Quizfrage: Wie viele Spiele mit Western-Setting haben in den letzten Jahren das Licht der Welt erblickt? Fünf? Drei? Eines? Wie auch immer, die Zahl ist in jedem Fall verschwindend gering. Kein Wunder, ist dieses altehrwürdige Genre doch auch im Kino seit Jahren tot, lediglich eine Handvoll Filme flimmerten seit Clint Eastwoods Abschlussvorstellung in „Erbarmungslos“ über die Leinwand.

Eigentlich unfassbar, gibt es doch kaum ein geeigneteres Szenario, in das man die zünftigen Schießereien eines Actiontitels transportieren könnte. Wie ein gelungener Versuch aussehen kann, den Western in digitale Form zu pressen, bewies vor fünf Jahren „Red Dead Revolver“. Versuch Nummer zwei entsteht derzeit in San Diego – und könnte das Genre nun endgültig… nunja, saloon-fähig machen.

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Für eine Handvoll Dollar

Alles anders, alles besser machen - das wollen zugegebenermaßen alle Fortsetzungen. Im Falle von „Red Dead Redemption“ dürfen derlei Versprechungen aber getrost für voll genommen werden. Das Cowboy-Epos wird schließlich von Rockstar Games entwickelt – und deren Ausfallquote ist in etwa ähnlich hoch wie das eingangs erwähnte Western-Aufgebot im Spieleregal.

Red Dead Redemption - GTA im Wilden Westen

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John Marsden ist ein Ex-Outlaw - und damit prädestiniert zum coolen Hauptcharakter.
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„Red Dead Redemption“ macht im Vergleich zum Vorgänger zunächst einmal einen großen Satz nach vorn. Statt zur Hochzeit der Western-Mythen um einsame Cowboys und High-Noon-Duelle, spielt die Fortsetzung Ende des 19. Jahrhunderts. Die Industrialisierung ist in vollem Gange, rauchende Colts werden in Zeiten der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Emanzipation nicht mehr gebraucht.

Aus diesem Grund ruft die Regierung eine spezielle Bundesbehörde ins Leben: „The Bureau“ soll der Gesetzlosigkeit in den weiten Steppen Amerikas Einhalt gebieten. Unter ihnen: John Marsden, ein ehemaliger Outlaw und echter Haudegen, der vom „Bureau“ gezwungen wird, für ihre Zwecke den Colt sprechen zu lassen. Was hinter diesem kruden Deal steckt? Eben das sollen wir als Spieler herausfinden.

Packshot zu Red Dead RedemptionRed Dead RedemptionErschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Erbarmungslos

In „Red Dead Revolver“ sahen die folgenden Schritte noch so aus: An der geradlinigen Missionsschnur hangelte man sich durch die Geschichte und ballerte sich mit gezückter Winchester bis zum staub- bzw. bleihaltigen Finale. „Red Dead Redemption“ will mehr: Wie so oft in letzter Zeit heißt das – bei Rockstar scheinbar ziemlich beliebte – Zauberwort Open World.

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Weite Steppen, karge Ödnis - die Welt von "Red Dead Redemption" ist groß und frei begehbar.
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John Marsden hat dabei sogar noch mehr Bewegungsfreiheit als Nico Bellic – die zugänglichen Bereiche von „Red Dead Redemption“ sollen deutlich größer als Liberty City sein. „Oha, karge Steppen und trockene Ödnis soweit das Auge reicht – wie soll da denn überhaupt Spannung entstehen“, fuhr es uns während der einstündigen First-Look-Präsentation durch den Hinterkopf.

Wie gut, dass uns Rockstar da schon einen Gedankenschritt voraus ist: Trotz weitläufiger Areale und großer Handlungsfreiheit wirkt die Spielwelt extrem lebendig. Geier kreisen wartend über belebten Menschensiedlungen, kleine Karnickel flüchten hinter den nächsten Busch, sobald wir ihnen zu Nahe kommen, vom Wegesrand zischt uns eine Klapperschlange wütend entgegen.

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Atmosphäre pur: Rockstar spart nicht an klassischen Western-Momenten.
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Natürlich gehen auch die menschlichen Bewohner des „Wilden Westens“ ihrem gewohnten Tagwerk nach. Wobei von „gewöhnlich“ in diesem Fall nicht unbedingt zu sprechen ist: Immer wieder findet sich John auf seinen Erkundungstouren in klassischen Westernszenarien wieder. Da werden vor seinem Auge Kutschen entführt, Banditen verjagt, an anderer Stelle rennt ihm ein schreiender Bauernjunge entgegen – im Schlepptau: ein Rudel hungriger Kojoten.

Open World und Grafikpracht sei Dank: Red Dead Redemption könnte das Western-Genre endlich saloon-fähig machen.Ausblick lesen

„Das haben wir auch noch nicht gesehen“, lacht die Take 2-PR-Abteilung während unserer Präsentation, als wir am Wegesrand einen anderen Reiter bei seiner Pinkelpause beobachten. All diese Events sind zufällig und nicht geskriptet, passen dabei aber hervorragend ins Setting – wo die Bürger Libertys noch gemütlich einkaufen gingen, zelebriert „Red Dead Redemption“ den rauen Western-Alltag. Atmosphäre pur!

Der Mann, den sie Pferd nannten

Übrigens: Je nach Laune könnte John in manche dieser Nebenereignisse eingreifen und so etwa den flüchtenden Bauernjungen vor der wilden Kojotenmeute retten. Wir setzen an dieser Stelle allerdings unseren Ritt fort – aus Zeitmangel, versteht sich. Apropos Reiter: Als klassisches Fortbewegungsmittel im Wilden Westen nehmen Pferde natürlich auch in „Red Dead Redemption“ eine tragende Rolle ein. Ebenfalls nützlich, um Laufwege zu verkürzen: Kutschen und Züge.

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Intelligentes Tier: Damit ihr während des Ausritts auch zielen und schießen könnt, trabt der Klepper in Actionsequenzen kurzzeitig von allein weiter.
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Als Knotenpunkte innerhalb der Spielwelt dienen allerlei Siedlungen, größere Städte oder einsame Hütten. Hier kann sich John vom Cowboy-Alltag erholen, neue Missionen annehmen oder im örtlichen Saloon eine eiskalte Milc… pardon ein ordentliches Glas Selbstgebrannten in den Rachen kippen. Oder am Pokertisch sein Geld verzocken. Oder den Bardamen hinterher steigen. Und und und…

Wie fast schon üblich für ein Rockstar-Spiel, ist die Liste der Nebentätigkeiten, mit der sich John vom harten Wüstenleben ablenken kann, ausgesprochen lang. Die Liste an versteckten Gimmicks, Easter Eggs und Spezialaufträgen dürfte dem in nichts nachstehen. Wer etwa einen Kojoten erlegt und dessen Fell abzieht, kann sich gar als Kirschner ein paar Heller hinzu verdienen.

12 Uhr Mittags

Bevor wir das Wichtigste vergessen: Natürlich wird in „Red Dead Redemption“ nicht nur geritten und gepokert. Wie sich das für einen Western gehört, greifen wir in den Missionen regelmäßig zum Colt. Hier zeigt sich dann auch erstmals, warum sich das Western-Genre hervorragend als Grundlage für einen Actiontitel eignet. Wenig reden, viel schießen, heißt schließlich die Devise.

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Das Deckungssystem erinnert an GTA 4 und dürfte John das Cowboy-Leben sehr vereinfachen.
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Wie in den Spätwestern von Sergio Leone sind die Schusswechsel als druckvolles Todesballet inszeniert: Mit einem satten Krachen zerreißt jeder Schuss die staubige Wüstenluft, getroffene Gegner reißt es ruckartig aus ihren Satteln, Patronenhülsen zerschneiden die Luft, während John aus der Deckung heraus den nächsten Gegner anvisiert - und uns wird schlagartig bewusst, warum die Winchester als gefürchteste Waffe ihrer Zeit galt.

Sollte es trotzdem mal knapp werden, darf John wie im Vorgänger den „Dead Eye“-Modus nutzen. Dann wechselt das Spiel in die Zeitlupe, während John in aller Ruhe seine Gegner aufs Korn nimmt. Per Analogstick dürfen wir unsere Widersacher sogar mit einem roten Kreuz markieren – endet die Zeitlupe, platziert John auf jedem Marker einen direkten Treffer und kann so sogar mehrere Gegner auf einmal ausschalten.

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Verfolgungsjagden und Bodyguard-Missionen wird es natürlich ebenfalls geben.
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Unterstützt wird die harte, realistische Atmosphäre von der Euphoria-Engine, die schon in „GTA 4“ für äußerst lebensnahe Animationen und Physikeffekte sorgte. Allerdings wurde diese – ebenso wie die in Liberty City genutzte Rage-Grafikengine – stark aufgebohrt. Technisch spielt „Red Dead Redemption“ in der obersten Liga, was sich schon in unserer frühen Version ausgiebig bestaunen ließ.