Mit dem fünften Teil von Capcoms Schauermär um den Umbrella-Konzern spaltete sich die Fangemeinde mancherorts in zwei Lager: Die einen waren angetan vom frischen Setting, den neuen räumlichen Möglichkeiten und freundeten sich mit dem actionbetonten Kampfsystem an, während die andere Hälfte den Wegfall der klaustrophobischen Atmosphäre bemängelte und das Spiel auf ein paar Actionszenen reduziert sah. Neuer Download-Content versorgt jetzt, knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung von Resident Evil 5, die Spieler mit neuem Gruselstoff.

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Willkommen im Grusel-Gebäude

Lost in Nightmares verlängert dabei nicht den Afrika-Trip von Chris und Sheva, sondern führt in das Erinnerungsvermögen von Chris. Wir erinnern uns: Auf dem Weg in die Badlands zu Shevas Heimatdorf erinnert sich Chris an die Ereignisse in der Spencer-Villa, die zum Verlust von Jill geführt haben. Es dürfen somit auch „Resident Evil“-Puristen zufrieden gestellt werden, denn die verschachtelten Räume des alten Herrenhauses bringen den beengenden Horror der vergangenen Episoden zurück.

Resident Evil 5: Lost in Nightmares - Hallo Spencer! Heimkehr der Horror-Helden

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Der DLC schickt Resi-Fans in altbekannte Winkel und Gänge.
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Als Chris und Jill die Spencer-Villa betreten, werden sie auch sogleich vor die alten Rätsel gestellt. Könnte der Keller nicht Aufschluss über die Machenschaften des Umbrella-Konzerns geben? Schnell die Treppe hinunter – und feststellen, dass sich der Zugang nur durch einen Mechanismus öffnen lässt.

Auf der Suche nach Schlüsseln stoßen wir einmal mehr auf geteilte Symbolfiguren, die zusammengefügt den Türöffner abgeben. In den einzelnen Zimmern verteilte Aufzeichnungen Spencers und seines Hausdieners deuten bereits die unheilvolle Arbeit an den Kreaturen an, die vom T-Virus gezeichnet sind.

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Maniac Mansion: zurück im Albtraum.
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Noch schnüffeln die beiden S.T.A.R.S.-Angehörigen erst einmal in dem großen Haus herum, öffnen nach und nach alle Türen und lösen schrittweise alle Denksportaufgaben, die sich wiederum als die klassischen Laufrätsel der Serie entpuppen. Auch einige liebevolle Hommagen an den ersten Teil finden sich in der Downloadfolge. Kenner werden bestimmte Gänge wiedererkennen und in einigen Szenen mit Sicherheit schon Unheil erwartend die Waffe im Anschlag halten.

Dass sich Lost in Nightmares in erster Linie an die Fans richtet, die seit dem ersten Teil dabei sind, heißt aber nicht, dass nun die errungenen Gameplay-Tugenden aus dem vierten und fünften Resident Evil über Bord geworfen werden. Das Kampfsystem bleibt actionlastig, das Spiel gönnt keine Verschnaufpause, wenn eine Waffe neu aufmunitioniert wird, und die Rätseldichte ist im Allgemeinen nicht so hoch wie in Raccoon City. Dafür wurden die Bewegungen flott und flüssig integriert. Sparsam sollte man mit der Munition umgehen. Viele blaue Bohnen liegen auf dem Anwesen nicht herum, so dass man jede vergeudete Kugel bereuen könnte.

Neue Monster, neuer Schrecken

Steht man nämlich erst einmal vor dem neu eingeführten Ankerschwinger, freut man sich über jedes Magazin, das man auf seinem Weg einkassiert hat. Zwar bewegt sich dieser muskelbepackte Hüne recht behäbig, aber sein recht großer Aktionsradius macht ihn zu einem gefährlichen Gegner. Mit einem Hieb kann er unsere Spielfigur aufspießen und am Haken zappeln lassen. Hier zeigt sich wieder einmal die derbe Fantasie der Entwickler, die keine Gnade mit ihren Pixelhelden zeigen. Zum Glück ist der erste Schreck schon bald verflogen, und man ist wieder bereit, diesem zu groß geratenen Dämonenmetzger die Zähne zu zeigen.

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Die Spieler treffen auf alte und neue Monster.
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Wie im Hauptspiel wurde auch bei den Downloadhäppchen großer Wert auf eine sorgfältige Gestaltung der Umgebung und der Figuren gelegt. Auch die Einführung des bizarren Wächters steht ganz im Zeichen der „Resident Evil“-Tradition. Man stellt nun mal den Spielern einen mutierten Vermummten nicht in aller Freundlichkeit vor, sondern schafft dafür einen grimmigen Rahmen mit dem dazugehörigen Schockeffekt.

An der Steuerung wurde nicht noch einmal herumgeschraubt. Wer in Teil 5 das Joypad souverän in Händen hielt, wird Chris und Jill auch hier ohne Probleme auf den Showdown zusteuern können. Zwischendrin wird es die eine oder andere haarige Situation geben, bei der man sich genau überlegen sollte, wie man mit heiler Haut aus der Situation entkommen kann.

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Ungemütlich wie immer: die Katakomben.
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Die zweite Download-Folge wird bereits am 3. März 2010 auf dem Xbox-Marktplatz und dem Playstation-Network erhältlich sein. Bis dahin hat man die kleine Nebenhandlung locker durchgespielt. Mit etwa anderthalb Stunden Spielzeit hat man jetzt kein langatmiges Zwischenepos hergestellt. Dafür sind Extras wie neue Spiel-Charaktere für den beliebten Mercenaries-Modus und neue Kostüme enthalten.

Hat man den Trip durch die Villa mit Chris heil überstanden, kann man sich mit Jill erneut der Monster-Problematik stellen. Beide Download-Episoden werden Teil der Gold-Edition von Resident Evil 5, die am 12. März in den Handel kommt. Auch der Versus-Modus hat es auf den Datenträger geschafft, der noch beim Launch im letzten Jahr mangels USK-Freigabe weichen musste.

Fazit: Horror-Happen im Herrenhaus

Die Entwicklung vom beengenden Horror in düsteren Gemäuern zum Invasionsterror auf freiem Gelände wurde nicht überall mit Jubel aufgenommen. Die Fans der klassischen Survival-Horror-Atmosphäre werden sich freuen können, dass sie nun wieder durch lang gestreckte Hausflure schleichen dürfen, ihren Munitionshaushalt im Auge behalten müssen und mit einer grundlegenden Anspannung um die Ecke schauen.

Es könnte dort jederzeit eine fiese Kreatur vom Umbrella-Reißbrett lauern. Zur Not legt man sich auch die Heilkräuter auf einen günstigen Inventarplatz, um sich gleich verarzten zu können. Die Rätseldichte kann aber mit früheren Teilen nicht mehr mithalten. Somit geht dieser kleine Horror-Happen den Kompromiss ein, der die Fans des etwas strafferen Gameplays mit den Freunden der klassischen Survival-Horror-Elementen versöhnen will.

Eine Wertung für die knapp anderthalb Stunden Angstschweiß auf dem Joypad zu vergeben, wäre allerdings unfair: Die Spielzeit ist zu kurz, um ein Urteil über ein eigenständiges Game zu fällen. Hier hätte man gerne noch ein paar Elemente mehr mit einbinden können, gerne auch noch einen weiteren Unhold, der sich gut in der Angstverbreitung mit dem neuen Kumpel des Grauens ergänzt hätte. Dennoch ist es ein Abkömmling eines großartigen Spiels, geht einen eigenen Weg und hat sich dementsprechend seine Erwähnung als Neuerscheinung redlich verdient.

Alt-Fans werden die knapp fünf Euro, respektive 400 Microsoft-Points nicht bereuen, da sie hier noch einmal das bedrückenden Herrenhaus-Flair bei den Spencers in einem zeitgemäßen Look präsentiert bekommen und sogar Bekanntschaft mit einer ganz neuen Bestie machen dürfen, die noch eine zusätzliche Schrecksekunde aus dem ursprünglichen Game herauskitzelt.