Hat die Welt darauf gewartet? Oder erwartet uns wieder nur ein belangloser Knaller, der im Wald der Bedeutungslosigkeit vor sich hindümpelt und eher als Lückenfüller statt als Shooter-Hit zu bezeichnen ist? Klar, Red Faction: Armageddon versucht es mit einigen interessanten Neuerungen, vernachlässigt jedoch viel zu viele wichtige Faktoren.
Ein Nachfolger, der viel versucht, aber nur die Hälfte schafft. Keine würdige Fortsetzung, dafür ein kurzer Spaß, um sich mal richtig auszutoben.FazitAber bevor wir das Spiel systematisch auseinandernehmen und ich mich so richtig auslasse, weil es tatsächlich eine kleine Enttäuschung ist, will ich erst mal auf die Geschichte zu sprechen kommen. Wer jetzt direkt auf Fazit klickt, sei verdammt. Denn diese Person wird niemals in den Genuss kommen, Bruchstücke einer Geschichte zu erfahren, die selbst als Ganzes nur aus Bruchstücken besteht.
Mason heißt der Protagonist der Geschichte, und wenn jemand als echter Pechvogel bezeichnet werden kann, dann dieser Typ. Erst zerstört er die Atmosphäremaschine des roten Planeten und macht ihn dadurch unbewohnbar, weswegen die Kolonisten unter die Erde flüchten müssen, und dann erweckt sein Erzrivale Adam Hale auch noch eine uralte Alien-Rasse, die das Leben als Maulwurf nicht angenehmer gestalten als das Leben auf der lebensfeindlichen Oberfläche.
Krach und Scheppern - damit hätten wir den Hauptbestandteil geklärt.Verständlicherweise sind die Bürger des Mars nicht sonderlich gut auf unseren Helden zu sprechen. Und so hat Mason einen langen Weg vor sich, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, die Alien-Horden in die Tiefen zurückzujagen, aus denen sie gekommen sind, und Adam Hale den Garaus zu machen.
Während der langen Ballerzeit, unterbrochen von einigen Videosequenzen und noch mehr Ballerphasen (während denen ich jedoch in einem Mech sitze!) wird eines klar: Der Mann hat Charakter. Ich kauf ihm seine Rolle, seine Gefühle und seine Gedanken absolut ab. Sehr nett gemacht und auf jeden Fall Grund für ein dickes Lob an die Macher sowie den Synchronsprecher.
Zwar ist keine entsprechende Lokalisierung vorhanden und man muss sich mit deutschen Untertiteln begnügen, doch stört das in keiner Weise. Weder während der Kämpfe noch in den Videosequenzen verliert man den Überblick und mit wenigen Englischkenntnissen sind die Untertitel nicht mal mehr nötig.
Es kracht überall schön, aber die Geschichte... Meeh.Doch was ich dem Spiel nicht abkaufe, ist die ganze Geschichte drumherum. So einen an den Haaren herbeigezogenen Murks hab ich schon lange nicht mehr gespielt. Heißt es in einer beliebten Kindersendung noch: 'Reim dich oder ich beiß dich', muss es hier wohl heißen: 'Äh! Geh mal den Reaktor reparieren... Weil...'
Reimt sich zwar nicht mehr, ergibt aber genauso wenig Sinn wie die Sprüche des Pumuckls. Es beginnt bereits bei der Bastion, einer der letzten Zufluchtsorte für Menschen auf dem Mars, und zieht sich dann durch die ganzen (wenigen) zehn Stunden Spielzeit. Sei es die Hintergrundgeschichte zu Hale, die Ereignisse unter der Erde oder einfach nur der Grund unseres aktuellen Auftrags: Alles wirkt wie witzlos zusammengeschustert.
Wenn Mason losgeschickt wird, die Stromversorgung der Kolonie wieder herzustellen oder die Energiezellen der Geschütztürme aufzuladen, kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass es sich hierbei nicht nur um die sinnigsten Missionen handelt, sondern auch noch um die interessantesten. Alles, was mit der Hauptgeschichte zu tun hat, ist leider nur als 'schwer verdaulich' und 'schlecht nachvollziehbar' zu bezeichnen.
Ein wenig Abwechslung bringt der sprechende Computer, der Mason den Weg weist, mit Tipps zur Seite steht und lustige Diskussionen mit dem Helden führt. Das peppt die düstere Atmosphäre ein wenig auf - auch wenn einem die KI-Verbündete irgendwann gehörig auf den Senkel geht.
Charaktere sind da, logisch, aber keine guten.Und noch ein kleines Detail mag ich nicht für mich behalten: Ist die Hintergrundgeschichte auch noch so schlecht, zumindest die Details, eigentlich Nebensächlichkeiten in einem Spiel, kommen im neuesten Red Faction besonders gut. Sei es der Bart, der dem Protagonisten während der Missionen wächst, oder die vielen kleinen Filmanspielungen. Beides ist sehr gelungen und fördert die Laune wieder so weit, dass man doch nicht zu einem anderen Titel wechselt... Vorerst.

eron24.06.2011 00:19
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