Mein “Bad Guy 2017”- Award geht an EA mit Star Wars: Battlefront 2, allein, da sich mein konstruiertes Erinnerungsbild von diesem sonst tollen Gaming-Jahr mit der Zeit einzig auf die etlichen gesichtslosen Lootboxen fixieren wird; bis nichts anderes mehr übrig bleibt. Es wird also der Moment kommen, in dem ich sage “Was, Hellblade: Senua’s Sacrifice kam 2017 auf den Markt? Aber war das nicht das Jahr mit den Lootboxen?”. Ja, EA, das nehme ich dir übel. Um das Gleichgewicht der Macht zu halten, sollte es aber auch einen “Good Guy 2017”- Award geben und den möchte ich feierlich Capcom’s Resident Evil 7 überreichen: Mama Marguerite, du hast mir den besten Extra-Content zu einem Spiel in 2017 gekocht und ich habe gerne für deine DLCs Geld ausgegeben.

“Not a Hero” und “End of Zoe” haben mir es besonders angetan: Toller Abschluss, Capcom!

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Wenn ein Spiel langsam aus den Kinderschuhen herauswächst; wenn die bloße Idee Arme und Beine in Form von Pixeln auf dem Bildschirm bekommt und vielleicht sogar eine Stimme, dann geht es höchstwahrscheinlich schon in die Planung von zusätzlichen Inhalten. Natürlich hängen diverse DLCs auch vom Erfolg des Spiels ab, wobei das eher auf kleinere Titel als auf größere zutrifft: Fakt ist, das zumindest entschieden werden muss, wie diese ominösen Inhalte zum Spieler gebracht werden, oder anders gesagt: Wie am meisten Geld aus dem Spiel geschlagen werden kann, ohne die eigene Community zur Meuterei zu bewegen.

In eine solche Planung fließen natürlich etliche Faktoren; etwa, um was für ein Spiel es sich handelt, ob es ein Single- oder Multiplayer-Werk ist, ob Story oder Maps oder kosmetische Artikel im Spiel interessanter sind. Nun. Ohne das alles aufzudröseln, muss ich sagen, dass Resident Evil 7 mir schließlich am ehesten das Gefühl gegeben hat, mein Geld gut investiert zu haben.

Da ist für jeden Geschmack etwas dabei

Die Qual der Wahl

Schauen wir uns den DLC-Eintopf von Tante Marguerite genauer an: Für einen Season Pass bezahlt ihr dreißig Euro (ohne das Spiel) und bekommt folgenden Inhalte:

Verbotenes Filmmaterial 1:

  • Schlafzimmer
  • Albtraum
  • Ethan muss sterben

Verbotenes Filmmaterial 2:

  • Töchter
  • 21
  • Jacks 55. Geburtstag

Story-DLC “Zoes Ende”

Dazu gibt es noch die kostenlose Episode “Kein Held”, für die ihr einzig das Spiel benötigt. Beeindruckend an all den kleinen Abschnitten und Modi im verbotenen Filmmaterial 1 & 2 ist die Vielfalt der Genre sowie die Kreativität, mit der diese umgesetzt wird. Während ihr in “Schlafzimmer” etwa eine grausig schöne Escape-the-Room-Story bekommt, ist “Ethan muss sterben” ein Modus für alle Hardcore-Mode-Spieler unter euch. Ein pures Schlachtfest erwartet euch dagegen in “Albtraum”, das in meinen Augen der schwächste Part vom ersten DLC ist.

Noch skurriler als verdorbene Eingeweide, die euch jemand in den Mund steckt, ist “Jacks 55. Geburtstag”: Mia wird mit Stoppuhr durch das Haus geschickt, um ihrem lieben Daddy Jack Zutaten für sein Geburtstagsessen zu suchen. Das macht natürlich vor allen Dingen Spaß, da lauter Molded mit seltsamen Hüten (?) im Weg stehen, die ihr abknallt. Wer kommt denn auf so etwas? Na egal, Spaß hat es zumindest gemacht. “Töchter” ist ganz im Gegensatz zum Happy-Birthday-Vergnügen ein ernster Story-Zusatz, in welchem ihr dem Beginn des Grauens beiwohnen dürft.

Und dann gibt es noch das Folter-Black-Jack “21”.

Zumindest geht es nicht um Geld

Nach den Minigames und -episoden kommen schließlich die zwei längeren Story-Abschnitte “Zoes Ende” und “Kein Held”, welche sich beide nicht nur im Gameplay vom Hauptspiel unterscheiden, sondern auch wichtige Aspekte der Geschichte behandeln. Also, sehr wichtige Aspekte – so wichtig, das sie sich bei “Zoes Ende” leider ein wenig herausgeschnitten anfühlen, ganz nach dem Motto: “Wollen wir das Ende einfach offenlassen und dann einen DLCs daraus machen?” “Yeah, coole Idee!” Naja, nicht so.

Auch bei den Bakers ist nicht alles supi-dupi

… dabei dachten wir doch, die Bakers wären eben makellos. Aber nein, denn “Zoes Ende” ist zwar ein wunderbarer DLC, behandelt aber eine Geschichte, die genauso gut ins Hauptspiel hineingepasst hätte. Ich werde nicht spoilern, falls ihr noch vorhabt, “Zoes Ende” zu spielen – aber zusätzliche Inhalte sollten tatsächlich einen Zusatz bieten und nicht gespielt werden müssen, um weiter auf dem Pfad der Story zu wandeln.

Capcom wählt bei Resident Evil 7 den klassischen Weg mehrerer DLCs; mit weniger klassischen Inhalten. Ganz im Gegensatz zu den großen AAA-Titel des Herbstes 2017, wie Assassin’s Creed: Origins oder Star Wars: Battlefront 2, die zu größerem oder kleinerem Teil auch (neben DLCs) über Mikrotransaktionen Inhalte anbieten. Diese sind zwar auch nicht per se schlecht, ohne die Art und Weise zu erwähne, wie Star Wars: Battlefront 2 das Lootboxen-Debakel Ende 2017 gehandhabt hat. Aber sie konnten zumindest in Kreativität und Vielfalt bis jetzt kaum mithalten. Und das trifft ebenso auf die großen RPGs 2017 zu, wie Horizon Zero Dawn oder Zelda: Breath of the Wild; wenngleich es natürlich nicht zu hundert Prozent vergleichbar ist.

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Selbst, wenn ihr keine Fans des gepflegten Horrors seid, haben Capcom im Fall von Resident Evil 7 genau den Inhalt geliefert, den ich mir für ein solches Spiel wünsche. Dazu bieten einige der DLCs Abschnitte, die in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden á la Mad-House-Mode mehrmals gespielt werden können. Das ist wirklich nett gewesen, Capcom. Obwohl ich mich noch immer frage, wer sich am Ende nicht für Zoe entschieden hat (und wie konntet ihr nur!).

Da Geschmäcker verschieden sind, frage ich euch: Welche zusätzlichen Inhalte zu einem Spiel 2017 habt ihr gesuchtet? Wofür habt ihr gern euer Geld ausgegeben? Und sind euch Mikrotransaktionen lieber als volle DLCs? Falls ja, dann Glückwunsch, denn so, wie es aussieht, werden wir nicht so schnell wieder darauf verzichten müssen.