Duelle, Spaghetti und blaue Bohnen – wer jetzt an Kuschelorgien mit Johann Lafer und Horst Lichter hinter glühenden Herdplatten denkt, liegt völlig daneben. Denn Rockstar San Diego schickt Euch in „Red Dead Redemption“ in den wirklich wilden Westen. Vor Ort bei Publisher Take 2 warfen wir schon jetzt einen Blick auf das jüngste Open-World-Projekt des Kultentwicklers.

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Arbeitsrechtler aufgehorcht: Eigentlich sind die heutigen Zeiten und das jetzige Arbeitsumfeld doch gar nicht so schlecht. Denn wenn man am Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts in den immer stärker schrumpfenden Weiten des amerikanischen Westens von der „Rente mit 67“ sprach, meinte man damit allenfalls das Ausscheiden aus dem (Berufs-)Leben aufgrund von 67 Kugeln im eigenen Körper.

Red Dead Redemption - Grand Theft Pferdekutsche

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Rente mit 67? 67 Kugeln vielleicht...
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Dies muss gleich zu Beginn des kommenden Wild-West-Titels „Red Dead Redemption“ auch Ex-Outlaw John Marston erleben. Denn der einstige Gesetzlose hat sich mittlerweile ein ruhiges Leben mit Familie, Farm und Frieden auf der eigenen Ranch aufgebaut.

Als eines Tages zwei zwielichtige Staatsgesellen vor seiner Tür stehen, ist klar: Entweder hat John mal wieder seine GEZ-Gebühren nicht beglichen oder man will ihn zu einem letzten Job überreden. Da wir hier nicht jeden unsere Seiten lesen lassen und uns Elitetum wichtig ist, müssen wir euch wohl kaum erklären, welcher der beiden Fälle zutrifft, oder?

Weder Winnetou noch Winneone

Eines zeigt dieser Einstieg jedoch schon recht deutlich: Ein Schmuse-Western mit viel Recht, Gesetz und einer gemeinsamen Friedenspfeife am allabendlichen Lagerfeuer wird „Red Dead Redemption“ nicht. Stattdessen wird hier der schmutzige Spätwestern abgebildet, wie man ihn aus zahlreichen Italo-Western oder den Filmen von Altmeister Clint Eastwood kennt. Da drängen skrupellose Regierungsvertreter in die letzten freien Grenzländereien, Banditen plündern und morden was das Zeug hält und Rebellen begehren gegen die Obrigkeit auf.

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Endlose Weiten: RDR orientiert sich spielerisch an GTA.
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Doch kommen wir zunächst zum Kern des Titels, zum Gameplay. Dieses lässt dem Spieler in bester GTA-Manier beinahe völlige Freiheit. So ist die in drei Kerngebiete eingeteilte Spielwelt gigantisch groß und soll in der Fläche sogar das gewaltige „GTA IV“ noch übertreffen. Dies ist umso beeindruckender, da Rockstar ein vollständiges Ökosystem mit eigener Nahrungskette in die Spielwelt integriert hat. Da frisst der Kojote das Karnickel, der Bär den Kojoten und der Mensch den Bären. Kurzum: Es gilt das Motto „Fressen und gefressen werden“.

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Kein Granatwerfer - dennoch geht in Red Dead einiges kaputt..
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Dementsprechend sollte man auch bei gemütlichen Ritten durch die Prärie die Augen aufhalten, denn schnell hat man die Zähne einer Klapperschlange in der Wade oder die Klauen eines anderen Beutejägers im Genick. Dennoch sollen derartige Jagdabläufe ein realistisches Ausmaß bekommen, so dass die Spielwelt lebendig und echt wirkt und man als Spieler zudem auch auf kargen Flecken der Landkarte immer etwas erleben kann.

Dazu trägt nicht nur die Tierwelt bei, auch menschlichen Charakteren begegnet man zuhauf. Da poltern Händler oder Rancher mit ihren Kutschen über die staubigen Straßen, am Wegesrand exekutieren Regierungstruppen einen Rebellen und im Buschwerk wird gerade ein einsamer Reisender von Banditen überfallen.

Es gibt immer was zu tun

Derartige Zwischenfälle sorgen jedoch nicht nur für eine realistisch wirkende Spielwelt, sondern versorgen den Spieler auch mit neuen Aufträgen. Denn in sämtliche dieser Spielsituationen kann man eingreifen und sich so neue Freunde, aber auch neue Feinde machen.

Red Dead Redemption lässt Wild-West-Kinderträume Wirklichkeit werden – allerdings nur für Erwachsene.Ausblick lesen

Überhaupt ist es Rockstar San Diego ein Anliegen, das doch recht starre Missionsdesign von „GTA IV“ ein wenig aufzubrechen, so dass man, während man gerade eine Teilaufgabe eines Auftrags erfüllt, auch neue Tätigkeiten annehmen kann, wodurch man als Spieler stärker die Freiheit des eigenen Handelns erlebt. Als netter Nebeneffekt lassen sich so deutlich komplexere Geschichten mit mehrstufigem Aufbau innerhalb der Missionen erzählen.

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Die Geschichte ist packend inszeniert.
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In dem uns vorgeführten Spielabschnitt verschlug es Marston beispielsweise in ein heruntergekommenes mexikanisches Grenzstädtchen. Gerade dort angekommen, beobachteten wir den Sheriff dabei, wie er einen Steckbrief an die Außenwand seines Büros nagelte. Da wir gerade eh knapp bei Kasse waren, schnappten wir uns den Papierfetzen, was der Annahme des Auftrags gleich kam. Ein Pfeil auf der Minimap signalisierte uns sogleich die grobe Richtung des Gesuchten. Unterwegs zu dessen Unterschlupf stießen wir dann jedoch auf eine ungewöhnliche Felsformation, die wir irgendwo schon einmal gesehen hatten.

Ein Blick ins Inventar verriet uns: Das Steinkonstrukt war das gleiche wie auf einer Schatzkarte, die wir vor einiger Zeit erhalten hatten. Bevor wir uns also um den Auftrag des Sherriffs kümmerten, gingen wir rasch auf Schatzsuche, die uns mal Gold, mal eine bessere Ausrüstung und mal wieder neue Schatzkarten bescheren kann.

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Es steht ein Pferd aufm Flur...
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Nach dieser erfolgreichen Buddelei widmeten wir uns wieder unserem eigentlichen Ziel. Beim Lager des gesuchten Banditen schalteten wir in einem wilden Gefecht dessen Begleiter aus, um uns dem Gesuchten dann bequem per Lasso annehmen zu können, denn für einen lebendigen Verbrecher zahlt der Sheriff mehr als für einen toten. Mit dem sicher verschnürten Ganoven ging es dann zurück in das kleine Städtchen.

Doch auch der Rückritt verlief nicht ohne Zwischenfälle. So trafen wir auf einen Reisenden, dem gerade eine Gruppe Pistoleros ans Leder wollte. Auch hier wurden wir wieder vor die Frage gestellt, ob wir eingreifen oder einfach weiter reiten wollen. Dieser Abschnitt zeigt schon, wie stark das aus Rollenspielen bekannte Questen mit verschiedenen gleichzeitig zu erfüllbaren Aufgaben in das Missionsdesign von „Red Dead Redemption“ eingeflossen ist.

Ruf, Ehre und andere Schleimereien

Doch auch in anderen Bereichen des Spiels sind die RPG-Einflüsse klar erkennbar. So erhält man für erfolgreiche Aufträge Ruhm und Ehre, wobei Ruhm lediglich den Bekanntheitsgrad des Spielers andeutet, während die Ehre so etwas wie ein Indikator für dessen Rechtschaffenheit ist. Ebenfalls ein alter Bekannter aus dem Rollenspielgenre ist das Inventar, in dem man Gegenstände, wie etwa Bekleidung oder die erwähnten Schatzkarten, verstauen kann.

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Coole Typen schießen locker aus der Hüfte.
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Gerade das Wechseln der Klamotten kann hier und da sehr hilfreich sein. Denn wie schon in „Grand Theft Auto“ wird man auch in „Red Dead Redemption“ von den Ordnungshütern anhand eines Fahndungsstatus’ gejagt. Diesen kann man jedoch verändern, indem man sich bereits vor etwaigen Straftaten kostümiert, beispielsweise durch ein Banditentuch vor dem Gesicht, was das Abschütteln von Verfolgern nach der Tat erleichtert. Ein einmal verhängtes Kopfgeld wird man allerdings nur durch ein Begnadigungsschreiben los oder indem man sich beim Sheriff frei kauft.

Neben einfachen Ausrüstungsgegenständen erhält man im Spielverlauf zudem permanente Verbesserungen, wie etwa eine Campingausrüstung. Mit dieser kann man jederzeit und überall ein Lager aufschlagen, welches auch als Speicherpunkt genutzt werden kann. In höheren Ausbaustufen regeneriert sich zudem der Vorrat an verbrauchbaren Gegenständen wie etwa der Munition während der Ruhepausen von selbst.

Eine Symphonie in Blei-Dur

Dies ist eine beinahe schon dringend benötigte Hilfestellung, denn im Vordergrund steht trotz aller Rollenspiel- und Adventureelemente natürlich auch in „Red Dead Redemption“ die Auseinandersetzung mit Hilfe von Feuerwaffen. Oder anders ausgedrückt: Ballern, Ballern, Ballern! Dabei setzt das Kampfsystem, wie schon in „GTA IV“, auf die Unterstützung durch die Euphoria-Physikengine, deren Wirken die Duelle spürbar beeinflusst.

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Darf in einem Western nicht fehlen: Schießerei in einer Kirche.
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Doch widmen wir uns zunächst den Grundeigenschaften der Kämpfe. Wie in vorherigen Rockstar-Titeln sucht auch John Marston automatisch hinter Objekten Schutz, wenn man sich ihnen nähert, und auf Gegner gezielt wird mit Hilfe eines Fadenkreuzes. Die Physikunterstützung wird schließlich deutlich, wenn man seine Feinde trifft, denn je nachdem in welches Körperteil die Kugeln eindringen, taumeln, stürzen oder stolpern die Gegner detailgetreu.

Zudem darf natürlich ein Großteil der Umgebung nach Strich und Faden in seine Einzelteile zerlegt werden. Besonders spektakulär sahen dabei die Feuereffekte aus. So zerschoss Marston in einer Szene eine Petroleumlampe über einem der Gegner, woraufhin sich der in Flammen gesetzte Brennstoff über dem Gegenüber verteilte. Doch auch Marstons Feinde wussten mit dem heißen Element umzugehen und bombardierten unsere Hauptfigur im Gefecht mit Brandbomben.

In der Ruhe liegt die Kraft

Um aus solch hitzigen Gefechten lebend hervor zu gehen, hat man bei Rockstar einen alten Bekannten aus dem Vorgängertitel „Red Dead Revolver“, mit dem „Red Dead Redemption“ jedoch nicht viel mehr als den Titel und eben das hier beschriebene Spielelement gemein hat, reaktiviert, den „Dead Eye Modus“. In diesem schaltet das Spiel in eine Art Zeitlupenmodus, in dem man dann mehrere Ziele, die verschiedene Personen oder aber auch verschiedene Punkte auf dem Körper eines einzelnen Gegners sein können, markiert, auf die John nach Ablauf dieser Kampfunterbrechung dann feuert. Im Verlauf des Spiels entwickelt sich diese Funktion übrigens schrittweise weiter.

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Wer Hut, der hat.
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Schöner wilder Westen

Auch wenn man großen Entwicklerstudios keine Vorschusslorbeeren geben sollte, überrascht es nun wohl kaum jemand, wenn wir abschließend erwähnen, dass der Rockstar-Titel schon jetzt fantastisch aussieht. Eine enorme Weitsicht, eine tolles Weltdesign sowie unzählige liebevolle Details laden zum Aufsatteln ein. Und auch die Vertonung verspricht ganz in der Tradition der „GTA“-Titel ein hohes Niveau zu erreichen.

Ob da der Soundtrack hinsichtlich der Abwechslung mithalten kann, bleibt noch abzuwarten, denn ein Autoradio hat keines der Pferde. Auch über einen etwaigen Mehrspielermodus konnte man uns noch nichts verraten, außer dass man damit mit ziemlicher Sicherheit rechnen kann. Bis zum Release im Frühjahr 2010 müssen sich Westernfans also noch ein wenig gedulden. Zeit genug, noch ein paar alte Westernstreifen aus dem Regal zu kramen und den breitbeinigen John-Wayne-Schritt zu trainieren.