Red Orchestra 2: Heroes of Stalingrad – Test

– PC

Rothelmchen und die böse Kugel

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von Martin Weber, 27. September 2011 14:25 Uhr
Red Orchestra 2: Heroes of Stalingrad - Test: Bilder/Fotostrecke zum ArtikelBilderstrecke

Battlefield 3 und Call of Duty stehen kurz vor ihrer Veröffentlichung. Zwischendurch kommt das Sequel zu Red Orchestra auf dem Markt – und versagt dem Spieler jeglichen Arcade-Komfort. Niemand hat behauptet, so ein Krieg sei das Leichteste der Welt.

Feine, teambasierte und anspruchsvolle Ballerkost.FazitEine Geschichte wie aus einem Kitschroman: Junge, talentierte Computerfreaks basteln begeistert an dem Code von „Unreal Tournament“ herum, kreieren ein völlig neues Spiel, gewinnen bei dem „Make Something Unreal“-Wettbewerb. Mit der abgegriffenen Kohle gründen sie ein Entwicklerstudio, um ihr Spiel auch vermarkten zu können, und erarbeiten sich einen guten Ruf. Das Spiel läuft die nächsten fünf Jahre mit stabilen Nutzerzahlen und rechtfertigt somit eine Fortsetzung. So in etwa lautet die Kurzfassung der Spielmacher Tripwire Interactive – von Kellerkindern zu Firmenbossen.

Was die Hobbyprogrammierer aus der knallbunten Ballerorgie Unreal Tournament gemacht haben, war indes auch durchaus beeindruckend: Nichts von den Hightech-Arenen ist übrig geblieben, die stark gepanzerten Muskelprotze Spielraum für Waffentechnik des übernächsten Jahrtausends bieten. Es zucken keine Lichtblitze durch enge Korridore, kein futuristisches Außenpanorama – nicht einmal wummernder Brachialsound blieb übrig, der das Geschehen in eine Disco der Gewalttätigkeit verlagert.

Ganz bodenständig versetzt das Team von Tripwire die Spieler zurück in den Zweiten Weltkrieg, wo deutsche Wehrmachtssoldaten gegen die Stellungen der russischen Roten Armee poltern. Das klingt zwar nicht sonderlich originell, schließlich wurde der Krieg schon häufig genug als Hintergrund für Entertainment benutzt, aber die Atmosphäre macht immer wieder unmissverständlich klar, dass Krieg nun mal kein Abenteuer ist. Krieg ist eine grausame Sache, in der Soldaten einfach ihre Pflicht taten – und das auf beiden Seiten.

Screenshot zu: Rothelmchen und die böse KugelAb und zu zeigt Red Orchestra 2 seine freundlichen Seiten.

Kleiner Spoiler: Die Deutschen verlieren den Krieg

Im zweiten Teil geht es hauptsächlich um die Stadt Stalingrad, die von den Deutschen belagert wurde. Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, weiß, dass der zermürbende Kampf um die Versorgungslinien der Roten Armee den Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs markierte und Hitlers Armee ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit verlor. Für das Deutsche Reich war Stalingrad der Anfang vom Ende, und bis heute ist der Name mit den Namen Hunderttausender gefallener Soldaten auf beiden Seiten verbunden.

Dieses Mal spendierten die Entwickler auch eine Solo-Kampagne, in der die Sicht beider Seiten dargestellt wird. Ein Tutorial macht mit den wichtigsten Waffen vertraut und rüstet die Spieler für den mörderischen Häuserkampf – auch wenn man bei den Ruinenfeldern kaum noch von Häusern sprechen mag. Die Atmosphäre bedrückt schon, wenn man seinen ersten digitalen Fußschritt auf das Schlachtfeld setzt. Die Fassaden sind dunkel wie eine russische Winternacht. Dann und wann bekommt man ein Propaganda-Plakat zu Gesicht und von allen Seiten hört man das Geknatter der Maschinengewehre, rasselnde Panzerketten oder Einschläge von Explosivgeschossen.

Versprochene Sache: Nachschub im Umfang

Auch um das Waffenarsenal hat sich Tripwire Interactive gekümmert: Neue Schießprügel und eher seltenere Waffen wurden eingebaut, womit man den Wünschen der Community entgegenkam, die gerne auch mal ein anderes Gewehr als eine Moisin-Flinte oder einen Karabiner 98K in den Händen halten wollten. Dafür wurde die Panzerflotte abgespeckt: Kamen im Vorgänger noch einige Vehikel wie Kettenfahrzeuge, Tiger oder T34 zum Einsatz, so duellieren sich auf der derzeit einzigen reinen Tank-Map nur russische T34 mit dem P IV. Das wird wohl den Entwickler geschuldet sein, die für ihre Akribie bekannt sind, mit der sie historische Begebenheiten ins Spiel bringen.

Wie auch bei dem vor fünf Jahren erschienenen Erstling geht es darum, bestimmte Zonen zu erobern. Das gelingt durch personelle Überlegenheit der eigenen Truppe oder durch das Eliminieren aller Gegner, die sich in der Zone aufhalten. Nach ein paar Sekunden des Ausharrens ist der Stützpunkt eingenommen und kann vom Feind zurückerobert werden. Gewinner ist die Armee, die entweder alle Punkte eingenommen hat oder nach Ablauf der Spielzeit die meisten Zonen besetzt hält. Battlefield oder Call of Duty spielen sich nach dem gleichen Prinzip, legen aber weniger Teamwork und strategischem Können zugrunde. Wer meint, er kann wie in einem Arcade-lastigen Shooter den Rambo markieren, wird seine Spielzeit wahrscheinlich eher in der Respawn-Area verbringen.

Realismus ist Trumpf

Das Alleinstellungsmerkmal war schon immer der Anspruch: Hoher Realismus-Grad spiegelt sich in den Waffen wider, die gerne mal verziehen, in den Animationen, in denen jeder Griff beim Nachladen nachempfunden wurde, und gipfelt im fehlenden Fadenkreuz. Gezielt wird über Kimme und Korn oder mit dem Zielfernrohr, wenn man zur Scharfschützenklasse gehört. Für Sniper sind die Ruinen geradezu paradiesisch, denn sie finden viele Punkte, von denen sie die feindliche Infanterie ausschalten können. Daher ist es ratsam, so viele Deckungspunkte wie möglich im Vorfeld auszumachen, von Sandsäcken zu Mauervorsprüngen zu hechten und möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.

Screenshot zu: Rothelmchen und die böse KugelDoch im nächsten Moment ist es wieder erbittert und erbarmungslos.

Schwachpunkt ist leider die Grafik, denn die Unreal-3-Engine liefert gerade einmal Hausmannskost. Zudem trüben Grafikfehler und schwache Texturen das Bild. Von Crysis, Modern Warfare und den Bildern zu Battlefield 3 verwöhnt, kommt dem Grafikfetischisten hier wahrscheinlich des öfteren ein „Igittigitt!“ über die Lippen. Dafür wurde sich um einen realistischen Kriegssound bemüht, in dem die Ballermänner mit authentischen Geräuschen unterlegt wurden. Auch die Hintergrundgeräusche lassen den Weltkrieg ganz nah über die Spielerohren ins Bewusstsein rücken.

Wodurch das Spiel seine Kraft zieht, ist das Multiplayer-Erlebnis. Bis zu 64 Spieler können online oder via LAN ihre Schlachten austragen. Dabei ist aber Können gefragt, denn Red Orchestra richtet sich an Spieler, die auch ohne Hightech-Sperenzchen überleben können. Hier wird noch gekämpft wie zu Großvaters Zeiten, ohne Bewegungsmelder, Röntgenblick oder Nachtsichtgeräte.

Daher sollte die Truppe auch unbedingt wissen, was sie tut, und am besten einiges an Clan-Erfahrung mitbringen. Einzelkämpfer werden hier ganz klar versagen. Wer das nicht akzeptieren kann, sollte lieber wieder zu Battlefield überlaufen oder seine Sinne für Strategie schärfen.

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Inhalt
  • 1Kleiner Spoiler: Die Deutschen verlieren den Krieg
  • FFazit
Kommentare 5
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Kousaka Kirino04.10.2011 09:17
Habe den ersten Teil lange gesuchtet. Dann kam Killing Floor von den Jungs...und ich sehe keinen Grund Geld für Teil 2 auszugeben.
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Jan-Christian FrühmarkJan-Christian Frühmark28.09.2011 10:28
Ich kann euch beruhigen: Die Grafik kommt im Spiel selbst kaum veraltet rüber. Man hat einfach zu viele andere Eindrücke. Abgesehen davon setzt sie an den richtigen Stellen die richtien Akzente. Sicher gibt es Hochglanzshooter, die besser aussehen, aber das was RO2 auf den Bildschirm bringt, ist für Zocker, die diese Thematik mögen, absolut in Ordnung. Das Spiel lohnt sich auf jeden Fall, wenn ihr mal weg wollt vom ewig gleichen Shooter. Aber ich sage euch gleich: Bringt Frustrationstoleranz mit. Das Ding will von Casualgaming nichts wissen.
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DieBlubbDieBlubb28.09.2011 06:28
geht mir auch so reffer.
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ReFFeRReFFeR27.09.2011 21:54
So an sich würde mich das Spiel ja mal interessieren, aber ehrlich gesagt glaube ich, dass ich da nciht lange Spaß dran hätte aufgrund der veralteten Grafik. Das Auge ist halt leider doch etwas verwöhnt. Ich denke auch nicht, dass ich da der einzige bin, der deswegen vor einem Kauf zurückschreckt. Ist eigentlich schade, immerhin haben sie ja ne gute Engine zur Verfügung, aber gut sie ham halt ihre Prioritäten anders gesetzt.
Zuletzt editiert am 27.09.2011 21:57
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Gast27.09.2011 15:06
habe es auch, aber es sind wie gesagt noch EINIGE Bugs zu finden und ich werde es erst wieder spielen wenn diese in 1-2 Monaten ausgemerzt sind.
zB funktioniert das Ranking System sehr oft nicht und es ist sehr frustrierend ohne zu spielen finde ich.
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Red Orchestra 2: Heroes of Stalingrad
Packshot zu Red Orchestra 2: Heroes of Stalingradvon Peter Games, Tripwire InteractiveGenre: Taktik ShooterPC: 30.9.2011Offizielle Webseite
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