüchtigten T-Virus zu tun? Ich könnte mich jetzt über unlogische Details und verschenktes Potential auslassen, aber ich verrate nur, dass mich die Geschichte am Ende eher unbefriedigt zurück ließ.

Es ist trotzdem schrecklich schön, mit einem mulmigen Gefühl im Bauch und vielen Fragezeichen im Kopf, durch das schummrige Irrenhaus zu schleichen. Zumindest gilt das für die ersten paar Stunden, die deutlich spannender und straffer strukturiert wirken als der Rest. Spielerisch fühlt man sich da an Outlast oder Alien: Isolation erinnert und das ist nicht nur der Ego-Perspektive geschuldet. Hinter jeder Ecke könnte das Böse lauern und daran erinnert uns das Spiel ständig mit mehr oder weniger subtilen Methoden. Schatten, die im Hintergrund vorbei huschen, Türen, die sich wie von Geisterhand schließen oder einfach nur ein seltsames Geräusch. Apropos: Die beklemmende Sound-Kulisse ist der Wahnsinn und sorgt vor allem mit Surround-Anlage für extreme Gänsehaut.

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