Der Entwickler Crytek hat mit seinem Edel-Shooter Far Cry unlängst bewiesen, dass deutsche Handarbeit auch im Rahmen der Spieleentwicklung für Qualität steht. Im Ausland ist der Shooter allemal angesehen, ebenso wie so manches Adventure aus dem Hause Dtp.

Zur Überraschung aller kündigte der in Hamburg stationierte Vertrieb vor einiger Zeit den Tiefsee-Shooter Red Ocean an. Mittlerweile steht das Projekt der hannoverischen Spieleschmiede Team Collision Studios schon in den Regalen der Händler. Warum Dtp mit dem Unterwasserabenteuer einen eher trüben Tauchgang beschert, erfahrt ihr in unserem Test.

Red Ocean - Gameplay Trailer

Freizeit-Antiterror
Als Besitzer der Tauchschule "Treasure Dive Inc." geht Jack Hard öfter mal auf Schatzsuche tief unter dem Meeresspiegel. Seine neueste Klientel namens Hamerson mietete den ehemaligen Marine und sein Boot, um sich auf die Suche nach einem U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg zu machen. Erst einmal abgetaucht bekommt Jack so bald keine Sonne mehr zu Gesicht. Denn statt einem U-Boot finden die beiden eine mächtige Unterwasserstation.

Red Ocean - Abgesoffen oder aufgetaucht: Was taugt der Shooter aus Deutschland?

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Das Tor zur Hölle brennt unter Wasser...
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Zu allem Überfluss ist der Kunde plötzlich verschollen. Leichtsinnig betritt unser Held den nautischen Komplex, wo er sogleich die Leiche seines Begleiters auffindet. Kurz darauf meldet sich eine unbekannte Stimme, die in knappen Worten den mysteriösen Sachverhalt aufklärt: Hamerson ist ein Agent der CIA und seine aktuelle Mission war es, Terroristen zu stoppen, die vor Ort eine geheime Energiequelle zur Herstellung einer Massenvernichtungswaffe entdeckt haben. Was sich schon jetzt äußerst hanebüchen anhört, ist dazu bestimmt, noch weitaus plumper zu werden. Sobald Jack nämlich die Pistole des gescheiterten Agenten in die Hand nimmt, artet Red Ocean zur schlichten Ballerei aus.

Kein intelligentes Leben in ozeanischen Tiefen
Wer schon Far Cry gespielt hat, wird beim Anspielen von Red Ocean ganz unfreiwillig an den Shooter-Knüller erinnert. Allerdings existieren abgesehen von der Abstammung aus dem deutschen Binnenland und dem übereinstimmenden Namen der Protagonisten kaum Gemeinsamkeiten. Wo Cryteks Werk mit Spannung und Atmosphäre an den Bildschirm lockt, präsentiert sich Red Ocean als stumpfe Ballerei mit verkorkster Handlung.

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Im Kreuzfeuer der Terroristen...
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Eines ist gewiss: Wo Geradlinigkeit draufsteht, steckt sie auch garantiert drin. Vom Intro bis hin zum Abspann geht es darum, sich von Raum zu Raum durch die Schergen der United Arms zu ballern - von Abwechslung keine Spur! Als wäre das nicht schon Todesurteil genug, versuchen euch die Bösewichter pausenlos davon zu überzeugen, dass Grips in Zeiten Kader Loth nicht mehr vonnöten ist. Wer von euch etwa in S.T.A.L.K.E.R. ein paar verstrahlte Gestalten über den Haufen geschossen hat, dürfte wissen, wie Künstliche Intelligenz heutzutage zu agieren hat. Bei Red Ocean wurde hingegen heftig gepatzt. Anstatt sich hinter Deckungen zu werfen, laufen euch die bösen Buben geradewegs in den Lauf. Anderseits treffen die Kerle ziemlich präzise. Im Verbund mit den rar gesäten Medikits wird euer Unterwasserausflug daher alles andere als ein Spaziergang.

Dass geradlinige Action vor den Bildschirm fesseln kann, haben einige Shooter in der Vergangenheit schon unter Beweis gestellt. Zutaten wie etwa ein breit gefächertes und ungewöhnliches Waffenarsenal reichen da manchmal schon aus. Leider präsentiert sich Dtp's Action-Titel in diesem Zusammenhang als äußerst unspektakulär: Welcher Ego-Shooter wartet dieser Tage schon ohne Messer, Pistole, Maschinengewehr und anderes Standard-Spielzeug auf? Lediglich zwei futuristisch angehauchte Energiekanonen sorgen für ein wenig Schwung.

Keinerlei Grund zum Meckern gibt die Steuerung: Die Bedienung ist typisch für einen Shooter, kann nach Belieben konfiguriert werden und dürfte niemandem ein Dorn im Auge sein. Auch beim Speichern haben sich die Entwickler was gedacht: Regelmäßig wird der Spielstand aktuell gehalten, so dass ihr euch trotz einiger nicht optimal gesetzter Speicherstellen nicht den Kopf zu zerbrechen braucht.

Fluten, bitte!
Mit dem Leveldesign von Red Ocean gibt Dtp seinem Shooter einen tödlichen Treffer in den Bug. Anfangs noch angetan von dem Setting überfällt einen rasch das Gefühl, im Kreis zu laufen. Wieder und wieder verwendet das Spiel bereits gesehene Levelabschnitte. Für ein wenig Stimmung hingegen sorgen die gut gewählten Farben sowie tolle Waffeneffekte. Ebenfalls als sehenswert dürfen die wohl eingesetzten Shader- sowie Bump-Mapping-Effekte gelten. Bei den niedrig aufgelösten Texturen aber hapert es wieder, obwohl man ab und an ganz schöne von ihnen zu Gesicht bekommt. Wirklich sehen lassen konnten sich die Taucheinlagen, von denen allerdings viel zu wenige existieren.

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Der Typ links hat wohl Zitronen auf den Augen...
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Da Red Ocean immerhin aus Deutschland stammt, hätte man zumindest eine angenehme Synchronisation erwarten dürfen. Allerdings agieren die Sprecher äußerst übertrieben. Zudem kommen euch andauernd lächerlich wirkende Beschimpfungen wie "Penner!" zu Ohren. Dass die Jungs von Team Collision Studios dann doch den guten Ton noch treffen, beweisen satte Waffensounds und ein ordentlicher Soundtrack.