Autor: Nedzad Hurabasic

Bumm! Schwere Artillerie hat gerade den Panzer meines Teamkameraden zu meiner Linken in seine Einzelteile zerlegt. Ich muss nur noch wenige Sekunden überleben, bis das Südfeld eingenommen ist und ich auf Seiten der Alliierten den Achsenmächten mal wieder richtig in den Hintern getreten habe.

Schnell noch einen Wehrmachtssoldaten geplättet und schon gehört der Sieg mir, mir, mir! Ich meine, uns - denn Teamplay wird in dem bisher wohl realistischsten Multiplayer-Shooter Red Orchestra - Ostfront 41-45 ganz groß geschrieben. Was das Spiel darüber hinaus noch zu bieten hat, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Red Orchestra basiert auf Unreal Tournament 2003, genauer gesagt, auf dem gleichnamigen Mod. Die Macher haben sich entschlossen, nach dem Vorbild von Day of Defeat und Counter Strike ein eigenständiges Spiel herauszubringen, das sich vor allem an die Fans von Multiplayer-Shootern richtet.

Es enthält zwar auch einen rudimentären Einzelspieler-Modus, doch dieser ist nur zum Üben der ersten Schritte gedacht. Kein Wunder, das er folgerichtig auch als "Übung" betitelt ist. Für viel mehr als die Grundausbildung taugt dieser Spielabschnitt allerdings auch nicht, wofür in erster Linie die dümmlichen KI-Soldaten verantwortlich sind.Teilweise laufen sie vor uns her, ohne auch nur ansatzweise auf unsere Anwesenheit zu reagieren. Genüsslich können wir in dieser Zeit das Bajonett aufpflanzen und ... Bevor wir aber dazu kommen unsere Kontrahenten zu erschießen, wegzubomben, überfahren oder sie auf eine der vielfältigen anderen Möglichkeiten ins virtuelle Nirvana zu befördern, müssen wir bei der Installation die "Steam"-Hürde nehmen. Der Dienst von Valve ist nicht ganz unumstritten und nervt beim Installieren des Spiels mit langen Zusatzdownloads und einer lahmarschigen Verbindung.

Red Orchestra: Ostfront 41-45 - An der Ostfront ist der Teufel los. Für alle, denen Battlefield zu unrealistisch war...

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Red Orchestra kann auch per Download erworben werden, dann würden euch aber die Bonus-Inhalte der normalen Verkaufsversion wie ein umfangreiches Handbuch, hochwertig gedruckte Karten aller Maps und Panzerschadenstabellen sowie das beiliegende Software Developer-Kit durch die Lappen gehen.

Außer diesen technischen Widrigkeiten gibt es auch - mal wieder - eine moralische Hürde zu überspringen: Zwar scheint es zuletzt immer weniger Bedenken dabei zu geben, sich als deutscher Wehrmachtssoldat am Weltkriegsgeschehen beteiligen zu dürfen, doch leider ist in RO auch die berüchtigte Waffen-SS ein Teil der kämpfenden Truppen.

Damit schießen die Entwickler deutlich übers Ziel hinaus, auch wenn sie im Handbuch betonen, nichts mit den "extremistischen politischen Ansichten Hitlers" zu tun haben zu wollen. Dass aber gerade die Waffen-SS an vielen Kriegsgräueln beteiligt war ist eine Tatsache, die sie als Spielelement disqualifizieren sollte.

Packshot zu Red Orchestra: Ostfront 41-45Red Orchestra: Ostfront 41-45Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Doch zurück zum Spiel. Wie der Subtitel schon suggeriert, dient der Feldzug gegen die Sowjetunion als Hintergrundszenario, das sich auf 13 Maps ausbreitet.

Wir übernehmen wahlweise die Seite der Alliierten, also Sowjets, oder der Achsenmächte, der Wehrmacht. Auf den Karten können sich bis zu 32 Spieler gleichzeitig tummeln, dabei ist es aber von der Beschaffenheit der vielseitigen Maps abhängig, welche Klassen zur Verfügung stehen.

Die meisten Karten sind ausgewogen und gut ausbalanciert, manche sind mit weiten, offenen Landschaften eher für Panzerschlachten prädestiniert.Städtische Maps eignen sich natürlich für spannende Infanterie-Gefechte viel besser. Nicht auf jeder Karte sind alle Waffengattungen spielbar und die Auswahl sollte sorgfältig vorgenommen werden, da sie das eigene Gameplay bestimmt.

Dafür ist das anspruchsvolle und glaubhafte Spielgeschehen verantwortlich. Wer glaubt, a lá Battlefield 2 mit jedem Soldaten einen Panzer fahren zu können, irrt. Nur die Panzerfahrer-Klasse darf die Stahlkolosse betreten und mit ihnen übers Schlachtfeld walzen.

Doch solche Beschränkungen sind nur die Spitze des Eisbergs, die erahnen lässt, mit welchem Authentizitätsanspruch das Entwicklerteam angetreten ist. Bleiben wir beim Beispiel Panzer: Die Tanks lassen sich nicht beliebig wie beim Autoscooter durch Gelände jagen. Die Geschwindigkeit kann beispielsweise nur langsam gedrosselt werden, andererseits kommen die Stahlsärge auch nur langsam wieder in Fahrt.

Vorausschauendes Fahren ist daher Pflicht! Die Kettenfahrzeuge alleine zu bemannen ist möglich, doch eigentlich sind ein Fahrer, ein Kanonier und ein Bordschützen als Team vorgesehen. Kein Wunder, dass diese Aufgabenteilung vorgesehen ist, denn all dies im rambomäßigen Alleingang übernehmen zu wollen, grenzt an einen Kamikazeangriff.

Als Fahrer sieht man in den meisten Fahrzeugmodellen nur einen sehr eingeschränkten Teil der Spielwelt durch ein kleines Guckloch. Viel mehr sehen aber auch die Bordschützen nicht. Der Kanonier muss zudem beim Feuern die ballistische Flugbahn seiner Geschosse mit ins Kalkül ziehen.

Außerdem dauert die korrekte Ausrichtung des Geschützes seine Zeit, denn per Maus lässt es sich nicht bewegen. Die WASD-Tasten dienen zur Steuerung und das geht obendrein ziemlich langsam. Einfach drauflosballern bringt oft genug den Tod, denn das Nachladen dauert - ewig. So kommt es einem zumindest vor, wenn uns ein Tiger-Panzer gegenübersteht, der mit seiner Feuerkraft deutlich überlegen ist.

Die Krone der Realität an diesem Punkt sind aber abprallende Geschosse: trifft eine Granate im falschen Winkel auf die Stahlplatten unseres oder des feindlichen Vehikels, prallt sie ab oder richtet nicht soviel Schaden an, wie geplant.Nicht viel anders ergeht es aber auch den Infanteristen. Wer bisher Multiplayer-Schlachten nur von Call of Duty 2 kannte, dürfte ein Problem bekommen. Ein großes sogar, denn das Zielen wird mit praktisch allen Waffen zu einer Kunst für sich.

Ein Fadenkreuz? Gibts nicht! "Aus der Hüfte" schießen und auch noch treffen? Pustekuchen! Healthpacks, weiterspielen trotz schwerer Verwundung, Ballern aus der Bewegung heraus? Vergesst es! Wer seine Munition nicht sinnlos verpulvern will, muss das Zielen über Kimme und Korn üben.

Der Gegner kann so anvisiert und effizient beschossen werden. Schwere Maschinengewehre aus dem Stand abzufeuern gleicht eher Salutschüssen gen Mond, diese Waffe ist nur im Liegen vernünftig einsetzbar, entfacht dann aber eine zerstörerische Wirkung. Einzig Sniper können auf ein Fadenkreuz zurückgreifen. Wer zuvor gesprintet ist verliert außerdem zusätzlich an Genauigkeit, außerdem kann dies nur so lange ausgeführt werden, wie Ausdauer zur Verfügung steht.

Das I-Tüpfelchen am realistischen Schuss-und Waffenverhalten bildet neben einem starken Rückstoßeffekt beim Feuern auch das Nachladen. Sofern ihr keine automatische Waffe in den Händen haltet, müsst ihr das selbst vornehmen. Manchmal sogar Kugel für Kugel durch erneutes Betätigen der Feuer-Taste auswerfen und neu laden! Hemmungslose Dauerfeuer-Orgien ade! Etwas übertrieben wurde allerdings beim Aufsammeln und Wechseln der Waffen. Umständlich muss man sich zuerst einer der beiden Hauptwaffen entledigen, bevor eine neue manuell aufgehoben werden kann. Außerdem muss dann noch die richtige Munition gefunden werden. In der Hitze des Gefechts hat man im Zweifelsfall dafür einfach zu wenig Zeit.

In technischer Hinsicht ist hinterlässt Red Orchestra einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ist die eingesetzte Unreal-Engine schon in die Jahre gekommen, was man dem Spiel auch deutlich ansieht. Zudem sind die Figurenanimation teilweise doch arg hölzern geraten und stehen im krassen Widerspruch zum übrigen Ambiente. Außerdem sind die Ladezeiten für die Maps exorbitant, ein Kaffee ist oft schneller fertig als das Laden von Karten. Auf der anderen Seite sehen vor allem die Panzer sehr gut aus und erreichen einen hohen Detailgrad.

Höchst überzeugend präsentiert sich das Spiel auch von akustischer Seite: hier wird eine großartige Breitseite bester Waffensounds abgefeuert, fast jeder Schießprügel klingt anders und donnert toll aus den Boxen. Beeindruckend sind auch die Sounds von Panzern, die schon von weitem durch ihr typisches Kettenrasseln auszumachen sind. Toll! Darüber hinaus ist auch Voice-Chat ins Spiel integriert. Etwas übertrieben wurde allerdings beim Aufsammeln und Wechseln der Waffen. Umständlich muss man sich zuerst einer der beiden Hauptwaffen entledigen, bevor eine neue manuell aufgehoben werden kann. Außerdem muss dann noch die richtige Munition gefunden werden. In der Hitze des Gefechts hat man im Zweifelsfall dafür einfach zu wenig Zeit.

In technischer Hinsicht ist hinterlässt Red Orchestra einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ist die eingesetzte Unreal-Engine schon in die Jahre gekommen, was man dem Spiel auch deutlich ansieht. Zudem sind die Figurenanimation teilweise doch arg hölzern geraten und stehen im krassen Widerspruch zum übrigen Ambiente. Außerdem sind die Ladezeiten für die Maps exorbitant, ein Kaffee ist oft schneller fertig als das Laden von Karten. Auf der anderen Seite sehen vor allem die Panzer sehr gut aus und erreichen einen hohen Detailgrad.

Höchst überzeugend präsentiert sich das Spiel auch von akustischer Seite: hier wird eine großartige Breitseite bester Waffensounds abgefeuert, fast jeder Schießprügel klingt anders und donnert toll aus den Boxen. Beeindruckend sind auch die Sounds von Panzern, die schon von weitem durch ihr typisches Kettenrasseln auszumachen sind. Toll! Darüber hinaus ist auch Voice-Chat ins Spiel integriert.