Autor: Matthias Grimm

Hochkarätige Highlights prasselten auf der GC 2006 quasi im Sekundentakt auf begeisterte Besucher ein. Da fällt es selbstverständlich schwer, den alles überragenden Gewinner auszuwählen, vor allem weil jener immer von den persönlichen Vorlieben abhängt.

Doch egal, wen man während der Messe nach seinen Präferenzen fragte: Ein Begriff fiel dabei irgendwie immer: Nintendos neue Wii-Konsole. Zumindest bei den wenigen Privilegierten, denen es erlaubt war, das neue Hardware-Wunder auszuprobieren. Ein Titel ist uns in diesem Zusammenhang besonders aufgefallen: Ubisofts Red Steel.

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Alles bleibt anders
Ein Blick auf den Screen entlarvt Red Steel eindeutig als typischen FPS-Hack-n-Slay-Mix im Yakuza-Milieu. Mit der Pistole und später dem Maschinengewehr im Anschlag bewegen wir uns durch ein zwielichtiges Ambiente, irgendwo zwischen schmutzigen japanischen Seitenstraßen und verrauchten Hinterzimmern, in denen das Verbrechen blüht und wo wie immer mal richtig aufgeräumt werden muss.

Nicht mit Besen und Schaufel, obwohl das vermutlich genau so wichtig wäre, sondern mit Knarren und Samurai-Schwertern. So weit so gut. Doch ist wirklich alles so typisch, wie es aussieht? Mitnichten. Denn durch den neuartigen Wii-Controller wird Red Steel zu einer ebenso neuartigen Spielerfahrung.

Red Steel - Endlich wieder Lightgun-Feeling: Warum auch erwachsene Zocker Spaß am Wii haben.

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Wer es gewohnt ist, seinen Charakter mit den WASD-Tasten durch die Level zu manövrieren und mit der Maus den Sichtbereich samt Fadenkreuz zu verändern, muss umdenken. Aber auch nur ein bisschen. Die Steuerung von Red Steel funktioniert ähnlich intuitiv, wie man es von traditionellen Ego-Shootern gewohnt ist: Mit der Wii-Remote genannten Fernbedienung in der rechten Hand lässt sich das Fadenkreuz über den Bildschirm bewegen.

Packshot zu Red SteelRed SteelErschienen für Wii kaufen: Jetzt kaufen:

Nähert man sich dabei nahe genug dem Bildschirmrand, so dreht sich der Kopf des Charakters in die entsprechende Richtung. Über den als Erweiterung angebotenen Analog-Controller in der anderen Hand lässt sich die 3D-Welt - ähnlich der bekantnen WASD-Steuerung - in die Tiefe hinein erforschen.

Sensibelchen
Wer sich früher, als die Heimkonsolen noch in den technischen Kinderschuhen steckten, seine Nächte in Spielhallen um die Ohren geschlagen hat und dort mit schicken Lightguns Jagd auf Gangster oder fiese Cowboys machte, hat ungefähr eine Vorstellung davon, was ihm Red Steel nun ins Wohnzimmer bringt.

Auch wenn die Fernbedienung des Wii nur marginale Ähnlichkeit mit einer echten Waffe oder auch einer Lightgun besitzt, so fühlt es sich doch schnell so an, als habe man eine ebensolche im Anschlag: anlegen, zielen, abdrücken. Alles geschieht direkt über den Wii-Remote, ohne Umweg über eine Maus und Tastatur.

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Wären die grafischen Möglichkeiten des Wii im Vergleich mit anderen High-End-Konsolen nicht eher beschränkt, man hätte wirklich das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein.

Wer Red Steel zum ersten Mal spielt, wird mit Sicherheit eine gewisse Zeit zur Eingewöhnung benötigen. Vor allem die hohe Sensibilität der Fernbedienung steht ein wenig im Widerspruch zu den ausufernden Bewegungen, die man üblicherweise vom Umgang mit Schusswaffen gewohnt ist.

Macht man beispielsweise einen Gegner hinter seinem Rücken aus, so ist man zu Beginn des Öfteren versucht, sich mitsamt Remote einfach umzudrehen - was natürlich keinen Sinn macht. Nach ein paar Minuten allerdings hat man den Bogen raus und jagt zielgenau Autos in die Luft und böse Yakuzas über den Jordan.

Schnetzel-Jagd
Aber wie gesagt: Lightguns sind eigentlich ein alter Hut. Und der Wii kann doch so viel mehr. Einen beachtlichen Eindruck davon erhalten wir, als wir das nächste Areal betreten. Hier tauscht unserer Charakter seine Knarre gegen ein Schwert, und auf einmal fühlen wir uns wie der Highlander persönlich - vorausgesetzt dieser würde mal im Japan der Gegenwart vorbeischauen. Mit der rechten Hand führen wir unser Schwert so, als würden wir es direkt in der Hand halten, verteilen Hiebe und setzen unserem Samurai-Gegner gehörig zu.

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Die linke Hand pariert seine Angriffe. Das Ganze geht einem so schnell in Fleisch und Blut über, als habe uns jemand das Katana bereits in die Wiege gelegt.

Red Steel beweist, dass der Wii auch für Zielgruppen jenseits der von Nintendo angepeilten Gelegenheitsspieler und Couch-Potatoes interessant sein dürfte. Ein solches Mittendrin-Gefühl hat schließlich keine andere Plattform zu bieten. Und mit ein wenig Übung (oder wenn Ubisoft technisch noch ein wenig nachbessert) sind auch die kleinen Ungenauigkeiten kein Thema mehr.