Hat die Welt darauf gewartet? Oder erwartet uns wieder nur ein belangloser Knaller, der im Wald der Bedeutungslosigkeit vor sich hindümpelt und eher als Lückenfüller statt als Shooter-Hit zu bezeichnen ist? Klar, Red Faction: Armageddon versucht es mit einigen interessanten Neuerungen, vernachlässigt jedoch viel zu viele wichtige Faktoren.

Aber bevor wir das Spiel systematisch auseinandernehmen und ich mich so richtig auslasse, weil es tatsächlich eine kleine Enttäuschung ist, will ich erst mal auf die Geschichte zu sprechen kommen. Wer jetzt direkt auf Fazit klickt, sei verdammt. Denn diese Person wird niemals in den Genuss kommen, Bruchstücke einer Geschichte zu erfahren, die selbst als Ganzes nur aus Bruchstücken besteht.

Mason heißt der Protagonist der Geschichte, und wenn jemand als echter Pechvogel bezeichnet werden kann, dann dieser Typ. Erst zerstört er die Atmosphäremaschine des roten Planeten und macht ihn dadurch unbewohnbar, weswegen die Kolonisten unter die Erde flüchten müssen, und dann erweckt sein Erzrivale Adam Hale auch noch eine uralte Alien-Rasse, die das Leben als Maulwurf nicht angenehmer gestalten als das Leben auf der lebensfeindlichen Oberfläche.

Red Faction: Armageddon - Von der Freude, Dinge zu zerstören

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Krach und Scheppern - damit hätten wir den Hauptbestandteil geklärt.
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Verständlicherweise sind die Bürger des Mars nicht sonderlich gut auf unseren Helden zu sprechen. Und so hat Mason einen langen Weg vor sich, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen, die Alien-Horden in die Tiefen zurückzujagen, aus denen sie gekommen sind, und Adam Hale den Garaus zu machen.

Während der langen Ballerzeit, unterbrochen von einigen Videosequenzen und noch mehr Ballerphasen (während denen ich jedoch in einem Mech sitze!) wird eines klar: Der Mann hat Charakter. Ich kauf ihm seine Rolle, seine Gefühle und seine Gedanken absolut ab. Sehr nett gemacht und auf jeden Fall Grund für ein dickes Lob an die Macher sowie den Synchronsprecher.

Packshot zu Red Faction: ArmageddonRed Faction: ArmageddonErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Zwar ist keine entsprechende Lokalisierung vorhanden und man muss sich mit deutschen Untertiteln begnügen, doch stört das in keiner Weise. Weder während der Kämpfe noch in den Videosequenzen verliert man den Überblick und mit wenigen Englischkenntnissen sind die Untertitel nicht mal mehr nötig.

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Es kracht überall schön, aber die Geschichte... Meeh.
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Doch was ich dem Spiel nicht abkaufe, ist die ganze Geschichte drumherum. So einen an den Haaren herbeigezogenen Murks hab ich schon lange nicht mehr gespielt. Heißt es in einer beliebten Kindersendung noch: 'Reim dich oder ich beiß dich', muss es hier wohl heißen: 'Äh! Geh mal den Reaktor reparieren... Weil...'

Reimt sich zwar nicht mehr, ergibt aber genauso wenig Sinn wie die Sprüche des Pumuckls. Es beginnt bereits bei der Bastion, einer der letzten Zufluchtsorte für Menschen auf dem Mars, und zieht sich dann durch die ganzen (wenigen) zehn Stunden Spielzeit. Sei es die Hintergrundgeschichte zu Hale, die Ereignisse unter der Erde oder einfach nur der Grund unseres aktuellen Auftrags: Alles wirkt wie witzlos zusammengeschustert.

Ein Nachfolger, der viel versucht, aber nur die Hälfte schafft. Keine würdige Fortsetzung, dafür ein kurzer Spaß, um sich mal richtig auszutoben.Fazit lesen

Wenn Mason losgeschickt wird, die Stromversorgung der Kolonie wieder herzustellen oder die Energiezellen der Geschütztürme aufzuladen, kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass es sich hierbei nicht nur um die sinnigsten Missionen handelt, sondern auch noch um die interessantesten. Alles, was mit der Hauptgeschichte zu tun hat, ist leider nur als 'schwer verdaulich' und 'schlecht nachvollziehbar' zu bezeichnen.

Ein wenig Abwechslung bringt der sprechende Computer, der Mason den Weg weist, mit Tipps zur Seite steht und lustige Diskussionen mit dem Helden führt. Das peppt die düstere Atmosphäre ein wenig auf - auch wenn einem die KI-Verbündete irgendwann gehörig auf den Senkel geht.

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Charaktere sind da, logisch, aber keine guten.
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Und noch ein kleines Detail mag ich nicht für mich behalten: Ist die Hintergrundgeschichte auch noch so schlecht, zumindest die Details, eigentlich Nebensächlichkeiten in einem Spiel, kommen im neuesten Red Faction besonders gut. Sei es der Bart, der dem Protagonisten während der Missionen wächst, oder die vielen kleinen Filmanspielungen. Beides ist sehr gelungen und fördert die Laune wieder so weit, dass man doch nicht zu einem anderen Titel wechselt... Vorerst.

Aliens, Monster und dicke Wummen

Eines vorneweg, denn ist es mit Sicherheit das größte Manko, wenn wir uns nun all dem widmen, was jenseits der Hintergrundgeschichte von Bedeutung ist: das Leveldesign. Die erwarteten und von Fans sehnlichst erhofften Open-World-Aspekte mussten einem eher linearen Leveldesign weichen, das hauptsächlich unter der Erde spielt. Ist das schlimm? Nee, geht so.

Die Level selbst sind teilweise einfach nur schwach bestückt und wirken alles andere als realistisch. Kann man damit leben? Auf jeden Fall. Doch was nicht okay ist und womit man ganz sicher nicht leben kann, sind die einfallslosen Copy-and-Paste-Abschnitte. Immer wieder die gleichen Gänge, immer wieder die gleichen Gebäude und immer wieder der gleiche Schei*.

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Da stehen sie alle Spalier. Und gleich kracht's wieder.
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Bei einem Spiel, das gerade einmal zehn Stunden Spielzeit verspricht, dürfte ich ja wohl davon ausgehen, dass ich wenigstens mit einem schönen, ansehnlichen Leveldesign entschädigt werde. Stattdessen schicken die Entwickler einen durch endlose Schlauchlevel, die sich so sehr ähneln wie Pickeldi dem Frederick: irgendwie unterschiedlich, aber dennoch ein Schwein.

Ganz anders schaut es da schon bei den Gegnern aus. Vom kleinen Krabbelviech über den großen Alien-Mutanten bis hin zum alles niedermachenden, säurespuckenden und Helden zum Frühstück verspeisenden Endboss. Da wird aus der Ballerorgie schnell ein Kampf auf Leben und Tod, und das erste Mal in diesem Spiel wird klar: Die Enttäuschung wird nicht ganz so groß ausfallen, wie in der ersten Spielstunde vermutet.

Die Gegner sind schnell und wendig, springen von einer Plattform zur nächsten und von Felsvorsprüngen auf Dächer. Sie sind ständig in Bewegung, greifen von allen Seiten an und liefern einige echt harte Kämpfe. Aber das schaffen sie auch nur auf zwei Wege: Entweder weil sie so groß und stark sind, dass wir uns nur noch klein und schwach fühlen, oder durch bloße, zahlenmäßige Überlegenheit.

Denn mit der sogenannten künstlichen Intelligenz können weder die Aliens noch die Kultisten oder die Soldaten aufwarten. Liebevoll animiert: ja! Abwechslungsreich und unterschiedlich: auf jeden Fall. Intelligent: oh, mein Gott! Nein! Tausendmal nein. Ganz sicher nicht.

Aber was soll’s. Auch dies ist ein Punkt, über den man hinwegsehen kann. Und was einem dabei hilft, sind die unglaublich fetten Wummen, mit denen das Spiel aufwartet. Vom herkömmlichen MG und der einfachen Schrotflinte geht es über Magnetwaffen, die zwei Objekte zusammenprallen lässt, über schwarze Löcher generierende Granatwerfer bis hin zu Plasmawaffen, die die Umgebung heil lassen und alles Organische verdampfen.

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Das Design der Aliens ist sogar recht ansehnlich.
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Mit diesen kleinen Wunderwerken kann man nicht nur eine ganze Menge Spaß haben, man kann sogar einen gigantischen Haufen Spaß haben. Rumrennen (manchmal zu Fuß, manchmal wie ein Boss im dicken Mech), ballern, Dinge kaputt machen und Gegner zerstückeln. Das ist eine schöne Abwechslung und lässt die miese Geschichte schnell vergessen.

Aber genau das birgt ein weiteres Problem. Denn schon bald tendiert man dazu, auf den Fortgang der Handlung zu pfeifen und lieber alles kurz- und kleinzuschießen. Ein wenig wie bei GTA, wo man beginnt, aus Langeweile von A nach B zu fahren, Stunts mit den Autos hinzulegen, und genervt einige bis Hunderte Passanten niedermäht. Das macht vielleicht ein gutes Stündchen Spaß, raubt aber im Anschluss jegliche Motivation weiterzuspielen.

Doch gibt es letzten Endes immer noch einen weiteren Grund, den Titel nicht in die hinterste Ecke zu verbannen: Solange man fleißig weiterspielt und Barschrott sammelt, kommt man in den Genuss, eben beschriebene Waffensysteme zu kaufen, Lebenspunkte zu erhöhen und bereits gekaufte Waffen aufzumotzen. Das bringt eine menge Spielspaß zurück, der zuvor verlorengegangen ist.

Zerstörung, ballern und viel Action

Tja, ihr wisst was jetzt kommt, oder? Das eigentliche Highlight des Spiels. Die zerstörbare Umgebung. Realistisch soll die Einsturzphysik sein. Ein Meisterwerk, ein Augenschmaus, ein Hingucker! Doch wirklich schöner als noch im Vorgänger ist es nicht. Ab und zu kommt einem der Gedanke: "Oh! Das sieht jetzt aber doch besser aus als früher!"; nur, damit man bereits beim nächsten Gebäude laut sagt: "Nee, doch nicht! Urghs!".

Feine Frage. Armageddon wartet mit einer netten Grafik auf und absolut niemand hat eine Konkurrenz zu der Bildgewalt eines Crysis 2 oder The Witcher 2 erwartet, aber erwähnen sollte man schon, dass es trotzdem etwas altbacken ist. Genau wie mit der Gebäudephysik verhält es sich mit der Grafik: nett, aber dennoch nicht der erste Platz.... Nicht mal annähernd.

Was bleibt also noch, wenn die Zerstörung der Gebäude zwar Spaß bringt, aber nicht der erhoffte Bringer ist? Die Kameraführung ist es schon mal nicht. Die ist nämlich oft verwirrend und kann gern als 'schlecht' bezeichnet werden. Vor allen bei vielen Gegnerhorden und wenn Mason in die Ecke gedrängt wird, ist eines klar: Ich sehe ’nen Dreck!

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Also was bleibt noch? Nun, ja. Zumindest für solche, die es mögen: Action, Action, Action! Wo an der Geschichte gespart wurde, hat man bei der Action ein paar Euro mehr ausgegeben. Die Horden von Gegnern werden mit Massen von Waffen zurückgedrängt, die Zwischensequenzen bauen öfter echte Spannung auf und alles im allem ist Red Faction ein sehr schnelles Spiel geworden.

Zwar bleibt Mason auch öfter mal an Trümmern hängen, von Einrichtungen die wir gerade zerstören mussten, doch wird dieser kleine Minuspunkt von einer viel netteren Idee wieder wettgemacht: der Nanoschmiede. Mit einem Knopfdruck repariert sich alles wieder. Teile setzen sich zusammen, Brücken kehren in ihre Ausgangsposition zurück und riesige Hochhäuser erstrahlen im alten Glanz.

Zu dem lässt sich dieses Gadget wunderbar nutzen, um weggesprengte Wege zurückzubekommen und/oder zerstörte Deckungen zu reparieren. Zwar kennt man diese Idee vielleicht noch aus Singularity, doch muss ich zugeben: In Red Faction kommt alles irgendwie ein bisschen cooler.