1996 bekam der Spielehorror einen Namen und beschwor eine bis heute kaum enden wollende Welle an Trittbrettfahrern herauf. „Resident Evil“ hieß der Grund der Grusel-Hysterie, das den Survival-Horror zwar nicht erfand, dessen Mechanismen, die der Genre-Urvater „Alone in the Dark“ einst eingeführt hatte, aber gekonnt perfektionierte und zu einem stimmigen Mix vermengte.

Nach zwölf erfolgreichen Jahren, in denen „Resident Evil“ vom Buch über Comics bis zum Kino beinahe jedes Medium erobert hat, feiert die Reihe nun ihr Comeback in High Definition. Teil fünf will nun einer neuen Generation von Videospielern kalte Schauer über den Rücken jagen – anhand einer ersten spielbaren Version haben wir kurz vor Release die Schockerqualitäten des Genrekönigs überprüft.

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Alles neu im Gruselland

Zu Beginn war alles ganz einfach: Im ersten „Resident Evil“ tasteten wir uns durch unheimliche Gemäuer und enge Korridore, schon ein leichtes Knirschen der Fenster ließ unsere Nackenhaare gefrieren. Und wenn dann auch noch ein Untoter unheimlich grunzend plötzlich hinter unserem Rücken auftauchte, schmiss es selbst erfahrene Videospieler vor Schreck von der Couch.

Resident Evil 5 - Die ultimative Prüfung für eure Nerven

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Ab sofort im Team: Chris Redfield kann sich jetzt auf die Hilfe von Partnerin Sheva verlassen.
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So einfach ging Erschrecken anno 1996. Angesichts der im selben Atemzug losgetretenen Welle an Survival-Horror-Titeln, entwickelte sich langsam aber sicher eine Schattenseite des Erfolges – Übersättigung. Capcom erkannte die Vorzeichen und steuerte 2005 fulminant gegen: Mit Resident Evil 4 vollzog man plötzlich einen Wandel innerhalb der Traditionsreihe, der zwar radikal erschien, aber dennoch den Originalen treu blieb.

Statt nervenzerrender Schleichpassagen dominierte jetzt der Terror: Unzählige Zombies trachteten Leon Kennedy nach dem Leben, griffen von allen Seiten gleichzeitig an, während der Held mit Munitionsknappheit und Übersichtsproblemen zu kämpfen hatte. Der Horror entstand nun nicht mehr in den Köpfen der Spieler, sondern kam in nicht enden wollenden Adrenalinschüben.

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Ganze Heerscharen von Zombies trachten euch nach dem Leben.
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Die Kritik überschlug sich, die Abverkäufe taten es ihnen gleich. Logisch also, dass Teil fünf das bewährte Konzept weiterführt – wer also gehofft hat, man würde sich wieder der Anfänge besinnen, sieht sich wohl enttäuscht. Wirklich schlimm ist dies aber nicht: Statt auf hohem Niveau auf der Stelle zu treten, entwickelt sich „Resident Evil“ eben weiter – und Teil fünf, soviel lässt sich bereits sagen, macht da keine Ausnahme.

Jenseits von Afrika

„Resident Evil 5“ mischt die Karten also nicht völlig neu, betritt aber zumindest in anderer Hinsicht neue Pfade: Das Szenario etwa könnte vom einstigen „dunkle Gemäuer“-Setting gar nicht weiter entfernt sein. Schauplatz der Handlung ist dieses Mal nämlich der dunkle Kontinent. Statt nebliger Herrenhaus-Vorgärten hetzen wir über die sonnendurchflutete Savanne Afrikas, statt brüchiger Großstadt-Ruinen durchkämmen wir rostige Wellblechhütten.

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Statt in dunkle Gemäuer führt euch Resident Evil 5 auf den dunklen Kontinent.
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Auch der Hauptcharakter ist ein anderer: Chris Redfield, Held des ersten Resident Evil, gibt sich erneut die Ehre. In Afrika soll er für die B.S.A.A. unnatürliche Vorfälle aufklären – will heißen: Der Virus hat sich also auch dort ausgebreitet. Von ehemaligen Serientrademarks wie der Umbrella Cooporation oder den S.T.A.R.S.-Soldaten hat sich Capcom hingegen (vorerst?) verabschiedet.

Viel mehr von der Story zu verraten, wäre eine Sünde – schon allein, weil man sie unbedingt im Spiel selbst erlebt haben sollte. Die Handlung wird immer wieder in kleinen Zwischensequenzen vorangetrieben, deren Inszenierung spektakulärer kaum sein könnte: Die Kameraführung ist filmreif, die Dialoge hochprofessionell vertont – vor allem aber, wenn am Ende eines Kapitels die gewohnt gigantischen Bossgegner das Feld betreten, zittert der Bildschirm.

Die Nerven liegen blank

„Resident Evil 5“ fischt also schon früh „for compliments“. Vor dem eigentlichen Spielspaß steht jedoch zunächst die Gewöhnung an die Steuerung: Hauptcharakter Chris bewegt sich unglaublich träge durch die Areale, für eine 180-Grad-Drehung benötigt er etwa eine gefühlte Ewigkeit. Was Neulinge zunächst abschrecken könnte, kennen Resident Evil 4-Fanaten bereits – schließlich hat dieses Prinzip seit dem letzten Serienteil System.

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Clever: Auf Befehl kann euch Sheva Deckung vor Feinden geben.
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Hinzu kommt, dass Chris beim Zielen und Schießen stehen bleiben muss, auch das Nachladen funktioniert nur im Stand. Noch kritischer: Selbst das Inventar lässt sich nur im laufenden Spiel öffnen – pausiert wird dabei nicht. Wie verletzlich Chris in solchen Situationen ist, merkt man spätestens, wenn der wehrhafte Recke mal wieder von den Beinen geholt wird, während ihr gerade panisch nach Heilkräutern im Rucksack sucht.

Purer Terror - im positiven Sinne: Resident Evil 5 führt den genialen Vorgänger auf die nächste Qualitätsstufe.Ausblick lesen

Statt also mit stolz geschwellter Brust in die Feindesmassen zu springen und wie wild um sich zu ballern, nagt hier allein der Anblick eines Gegners gehörig an den Nerven. Auch weil Capcom diese Attacken clever dosiert: Während wir noch gemütlich in den Schränken eines verlassenen Hauses stöbern, bahnt sich von außerhalb plötzlich ein grausiger Schrecken an – Fensterscheiben springen, Türen brechen auf, überall gieren modrige Hände nach uns.

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Packend: Am Ende eines Kapitels trefft ihr auf spektakuläre Bossgegner.
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Auch ein eiliger Rückzug bringt da wenig – die flinken Zombies sind nicht nur verdammt schnell auf den Beinen, hin und wieder machen euch ein paar besonders fiese Großkaliber das Leben schwer: In Akt eins treffen wir z.B. auf einen riesigen Metzger, der mit einem wahren Monstrum von Axt jedes noch so sichere Versteck im Nu in seine Einzelteile zerlegt, durch Wände bricht oder Wellblechhütten mit einem Schlag einreißt – Panik!

Zu zweit gruselt’s sich besser

Wie gut, dass Chris nicht völlig auf sich allein gestellt ist: Zum ersten Mal stellt euch Resident Evil nämlich einen Partner zur Seite – beziehungsweise eine schlagkräftige Partnerin. Sheva heißt die dunkelhäutige Schönheit, arbeitet ebenfalls für die B.S.A.A. und verfolgt ganz nebenbei ihre eigenen Ziele in der verseuchten Zone. Ach ja, und wehrhaft ist die ausgebildete Elite-Soldatin natürlich auch.

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Zum Glück können Chris und Sheva selbst in Notsituationen eingreifen und den Partner heilen.
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Bei Zombieattacken nimmt Sheva etwa in Eigenregie anstürmende Gegner ins Visier – super, um euch den Rücken freizuhalten. Wer mag, kann Sheva per Tastendruck auch direkte Befehle geben. In unserem Probespiel kam die clevere Dame jedoch auch ohne unser Eingreifen bestens zurecht. Das Tolle daran: Der Spieler ist ständig gezwungen, mit Sheva zu interagieren – ein tolles Teamgefühl entsteht.

Sinken eure Lebenspunkte etwa in gefährlich dunkelrote Regionen, rückt Sheva schon mal mit einer heilenden Pflanzeninjektion an, leidet Chris an Munitionsknappheit, gibt uns Sheva bereitwillig ein paar Patronen ihres eigenen Vorrats. Sogar wenn uns die Zombiescharen übermannt haben, steht uns Sheva zur Seite: Mit einem beherzten Kick befreit sie uns etwa aus einem Würgegriff oder hilft uns auf die Beine, wenn wir zu Boden geschlagen wurden.

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Schade: Die KI hat leider ab und an kleine Aussetzer - selten, aber dennoch störend.
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Probleme bereitete uns beim Probespiel aber häufiger die KI – und zwar auf beiden Seiten: Während Sheva in manchen Situationen nicht von allein reagierte und selbst aus nächster Nähe nicht auf die Zombiescharen schoss, blieben diese gerne an Ecken und Kanten der Umgebungsobjekte hängen oder lieferten sich einen beherzten Kampf mit der Wegfindung. Wir hoffen, dass Capcom da noch nachbessert.

Besonders angetan waren wir hingegen von der abwechslungsreichen Levelstruktur: Mal müsst ihr euren Partner für eine bestimmte Zeit den Rücken frei halten, an anderer Stelle lösen wir im Team zwar simple, aber geschickt implementierte Schalterrätsel. Auch die beliebten Vehikelsequenzen dürfen nicht fehlen – dann feuert ihr etwa von der Laderampe eines Jeeps auf Motorrad fahrende Untote – bei Tempo 100 wohlgemerkt.