Wenn wir innerhalb eines Jahres drei Mal Vorberichte über ein Spiel verfassen, kann das eigentlich nur zwei Gründe haben: a) entweder irgendwas geht bei der Entwicklung gründlich schief oder b) ein ganz großer Hit steht uns (voraussichtlich) bevor.

Glauben wir den Singleplayer-Eindrücken unseres Chefreds Mr. Grimm, dann hat Rockstar mit Red Dead Redemption ein ganz heißes Eisen im Wild-West-Lagerfeuer. Nun war es an der Zeit, auch dem Mehrspielermodus gründlich auf den Zahn zu fühlen, weshalb wir uns auf den Weg in die "Geisterstadt" London machten...

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Angetreten zum bleihaltigen Shootout waren neben einigen deutschen Pressevertretern auch Rockstar-Mitarbeiter, die das dreckige Dutzend komplettierten, mit dem wir uns in ausgewählte Multiplayer-Modi des Wildwest-GTA stürzten. Die Sache mit den Duellen, also Shootouts, dürft ihr durchaus wörtlich nehmen. Denn in den kompetitiven Modi, die wir ausgiebig spielen durften, beginnt jede Runde mit dieser Art Reaktionsspielchen.

Red Dead Redemption - Von hinten... Mehrspieler-Modus angespielt

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Wumms! Die Shootouts lassen die Fetzen fliegen.
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Sofern sich zwei Gangs bzw. Posses von bis zu acht Spielern auf jeder Seite zusammenschließen, stehen sich zum Rundenbeginn beide Teams aufgereiht á la Daltons gegenüber und ballern sich gegenseitig über den Haufen. Sehr lustig! Bei Free-For-All-Modi wird es noch spaßig-chaotischer, denn hier ist jeder dreckige Cowboy Ziel und Angreifer zugleich - aus allen Richtungen schwirrt das Blei und sorgt für ein köstliches Gemetzel. Doch wer in diesem Tumult ins dürre Gras beißt, hat keinen Grund zum Frust. Dieser Auftakt bringt dem Überlebenden (Team) nur geringe Zeitvorteile und stellt einfach nur einen stilechten Einstieg dar.

Angetreten zum Shootout!

Es mag am unverbrauchten Western-Szenario von Red Dead Redemption liegen, vielleicht auch daran, dass Jungs einfach Spaß an Cowboyspielchen haben - der Mehrspielermodus wirkt von Beginn an locker und unverkrampft. Auch wenn keiner gerne verliert und man selber oft genug respawnen muss, hallt immer wieder freudiges Gelächter in den engen Rockstar-Räumen wider. Verantwortlich dafür sind die stilechten aber auch vergleichsweise ungewöhnlichen Spielmodi.

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Antreten zum Duell! Äh, Oktaell...
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"Goldrush" beispielsweise verschlägt euch in ein verlassenes mexikanisches Kaff namens Chuparosa, wo Satteltaschen voller Gold auf den staubigen Straßen herumliegen. Klar, dass wir uns die wertvollen Fundstücke unter den Nagel reißen sollen und sie in Kisten ablegen, um zu punkten. Ebenso selbstverständlich, dass in diesem Free-for-All-Modus jeder gegen jeden kämpft und wir uns die Beutel gegenseitig abjagen, manchmal nur Zentimeter vom Ziel entfernt dem Kontrahenten eine Ladung Blei in den Rücken jagen und gehässig grinsend den Punkt einfahren. Das Mapdesign unterstreicht durch seine engen Gassen und einen gefährlich offenen Marktplatz das herrlich hektische Treiben, bei dem lediglich die Zahl der erbeuteten Goldtaschen für den Sieg ausschlaggebend ist.

Ähnlich erfrischend sind die Gang-Matches in und um Diez Coronas. In der Basis beider Banden befindet sich ein Beutel, der geklaut und im eigenen Lager deponiert werden muss (woraufhin eine neue Tasche spawnt). Das hört sich zunächst simpler an, als es wirklich ist. Denn auch diese Karte ist vorzüglich entworfen und bietet mit einem Gatling-Gun-Außenposten im Zentrum der Map sowie einer mächtigen Kanonenstellung auf einer Anhöhe und viel offenem Buschland massig taktische Variationsmöglichkeiten.

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In den Weiten der Prärie ist ein Pferd von Vorteil.
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Die Größe der Map erfordert mitunter den Einsatz von Pferden (oder auch Eseln...), die per Pfiff herbeigerufen werden und die schnelle Überbrückung der recht großen Distanzen erleichtern. Die etwas lange Wartezeit auf den Gaul sowie eine Respawnzeit von etwa 60 Sekunden erschienen uns zwar etwas lang, trägt aber möglicherweise zum strategischen Ansatz bei.

Toller Free-Roam-Modus

Neben solchen eher zielorientierten Modi werden darüber hinaus herkömmliche Deathmatch-Partien zum Umfang des Mehrspielermodus gehören - sowohl Gang vs. Gang als auch jeder gegen jeden. Doch auch wenn all diese staubigen Spielfelder für jede Menge Spaß gesorgt haben, sorgte der Free-Roam-Modus für die meisten Lachfalten in unserer wettergegerbten Scharfschützenvisage.

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Die glorreichen Sieben: Bis zu 16 Spieler dürfen free roamen.
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Wie zuvor tummeln sich hier bis zu 16 Spieler in einer Session, sie sind jedoch nicht von künstlichen Kartengrenzen beschränkt. Jeder kann sich entscheiden, ob er als Lonesome Rider Aufgaben im MMO-Style erledigt und etwa auf die Jagd nach Wildtieren geht und Trophäen sammelt, sich als Überlebenskünstler und Kräuterkenner in den Weiten der Prärie beweist, Scharfschützenherausforderungen meistert, es mit gefährlichen Outlaws aufnimmt oder selbst als gejagter Gesetzloser um sein Überleben kämpft.

Action am laufenden Band, sehr abwechslungsreiche Modi, Auflevelmöglichkeiten im MMO-Stil - der Multiplayermodus verspricht eine richtige Wildwest-Spaßkanone!Ausblick lesen

Anstatt allein durch die Wildnis zu streifen, werdet ihr euch jedoch auch einer Posse anschließen und sofort an die Position des Anführers warpen (oder selber eine Gang gründen) können und mit ihr marodierend durch die Gegend ziehen, Ansiedlungen unsicher machen, euch mit den Gesetzeshütern anlegen, feindliche KI-Gangs ausräuchern und Belohnungen einsacken, Tiere jagen und noch einiges mehr, das die Rockstars noch nicht offen legen wollten. Während unserer Demosession stürmten wir etwa ein von fiesen Bösewichten drangsaliertes Städtchen, räucherten sie mit Dynamit aus ihren Stellungen und ballerten am Ende den Kopf der Bande aus den abgewetzten Stiefeln.

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Manche Kämpfe versprühen einen Hauch von Massenschlacht.
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Allerdings zeigten sich die KI-Feinde noch etwas zu passiv und boten nur schwache Gegenwehr. An dieser Schraube will Rockstar eigenen Angaben zufolge noch drehen. Um die Motivation hochzuhalten levelt ihr nebenbei durch die verschiedenen Aktionen und Missionen bis zur Maximalstufe 50 auf, erhaltet dadurch verbesserte Waffen und Pferde und schaltet u.a. weitere Herausforderungen frei. Der Wechsel zu kompetitiven Modi soll übrigens mühelos vonstatten gehen: Solltet ihr bereits einer Gang angehören, "beamt" euch der Anführer einfach zur Location.

"From Behind" ...

Auch wenn die uns gezeigte Version (die bereits einige Wochen auf dem Buckel hatte) schon einen sehr guten und bis auf wenige Bugs meist stabilen Eindruck hinterließ, haben wir ein wenig Grund zur Kritik. Beispielsweise erscheint uns der Waffenwechsel deutlich zu fummelig. Über ein Kreismenü schaltet man zwar durchaus übersichtlich durch alle vorhandenen Waffengattungen und unterschiedliche Sprengkörper, wer jedoch im Eifer des Gefechts von einer Nahkampfwaffe oder Schrotflinte schnell auf ein Gewehr für größere Distanzen umschalten möchte, verplempert einfach zu viel Zeit mit diesem Menü.

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Mann gegen Memme: Da heißt es: Deckung suchen.
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Zudem erschien uns generell die Waffenbalance noch nicht ausgereift: Mit einer halb automatischen Mauser beherrschten clevere Zeitgenossen das Schlachtfeld vor allem in den Stadtszenarios und waren den meisten anderen Schießprügeln deutlich überlegen.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Ortung feindlicher Schützen. Mein subjektiver Eindruck war, dass sich die Position der Gegner anhand der Blutspritzer auf dem Bildschirm nur ungenügend ablesen lässt. Oft wurde ich mit Bleigarben ausgeschaltet, ohne zu wissen, wo der Schütze denn nun wieder hockt. Oder wie es ein Kollege ausdrückte: "Schon wieder 'from behind!'".

Red Dead Redemption - Free Roam Trailer17 weitere Videos

Interessant ist dagegen das "Dead Eye"-Feature: Durch eigene Treffer lädt sich eine Anzeige auf, die euch für einige Sekunden eine superpräzise Aufschaltung der Gegner erlaubt, bei der Fehlschüsse fast nicht mehr möglich sind. Ob dieses Feature in Kombination mit dem Autoaiming am Ende nicht ein wenig zu mächtig ist, muss jedoch der Langzeittest zeigen.