Irgendwann in den nächsten Jahren kommt Resident Evil 7, das ist so gut wie sicher. Wann genau? Vermutlich dann, wenn alle Vorgänger für PS4 und Xbox One abgefrühstückt sind. Die Teile 1 und 0 waren ja schon dran, in dieser Reihenfolge übrigens, als nächstes folgen, ebenfalls in dieser Reihenfolge, Teil 6, 5 und 4. Zählen kann man bei Capcom nicht, aber eines haben sie verstanden.

Resident Evil 6 - Offizieller Trailer12 weitere Videos

Und zwar, dass es sinnvoll ist, sich das Beste für den Schluss aufzuheben. In diesem Fall ist das also Resident Evil 4, seinerzeit ein Meisterwerk, heute nach wie vor ein Meilenstein im Genre – wie könnte man die Vorfreude auf Teil 7 effizienter befeuern? Jedenfalls nicht mit Resident Evil 6, was auch der Grund dafür sein dürfte, warum man bei Capcom lieber abwärts zählt anstatt chronologisch korrekt.

Hier ist es nun also: Resident Evil 6 für PlayStation 4 und Xbox One. Ein bisschen aufpoliert und schick gemacht für die neue Generation, bis zum Rand vollgepackt mit allen erschienenen Zusatzinhalten, aber im Kern das gleiche Ding wie damals – nur erstrahlt es jetzt in schnieken 1080p bei geschmeidigen 60 Bildern pro Sekunde. Als Basis hielt die PC-Version her und anders als so manche andere New-Gen-Umsetzung der letzten Monate hält sich Resi 6 optisch richtig gut. Wüsste man es nicht besser, könnte es glatt als ein komplett neues Spiel durchgehen, was gleichzeitig natürlich auch ein großes Kompliment sein muss an die Leistung der Entwickler für die Originalversion, die damals schon auf Xbox 360 und PlayStation 3 ziemlich beeindruckend aussah. Insofern: Nichts zu motzen an dieser Front – bis auf die bisweilen schlechte Soundabstimmung (die Musik überdeckt gelegentlich die Dialoge) und die Tatsache, dass in der Beschreibung der Trophäe „Titelheld“ immer noch ein „Sie“ fehlt: „Erlangen 10 unterschiedliche Typen von Titeln“. Ist aber nicht schlimm, ist ja nur ein Port.

Resident Evil 6 - Leichenfledderei

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 148/1501/150
Leon rockte schon im vierten Teil und hat auch in Resident Evil 6 die spaßigste Kampagne abbekommen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Zombie und die Explosion

Vier Jahre ist Resident Evil 6 nun her und hat man damals als Videospiel-Fan nicht unter einem Stein gelebt, dürfte das vernichtende Medienecho bis heute nicht vergessen sein. Selbst unser Test titelte damals „Äh… shit?“ und verglich als Fazit die ikonische Fratze des Zombies im allerersten Teil der Serie mit einer Explosion. Der Begriff „Michael Bay“ fiel bei uns zwar nicht, dafür aber bei so vielen anderen und eine Suche nach „Resident Evil“ und „Bay“ dürfte – ohne es ausprobiert zu haben – vermutlich nicht nur ein paar Mal die Ziffer 6 ausspucken. Die Erinnerung an Resi 6, sie ist negativ.

Negativer als es das Spiel verdient, würde ich heute sagen. Vieles lässt sich an diesem seltsamen Hybriden aus Survival-Horror und Fließbandshooter kritisieren, aber, und genau das hat man über all die Jahre fast vergessen, er hat durchaus seine schönen, spannenden, hier und da sogar seine gruseligen Seiten. Man erinnere sich an die Kampagne von Leon S. Kennedy, als man während des tobenden Gewittersturms durch die leergefegten Hallen der Tall Oaks University lief. Oder an die Ankunft in der Kathedrale neben dem Friedhof. Nicht immer und überall hat man mit Chris Redfield und Jake Muller Panzer in die Luft gesprengt und Raketen aus Kampfjets gejagt.

Packshot zu Resident Evil 6Resident Evil 6Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: ab 17,90€

Resident Evil 6 ist gar nicht so schlimm, wie man es heute womöglich in Erinnerung hat. Am besten freut man sich auf einen stark erzählten und noch stärker inszenierten Shooter, bevor es mit Resi 5 und schließlich Resi 4 zurück in Richtung Horror geht.

Je nach Herangehensweise entweder ein solides Actionspiel oder ein schlechtes Resident Evil – in jedem Fall aber eine absolut kompetente Umsetzung.Fazit lesen

Ein schlechtes Spiel ist es also nicht – dafür spielt es sich auch auf der PlayStation 4 zu gut, ist mit seinen dynamischen Slide-, Jump- und Wrestling-Moves zu stylisch und generell, trotz oftmals zu vieler Gegnerwellen, einfach zu unterhaltsam. Aber es ist und bleibt ein schlechtes Resident Evil.

Resident Evil 6 - Leichenfledderei

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Ihr solltet natürlich kein völlig neues Spiel erwarten, zumindest aber eine sehr ordentliche Anpassung an moderne Standards.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die beste Version eines schlechten Resident Evils

Auf PlayStation 4 und Xbox One findet man nun die jedenfalls beste Version von Resident Evil 6. Bis zum Rand gestopft voll mit Inhalt, vier äußerst lange und erzählerisch miteinander verknüpfte Kampagnen (die vierte um Ada Wong kann sogar schon früh im Spiel gewählt werden), diverse Mehrspielermodi inklusive Horde in diversen Schwierigkeitsgraden, dazu Rekordzeiten, Rankings und alle DLCs. Alle Kampagnen sind übrigens im Coop spielbar – online und lokal per Splitscreen.

Resident Evil 6 mag damals nicht euer Spiel gewesen sein und es heute auch nicht werden, dafür ist die Umsetzung für die aktuelle Konsolengeneration zu sehr Port und zu wenig Remake. Für sein Geld ist es aber trotz alledem ein durchaus eine Überlegung wert – vor allem, wenn man es damals aufgrund der vielen negativen Stimmen verpasst hat. Erwartet einfach keinen Horror, dann passt das schon.