Autor: Nedzad Hurabasic

Kaum zu glauben, aber es ist bereits 14 Jahre her, dass Quentin Tarantino mit Reservoir Dogs einen Kult-Film des Gangsta-Genres in die Kinos brachte. Heutzutage kommt nahezu kein Hollywood-Blockbuster mehr ohne eine Videospielumsetzung aus, damals hatte diese Seuche noch nicht um sich gegriffen.

Nun will Eidos über ein Jahrzehnt später diese Scharte auszuwetzen und Reservoir Dogs für Xbox, PC und PS2 auf den Markt bringen. Wir haben uns angesehen, ob die PS2-Version den Film standesgemäß rüberbringt.

Reservoir Dogs - Trailer

Dass Filme von Tarantino in der Regel nichts für zartbesaitete Gemüter sind, hat er schon mit seinem Kino-Erstling Reservoir Dogs eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Darstellung von ausufernder Gewalt gehörte schon damals genau wie der episodenhafte Erzählstil zu einem seiner Markenzeichen.

So kommt natürlich auch das Spiel nicht ohne jede Menge Blut aus, auch einige besonders brutale Misshandlungs-Szenen haben es in CGI-Form ins Spiel geschafft. Das Gameplay orientiert sich dabei strikt an der Filmvorlage, allerdings wäre eine 1:1-Umsetzung vom Umfang her zu kurz geraten. Deshalb wurden Ereignisse, die damals nicht im Bild zu sehen waren zusätzlich umgesetzt und sollen so den Einblick in das Geschehen vertiefen. Einige der Filmszenen haben es aber darüber hinaus ins Spiel geschafft und sind mittels CGI-Videos mitsamt den damaligen cineastischen Stilmitteln umgesetzt worden. Das sieht nicht nur sehr gut aus, es gibt auch die Atmosphäre des Films durchaus authentisch wieder.

Reservoir Dogs - Die Filmvorlage 14 Jahre alt, das Spiel in Australien wegen exzessiver Gewalt verboten. Preview-Zeit!

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Insgesamt teilt sich das Spiel in der uns vorliegenden Preview-Version auf 16 Kapitel auf. Außer dem Storymodus scheint es keine weiteren Spielinhalte zu geben, sodass dem Spieler eigentlich keine Wahl bleibt, außer der, sich vielleicht einige der freischaltbaren Bilder oder CGI-Videos anzusehen, statt zu spielen. Ihr übernehmt im Spielverlauf jeden der Ganoven, die wie im Film auf Namen wie Mr. Brown, Mr. White oder Mr. Orange hören.

Packshot zu Reservoir DogsReservoir DogsErschienen für PC, PS2 und XBox

Da die Hintergrundgeschichte sich im Kern um einen missglückten Überfall dreht, seid ihr eigentlich ständig nur auf der Flucht vor den Cops und anderen Sicherheitskräften. In den ersten Kapiteln wird der Spieler mit den Eigenheiten der Spielsteuerung vertraut gemacht.

So habt ihr die Wahl, auf welche Weise ihr die Missionen bewältigt: Lieber schießwütig und alles niederballernd oder doch eher vorsichtig und darauf bedacht, möglichst ungeschoren davon zu kommen. Für Spieler, die am Ende der Kapitel ein "Psychopath" in der Auswertung lesen möchten, empfiehlt sich die Rambo-Methode: Draufhalten und durch. Gefangene macht ihr keine, ob Zivilisten draufgehen, ist euch Schnuppe.Wer jedoch lieber als Profi bezeichnet werden möchte, kann dazu verschiedene Taktiken anwenden. Die wichtigste Methode ist das Überwältigen von Passanten, Arbeitern und Polizisten. Sobald ihr eine Geisel habt, könnt ihr diese als menschlichen Schutzschild verwenden.

Cops werden dann nur auf euch feuern, wenn sie freie Schussbahn haben, also beispielsweise hinter oder neben euch stehen. Damit die Ordnungshüter gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen, solltet ihr sie entwaffnen und ruhig stellen. Das geht alles sogar ohne Waffengewalt.

Sicherheitskräfte ergeben sich nach Aufforderung, wenn ihr eine Geisel habt, Polizisten und Sondereinsatzkräfte jedoch nur, wenn ihr der Person eins überbratet. Dann legen sie die Waffen nieder und können vom Spieler herumkommandiert werden. Das nennt sich Crowd Control und ist ein sehr effektiver Weg, unbeschadet sein Ziel zu erreichen.Solltet ihr jedoch das Feuer eröffnen während ihr eine Geisel habt, werden euch die Cops kein Vertrauen mehr schenken und trotz allem auf euch ballern. Dann heißt es nur noch "ihr oder ich". Im Falle von Feuergefechten habt ihr die Möglichkeit in Deckung zu gehen und aus einer relativ sicheren Position heraus die Gesetzeshüter unter Beschuss zu nehmen.

Waffen, die diese fallen lassen, könnt ihr aufheben oder als Munitionsnachschub verwenden. Neben normalen Schrotflinten und Handfeuerwaffen erhaltet ihr auf diese Weise auch automatische Sturmgewehre, Blendgranaten und andere Schießprügel. Diese sind eigentlich fast ausnahmslos sehr effektiv: Ein Schuss aus einer Schrotflinte tötet auf kurze Distanz sofort und lässt Köpfe in einem blutigen Geysir zerplatzen.Wer trifft oder Gegner per Einschüchterung lahm legt, steigert seinen Adrenalinwert. Damit lässt sich das so genannte "Bullet Festival" aktivieren. Ein kurzer Abschnitt von ca. zehn Sekunden, in der die Zeit stark verlangsamt abläuft und in dem ihr besonders effektive Schüsse auf eure Feinde abgeben könnt. Diese werden dann auf spektakuläre Art und Weise ins Jenseits befördert.

Während der Kapitel legt das Spiel an Checkpoints selbstständig Speicherstände an, nie die gesamte Mission von vorn beginnen müsst. Insgesamt ist das Gameplay sehr linear und sehr vorhersehbar. Überraschungen gibt es praktisch nicht, jeder Level ist ähnlich aufgebaut. Das Spielgeschehen läuft immer nach demselben Schema ab: Gehe von A nach B, nach C, nach D.Dadurch ist auch keine Map notwendig, die Orientierung gelingt auch ohne Wegweiser problemlos. Das Autofahren gestaltet sich recht schwammig und erinnert vom Ablauf her stark an die aktuelle Driver-Ausgabe. Allerdings erweisen sich einige der Aufgaben als schwieriger und fordernder als viele der 'Lauf'-Level. Akkumuliertes Adrenalin lässt sich hier in Geschwindigkeits-Boosts ummünzen. In den Kapiteln sind übrigens Blaupausen versteckt, mit denen sich Extra-Konzeptzeichnungen freischalten lassen.

Grafisch macht das Spiel einen guten Eindruck. Für PS-Verhältnisses ist die Optik überdurchschnittlich, was sich übrigens von der gesamten Präsentation behaupten lässt. Die CGI-Filme bringen das Feeling des Kinofilms nachvollziehbar auf den Punkt und werden vom kompletten Soundtrack des Movies zusätzlich gekonnt unterstützt. Ob die Sprecher im Deutschen vertont werden, ist unbekannt, zumindest Michael Madsen hat seinem virtuellen Alter Ego auch seine Stimme geliehen.Ausblick
Reservoir Dogs fängt die Stimmung des Films recht gut ein und zeigt dementsprechend auch ziemlich viel Blut bei den Schießereien. Ob das der Grund dafür ist, dass es in Australien bereits verboten wurde? Kaum zu glauben, denn dem Spieler bleibt eigentlich immer die Möglichkeit offen, ohne Waffengewalt voranzukommen. Angeblich soll es sogar möglich sein, das Spiel zu beenden, ohne auch nur eine einzige Kugel abzufeuern.

Das Gameplay zeigt sich mit der Option auf Geiselnahme relativ vielseitig, leider ähneln sich die Level vom Ablauf viel zu sehr und es gibt insgesamt zu wenig Überraschendes. Außerdem bleibt zu hoffen, dass die 16 Kapitel der Preview nicht das gesamte Spiel abbilden - wenige Stunden genügen sonst, um alles gesehen zu haben. Sollte die Vollversion zudem über keine weiteren Spielmodi verfügen, so bleibt der Eindruck einer ziemlich mageren Ausstattung zurück.