Wie Ihr sicher schon am Titel der News erkannt habt, dreht es sich mal wieder über ein Thema, das in aller Munde ist: Die Musikindustrie und ihr Kampf gegen die "ach so bösen Raubkopierer" geht in die nächste Runde. Das Bundesjustizministerium beabsichtigt eine "Lücke" in der Gesetzgebung zu schliessen, um der Film- und Musikindustrie bessere Möglichkeiten zur Verfolgung von Internetpiraten einzuräumen. Dieser erweiterte Auskunftsanspruch soll im Rahmen eines Referentenentwurfs noch im Sommer vorgelegt und im Oktober ins Kabinett gebracht werden.

Was bedeutet das für Otto Normalverbraucher? Falls der Entwurf verabschiedet wird, machen sich Internetnutzer in Zukunft schon durch das Herunterladen und Kopieren geschützter Inhalte strafbar. Wir erinnern uns: Vor ein paar Monaten wurde das Urheberrecht bezüglich des Kopierens geschützter Inhalte verschärft. So darf man seit einiger Zeit Spiele oder CDs, die mit einem Kopierschutz versehen sind nicht mehr umgehen.

Elmar Hucko, Ministerialdirektor und Abteilungsleiter für Handels- und Wirtschaftsrecht im Bundesjustizministerium zur Urheberrechtsnovelle: "Wir müssen versuchen, das Urheberrecht zu retten gegen den Konsumentenwunsch, alles kostenlos kopieren zu können". Die im Netz um sich greifende "Freibier-Ideologie" achte das schöpferische Werk nicht mehr, beklagte der Ministeriale, der insbesondere bei Jugendlichen wenig Bereitschaft sieht, "das geistige Eigentum zu respektieren"...

Soso, die respektlosen Jugendlichen zeigen also wenig Bereitschaft "das geistige Eigentum" zu achten. Stellt sich nur die Frage: Woher kommt diese "Respektlosigkeit"? Als Ansatzpunkt wäre die Flut an Mainstream-Musik in Betracht zu ziehen, denn wie sollen die Jugendlichen schon lernen, Musik und deren Künstler zu respektieren, wenn der Markt von wahrlich minderwertigen Produkten überflutet wird und den wirklich seriösen Künstlern keine Beachtung mehr geschenkt wird? Man denke nur an Shows wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Popstars" zurück, die schon so manches deutsches Armutszeugnis zur Welt gebracht haben (an dieser Stelle möchte ich keine Namen nennen, aber nur ein Stichwort: Gurkenlaster)...

Wieso sollten Jugendliche für solche Musik überhaupt noch Geld bezahlen, wenn durch die Mainstream Flut sowieso tausende neue Künstler entdeckt und schon nach kurzer Zeit genau so schnell wieder verschluckt werden? Seitdem nun auch schon die ersten Tauschbörsennutzer verklagt werden, wundert es wohl keinen mehr, dass die vermeintlichen "Ex-Piraten" es sich mehrmals durch den Kopf gehen lassen, bis sie mehrere Euro für eine Maxi-CD hinblättern. Angesichts dieser möglichen Verschärfung des Urheberrechts fühlen sich die Internetprovider als "Hilfssheriffs" genötigt, um der Content-Industrie im Kampf gegen die eigene Hörerschaft zu helfen. Langsam aber sicher reiten sich die großen Musikkonzerne ins eigene Grab, denn obwohl der deutsche Start von iTunes, dem Downloadprogramm für kostenpflichtige Musiktitel ab 99 Cent, besser als erwartet verlief, setzen diese weiterhin auf die Hau-Drauf Methode. Wieso auch? Der erste Schritt einer Musikbörse mit wirklich großer Auswahl wurde schon getan, aber es muss mehr Geld her und woher dieses kommt ist doch egal, oder? Hauptsache die Musikkonzerne schaufeln ein paar Geldsäcke mehr ins firmeninterne Geldlager, ganz im Stil von Dagobert Duck, und hängen dabei der eigenen Hörerschaft Klagen an den Hals bis man sich nicht mal mehr ein Brötchen vom Bäcker nebenan leisten kann.

Und wieder mal bestätigt sich die Aussage, die Musikindustrie seie auf dem Holzweg. An dieser Stelle möchten wir an die Kampagne zum Boykott der Musikindustrie erinnern, die der Computer Chaos Club ins Leben gerufen hat. "Musik ist nicht illegal. Niemals!"

In diesem Sinne...