Als im Jahr 2001 der erste Teil von Red Faction erschien, hatte es nicht viel mehr zu bieten als ausgetretene Shooter-Standards plus einem pseudo-innovativen Alibi-Feature für die Werbeslogans: zerstörbare Umgebung. Während bei der Konkurrenz nämlich aller Naturgesetze zum Trotz Häuserfassaden, Einrichtung, selbst morsche Holztüren dem Beschuss mit einem Raketenwerfer standhielten, ließen sich in Red Faction Wände einreißen und ganze Gebäude in Schutt und Asche legen.

Doch die Zeiten haben sich geändert: Mittlerweile stürzen auch in Crysis Hütten in sich zusammen, und selbst die Entwickler des Landwirtschafts-Simulator frönten unlängst mit dem Sprengmeister-Simulator der totalen Zerstörung. Zeit also für die „Red Faction“-Macher, in neuen Gefilden zu wildern: Teil 3 wandelt daher auf den Open-World-Pfaden eines Grand Theft Auto.

Um das neue Gameplay plausibel im „Red Faction“-Universum zu verankern, bedient man sich bei Entwickler Volition eines Story-Kniffs: 50 Jahre nach den Geschehnissen des Vorgängers ist das Terraforming auf dem Mars so weit fortgeschritten, dass Menschen sich auch ohne Atemschutz und Raumanzug an der Oberfläche aufhalten können. Die unterirdischen Gänge der Vergangenheit gehören damit… nun ja, eben der Vergangenheit an – wie übrigens Innenlevel generell.

Red Faction: Guerrilla - GTA im Weltraum

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Rache ist Blutwurst: Der Mord an seinem Bruder weckt den Revolutionär in Alec Mason.
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Dafür steht euch ein riesiges Outdoor-Areal auf dem roten Planeten zur freien Verfügung. Hier könnt ihr euch ganz nach GTA-Manier frei bewegen, Missionen annehmen, Fahrzeuge kapern – oder alles demolieren, was euch vor den Hammer kommt. Für Abwechslung sorgen sechs „Distrikte“, die sich optisch und architektonisch stark von einander unterscheiden.

Während das Startgebiet „Parker“ mit seinen Raffinerien und Minenanlagen noch dem rostroten Mars-Klischee entspricht, ist das Terraforming im zweiten Gebiet Dust bereits weiter fortgeschritten. Hier recken bereits erste Grashalme ihre Köpfe aus dem Boden und ein staubiger Wind färbt die Luft in erdige Schmutztöne.

Packshot zu Red Faction: GuerrillaRed Faction: GuerrillaErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Im späteren Spielverlauf gelangt ihr jedoch auch in idyllischere Gefilde, eine versnobbte Wohngegend etwa, wo privilegierte Marsbewohner in schicken Glaspalästen residieren und mit farbenfrohen Nobelkarossen zum Shopping gondeln. Auch die eisigen Polarkappen werden ein Ausflugsziel auf eurer Sightseeing-Tour über den roten Planeten bilden.

Grand Theft Mars

Ziel des Spiels ist es, die unterschiedlichen Zonen von der Besatzung der diktatorischen EDF (Earth Defense Force) zu befreien. Den einstigen Weltenrettern ist ihre Macht zu Kopfe gestiegen, weshalb ein neuerlicher Umsturz weit oben auf eurer To-Do-Liste steht – gleich hinter dem Punkt „Rache“, denn die Unterdrücker haben seit dem Intro des Spiels euren Bruder auf dem Gewissen.

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Der rote Planet in Flammen: Zerstörung ist in RFG Programm.
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Um die EDF nach und nach vom Angesicht des Planeten zu drängen, müsst ihr ihren Einfluss in den verschiedenen Zonen schwächen, bis sie sich gänzlich daraus zurückziehen. Dies gelingt, indem ihr die Story-Missionen absolviert oder wichtige Gebäude des Feindes, wie Fabriken, Wassertürme oder Solarkollektoren, dem Erdboden gleich macht.

Zudem warten, wie in den einschlägigen Open-World-Vorbildern, zahlreiche Nebenmissionen auf ihren Planetenretter. Diese zeigten sich während unserer ca. dreistündigen Anspielsession bei einer Veranstaltung des Publishers THQ in London von einer erstaunlich abwechslungsreichen Seite: So müsst ihr mal gemeinsam mit den Rebellen einen Stützpunkt der EDF stürmen, ein Lager der befreundeten Guerrilla-Fraktion vor einem Überfall beschützen, Geiseln aus der Verwahrung befreien oder an strategisch wichtigen Punkten die Abrissbirne spielen.

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Demolition Man: Riesige Gebäudekomplexe wie dieser werden spektakulär dem Erdboden gleich gemacht.
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Die totale Zerstörung ist nämlich nach wie vor das zentrale Feature in Red Faction: Guerrilla – und zwar in einem Ausmaß, von dem die Vorgänger nur träumen konnten. Während aus Gameplay-Gesichtspunkten in den bisherigen Teilen nur bestimmte Wände unter Beschuss zu Bruch gingen, ist nun alles von Menschen Gemachte in seine Einzelteile zerlegbar: Gebäude, Fahrzeuge, Einrichtung.

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Nur die Umgebung selbst bleibt nach wie vor unangetastet. Felsen, Berge und Landschaft bekommen selbst von den dicksten Raketen nicht mal einen Kratzer ab. „Hundertprozentig plausibel ist das zwar nicht, aber diesen Kompromiss mussten wir einfach eingehen“, bedauern die Entwickler. Verständlich, denn würde sich auch das Gelände zerlegen lassen, könnten besonders hartnäckige Spieler in letzter Konsequenz den gesamten Planeten stückweise auseinander nehmen.

Es ist noch Soße da

Dennoch macht der durchschnittliche Guerrilla-Spieler in wenigen Minuten vermutlich mehr kaputt als ein hauptberuflicher Sprengmeister in seinem ganzen Leben. Mit seinem überdimensionerten Hammer bricht man mühelos durch Wände, sprengt mit den Granaten riesige Bohrtürme in die Luft und sieht anschließend zu, wie sie physikalisch korrekt und spektakulär inszeniert in sich zusammen brechen.

Das geht so locker und spaßig von der Hand, dass man sich nach kürzester Zeit daran gewöhnt hat, Mauern nicht länger zu umgehen, Gebäude nicht durch die Tür, sondern auf direktem Weg durch die Wand zu verlassen und... Kennt noch jemand die Miracoli-Werbung aus den 80ern („Es ist noch Soße da!“)?

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Und weil eine andere 80er-Jahre-Werbung schon wusste: „Mars macht mobil“, müsst ihr die langen Wege auf dem roten Planeten nicht per pedes zurücklegen, sondern könnt GTA-typisch jedes stehende, aber auch fahrende Fortbewegungsmittel kapern. Von einfachen Buggys über spießig bunte Familienkutschen bis hin zu Panzern ist der Fuhrpark umfangreich bestückt. In späteren Missionen könnt ihr gar in gigantischen Walkern Platz nehmen, die selbst durch die dicksten Wände wie durch Papier laufen.

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Die Waffen - wie dieser Lichtbogenschweißer - sind schick und einfallsreich.
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Je mehr ihr demoliert, desto mehr demoralisiert ihr euren Feind. Dies zwingt ihn nicht nur irgendwann, den Sektor aufzugeben, sondern überzeugt auch gelegentlich Passanten, sich spontan eurer Sache anzuschließen und euch bei Feuergefechten beizustehen. Umgekehrt verscherzt ihr es euch bei der Bevölkerung, wenn ihr versehentlich (?) Zivilisten überfahrt oder Unschuldige per Querschläger über den Jordan schickt. Trotz dicker Wummen dürfte Red Faction 3 demnach auch unter der USK Freunde finden…

Apropos „dicke Wummen“: Auch abseits des erwähnten Sledgehammer ist euer Arsenal voll auf Zerstörung ausgelegt: Mit dem Raketenwerfer sprengt ihr ganze Gebäudekomplexe in die Luft, ein Desintegrator löst Beton und Gegner in einem „Blade“-artigen Ascheregen auf, und die Singularitätskanone erzeugt gar ein kleines schwarzes Loch, das alles in seiner Umgebung einsaugt und dahin beamt, wo garantiert keine Sonne mehr scheint.

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Schuster, bleib bei deinen Leisten - und fahr Auto!
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Selbst der Multiplayer-Modus steht ganz im Zeichen der Abrissbirne. Neben genre-üblichen Modi wird es auch eine Spielvariante geben, in der soviel Bauschutt wie möglich in der gegnerischen Basis angerichtet werden muss. Der Begriff „Abwrackprämie“ erhält so eine völlig neue Bedeutung…