In den letzten Monaten durften sich die Nutzer von Tauschbörsen immer wieder das gleiche anhören: "Ihr seid schuld, dass es der Musikindustrie schlecht geht!". Mit dieser Offensivstrategie wollen die Phonoverbände seit geraumer Zeit Panik verbreiten und die User von Tauschbörsen dazu bringen, ihr illegales Handwerk sein zu lassen.

Ganz nach dem Vorbild USA setzt sich der deutsche Phonoverband nun für die strafrechtliche Verfolgung von Tauschbörsennutzern mittels ihrer IP Adresse ein.
Die Deutsche Landesgruppe der IFPI und die von ihr beauftragte Rechtsanwaltskanzlei Rasch haben deswegen vor kurzem 68 Strafanzeigen gegen unbekannt erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat die Provider zur Information verpflichtet und Strafverfahren eingeleitet. Nach Kenntnis über die Identitäten werden die Rechteinhaber Zivilverfahren einleiten und Schadensersatz geltend machen.

Ein wahrer Dorn im Auge des Chaos Computer Clubs (CCC), die anlässlich dieses übertriebenen "Selbstschutzes vor sich selbst", den die Musikindustrie den Usern aufbindet rufen sie zum Boykott der Musikindustrie auf. Mit Zitaten und Bannern wie "Es nützt der Freiheit nichts, dass wir sie abschaffen, um sie zu schützen." versuchen die Rechteschützer den Usern und Musikliebhabern die Augen zu öffnen.

Um rund 20 Prozent sind die Einnahmen der Musikindustrie im Jahr 2003 zurückgegangen und die Vertreter der Phonoverbände haben dafür nur eine Erklärung:
Downloader geben wegen der Nutzung illegaler Angebote wesentlich weniger Geld für Musik aus. Diese Schäden führen nicht nur zu Entlassungen in der Branche, sondern bedrohen vor allem die Förderung neuer Musik: Sinkende Musikumsätze gefährden die Möglichkeit der Musikfirmen, in neue Talente zu investieren, und beschränken so die Vielfalt der Musikkultur.

Laut der Musikindustrie sind also die eigentlichen Musikliebhaber daran Schuld, dass sich der ein oder andere Plattenboss keine neuen Villen oder den ach so guten Kaviar leisten kann... Objektivität fehlt den Phonoverbänden anscheinend, denn der CCC sieht die Gründe der Gewinneinbußen nicht in den "schlimmen Raubkopierern Deutschlands", sondern der Industrialisierung der Musik. Paradebeispiele wie DSDS, Starsearch oder ähnliche Sendungen, die auf den reinen Gewinn durch qualitativ minderwertigen Komerz streben, werden stark kritisiert, wie der folgende Banner beweist.

Gar nicht so verkehrt, wenn man bedenkt, was für Witzfiguren die Musikindustrie in der letzten Zeit gefördert hat. Doch anstatt sich an die eigene Nase zu packen und gute Alternativen zu illegalen Tauschbörsen zu bieten, verklagt die Musikindustrie lieber die Hörer, durch die sie sich überhaupt erst entwickelt hat. Denn eins ist klar: Ohne die große Anzahl an Musikliebhabern könnte die Musikindustrie nicht existieren, doch genau diese Hörer werden durch offensive Werbemaßnahmen wie Werbespots, Klagen oder Nachrichtenberichte vergrault.

Der CCC sieht nur durch einen gezielten Boykott der Musikindustrie die Möglichkeit die Rechte der Informationsfreiheit aufrecht zu erhalten, welche den Usern schon genügend eingeschränkt wurden.

Die Homepages des deutschen Phonoverbands sowie des Chaos Computer Clubs erreicht Ihr über die Links zum Thema. Wir bleiben natürlich für Euch am Ball und berichten, sobald es Neuigkeiten gibt. Wir würden uns sehr freuen, wenn Ihr Eure Meinung zu diesem Thema in den Kommentaren preisgebt.