Abriss statt Aufbau: Red Faction Guerrilla war das schön anarchische Gegenteil zum spießigen Sandkasten: Statt dröge Sandburgen mühsam hochzuziehen, frönte man hier der Lust, alles zu Klump zu schlagen, was einem vor den Hammer geriet.

Doch einen großen Knackpunkt besaß das Open-World-Spektakel: Was nach allen Seiten hin offen ist, kann nicht ganz dicht sein. Sprich: Bei aller spielerischer Freiheit gelang es den Entwicklern nicht, eine packende Geschichte zu erzählen. Außerdem war der Held ebenso blass wie die triste Marsoberfläche.

Dies soll mit Red Faction Armageddon alles besser werden. Daher faltet Volition für den vierten Teil der Serie die offene Spielwelt wieder zusammen und rollt die Levelschläuche aus. Auf der Hausmesse von Publisher THQ in New York konnten wir uns persönlich davon überzeugen, ob Red Faction mit diesem Schritt zurück gleichzeitig zwei nach vorne macht…

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Die Zwerge haben zu tief gegraben

Die Zwerge haben zu tief gegraben“ – dieser Ausspruch Sarumans, angesichts der unheilvollen Minen von Moria, scheint auch als Motto über Red Faction Armageddon zu prangen. Nachdem die Menschen in Guerrilla die Marsoberfläche besiedelt haben, geht es nun wieder in unterirdische Raumstationen und Höhlensysteme, von wo aus sich eine außerirdische Bedrohung breit macht.

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Küss die Hand, Herr Kerkermeister, ich bin wieder da."
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Armageddon spielt 40 Jahre nach dem Vorgänger Guerrilla. Held Alec Mason genießt seinen Ruhestand, sein coolerer Enkelsohn Darius übernimmt das Ruder – und beschwört sogleich Unheile von apokalyptischen Ausmaßen herauf. So viel zur Story, von der leider nicht viel mehr bekannt ist.

„Das Problem mit Open-World-Spielen wie Red Faction Guerrilla ist, dass man in ihnen keine packende Geschichte erzählen kann“, verraten uns die Entwickler im Interview. „Red Faction Armageddon hingegen ist wieder linear, hält dafür aber mit geskripteten Sequenzen im Minutentakt Spannung und Atmosphäre am Anschlag.“

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An die Oberfläche geht es nur noch selten.
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Während der zwei Level, die wir komplett spielen durften, war davon zwar leider noch wenig zu sehen, doch scheint man dieses Mal derart von den eigenen Story-Telling-Qualitäten überzeugt zu sein, dass THQ in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Sci-Fi-Channel an einem „Red Faction“-Film arbeitet, der die Story-Lücke zwischen Guerilla und Armageddon schließt und zum Release des Spiels ausgestrahlt wird – ein deutscher Sendetermin steht leider noch nicht fest.

Die Kinder aus der Krachmacherstraße

Die spielerische Freiheit, die Red Faction Armageddon in seiner Spielwelt einbüßt, erkaufen sich die Entwickler beim Kampfsystem doppelt und dreifach zurück. Hier kombiniert Volition Spielelemente aus kreativen Baller-Sandkästen wie Just Cause, Star Wars: The Force Unleashed, Singularity – und natürlich den Vorgängern.

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Das Waffenarsenal ist eine einzige Spielwiese.
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Denn selbstverständlich bildet die Möglichkeit, alle Gebäude und Konstruktionen in ihre Einzelteile zerlegen, zerschmelzen und pulverisieren zu können, auch wieder das Kern-Feature von Armageddon. Dies lässt sich vor allem während der Kämpfe taktisch einsetzen: Hält sich eine fiese Alien-Schabe gerade im Erdgeschoss eines Gebäudes auf, während ihr den tragenden Stützpfeiler der Konstruktion zerbröselt, dehnen sich die Kopfschmerzen beim Insektenvieh schnell bis in die Zehenspitzen aus.

Statt offener Spielwelt: Kampf der unbegrenzten Möglichkeiten. Genau das Richtige für große Jungs.Ausblick lesen

Bei der reinen Destruktion ist es aber in Armageddon nicht getan: Dieses Mal verfügt ihr zusätzlich über einen praktischen Nano-Handschuh, mit dem sich zerstörte Architektur in Windeseile wieder reparieren lässt – ähnlich der Zeit-Rückspul-Funktion aus Singularity oder TimeShift. Eine verrostete Treppe wird so z.B. flux wieder begehbar.

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Heavy Metal: Auch den Mech-Anzug dürft ihr wieder besteigen.
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Doch mit etwas Raffinesse lassen sich hieraus auch gemeine taktische Kniffe ersinnen: So könnt ihr den Gegnern einfach die Brücke unter ihren Füßen wegpusten – und sie anschließend gemütlich wieder aufbauen, um darüber zu gehen. Oder ihr schleudert ein explosives Fass auf die Alienbrut, repariert dieses umgehend wieder und versorgt euch so selbst mit gewissermaßen unendlichem Nachschub. Weggeschossene Deckungsmöglichkeiten lassen sich ebenfalls instant wieder herstellen.

„Wir nennen das: ‚Kampf der unbegrenzten Möglichkeiten’“, lacht der Entwickler, als wir ihm davon vorschwärmen. In der Tat: Red Faction Armageddon ist ein voll ausgestattetes Experimentierlabor kreativer Kampftaktiken – klassisches Zielen-Schießen-Rumms ist hier eindeutig sooo 90er...

Besonders kreativ ist beispielsweise auch die Magnetkanone: Ein Schuss auf den Gegner und er ist mit einem ultrastarken Magneten behaftet und zieht sämtliche Trümmerteile in der Umgebung an, bis er unter diesen begraben liegt. Oder: Ein zweiter Schuss an die ferne Höhlenwand und das Vieh wird in solcher Geschwindigkeit davon angezogen, dass es beim Aufprall einfach zerplatzt. Wer sich an die Leine aus Just Cause erinnert, kann sich vorstellen, wie viel Spaß man mit solcherlei Gerätschaft haben kann.

Oder wir öffnen mit der Singularitätskanone ein kleines Schwarzes Loch in der Wand, das alles einsaugt, was sich in unmittelbarer Nähe befindet. Hmm… Und jetzt mal sehen, was passiert, wenn wir einen Magneten ins Schwarze Loch schießen…