Vor rund zwei Monaten hat der deutsche Phonoverband Strafanzeige gegen 68 Personen erstattet. Heute fiel das erste Urteil gegen einen 23 Jahre jungen Azubi aus Cottbus: 8000 Euro Schadensersatz muss dieser an die Phonoverbände zahlen, da man in seiner Wohnung rund 6000 mp3 Dateien auf seiner Festplatte und hundert weitere CDs mit tausend Liedern gefunden hat.

Hört sich nach verdammt viel Geld an, oder? Ironischerweise ist es das (leider) nicht, denn schon vor mehreren Monaten wurden von pauschalen Schadensersatzsummen in Höhe von 10.000 Euro pro Lied (!) gesprochen, wenn man sich nicht aussergerichtlich einigen würde. In den Augen von Experten zwar reine Panikmache, aber teuer wird es im Fall einer Anklage so oder so.

Somit behält der Phonoverband weiterhin den schon vom Computer Chaos Club angeprangerten und vermutlich falschen Weg bei und verklagt die eigene Zielgruppe. Anstatt gute Alternativen für die Musikliebhaber, was selbst Raubkopierer (auch wenn die Musikindustrie dies anscheinend vergisst) sind, bereitzustellen werden diese stur verklagt.

Erste Reaktionen seitens der Parteien kamen durch die Grüne Jugend, die das harte Vorgehen gegen die eigenen potenziellen Kundschaft sehr bedauern. "Die haben es ja noch nicht einmal geschafft, eine funktionierende Alternative auf die Beine zu stellen". Unterstützt wird diese Ansicht unter anderem auch von dem Netzwerk Neue Medien und Attac.

Oliver Moldenhauer vom globalisierungskritischen Verband Attac: "Unser Vorschlag der Musicflatrate stellt die Vergütung der Künstlerinnen und Künstler sicher, ohne breite Bevölkerungsschichten zu kriminalisieren. Die Strategie der Musikindustrie kann ohnehin nicht erfolgreich sein, ohne dass die Freiheitsrechte der BürgerInnen massiv eingeschränkt werden. Der Versuch, Musik-Tauschen dann letztlich auch auf Schulhöfen und LAN-Partys zu unterbinden, ist ähnlich undurchführbar wie das Verbot des Westfernsehens in der DDR. Wann kommt endlich die Musicflatrate?"

Doch leider ist die sogenannte Musicflatrate ein wahrer Dorn im Auge der Phonoverbände, da diese Pauschallösung die klassischen Verwertungsketten aufbrechen könnten. Selbst neue Verwertungsmodelle wie Eventim oder Musicload, würden auf ganze Teile der Verwertungskette verzichten und bedrohen somit die Sparte der Einzelhändler vor Ort, die sowieso schon eine vom Aussterben bedrohte Spezies in Zeiten von MediaMarkt und Saturn seien.

Die Zeiten für Raubkopierer werden härter und die deutschen Phonoverbände lassen sich vorerst nicht von ihrem Offensivkurs gegen die potenzielle Kundschaft abbringen:
Gerd Gebhardt, Chef der deutschen Phonoverbände, auch Wert: "Wir wehren uns gegen Rechtsverletzer, die sich trotz umfangreicher Aufklärungsmaßnahmen nicht von illegalen Musikangeboten abhalten lassen. Der erste Fall ist als Präzedenzfall abgeschlossen - die nächsten Fälle werden folgen."