»Kuma Reality Games« ist ein Spieleentwickler, der seit 2004 Egoshooter-Episoden unter dem Namen »Kuma/War« produziert. Das Besondere daran: die knapp hundert Missionen behaupten von sich, nahezu ausschließlich echte Einsätze der US-Armee nachzustellen. Ob es um die Tötung der Hussein-Söhne Uday und Qusay oder das Aufspüren Saddams selbst geht, ihr erlebt die »Höhepunkte« des Krieges bequem vom Schreibtisch aus. Und das Prinzip ist durchaus ausbaufähig.

»Kuma/War« ist gratis, beziehungsweise werbefinanziert und hat an sich alles, was ein taktischer First-Person-Shooter klassischerweise mit sich bringt. Ungewöhnlich ist lediglich die besagte Anlehnung an die »Realität«. Dabei enthalten die Missionen umfassende Hintergrunderläuterungen, Interviews mit Veteranen, originale Satellitenaufnahmen und Multimedia-Schnipsel wie etwa Newsmeldungen.

Reality Games - Kuma, ohne Arme! – So schön kann Krieg sein

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Ich hab nichts, ich bin nichts, ich kann nichts - gebt mir eine Uniform
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Die meisten Episoden drehen sich um Vorkommnisse im Irak. Aber auch in Afghanistan, Mexiko, Sierra Leone, Südkorea, Vietnam und sogar Iran dürft ihr auf alles ballern, was nicht das Star Spangled Banner am Ärmel oder zumindest im Herzen trägt. Die Jungs von »Kuma Reality Games« gehen dabei so weit, mit dem Slogan »Stop watching the news and get in the game!« zu werben.

Spätestens da beginnt die Sache drollig zu werden. Denn wer sich im Zusammenhang mit der Behauptung der Wirklichkeitstreue die vollständige Missionsliste durchliest, fragt sich unweigerlich, welche verschreibungspflichtigen Medikamente diese beiden Welten in Einklang gebracht haben könnten. Der amerikanische Präsident erweckt ja schon des Öfteren den Eindruck Ende 2001 durch ein Wurmloch in eine Parallelrealität gestolpert zu sein, aus der nur sein Körper, nicht sein Geist den Weg zurück gefunden hat. Die gesamte Truppe von »Kuma Reality Games« weilt dagegen noch vollständig jenseits der Grenzen des uns bekannten Universums.

Da heißt ein Einsatz in Mosul etwa »The al Qaeda Connection«. Obwohl selbst die Bushregierung mittlerweile mehr oder minder freimütig zugibt, eine Verbindung zwischen Al Qaida und Saddam Hussein nur zur Legitimierung des Angriffs auf den Irak konstruiert zu haben. Außerdem lässt sich der »glorreiche« Vietnam-Einsatz des Präsidentschaftskandidaten John Kerry nachspielen.

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Vorstellungsgespräch bei Bin Laden: »Wieviele Anschläge schaffen sie in der Minute?«
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Wenn man weiß, dass Letzterer aufgrund seiner Kriegserfahrungen zum Pazifisten geworden ist, fragt man sich, ob eine derartige Darstellung nur impertinent oder doch eher grenzdebil ist. Schön auch die Mission »Osama 2001« im Jalalabad nahe gelegenen Höhlenkomplex Tora Bora. Dort wiederholt man den Kampf vom Dezember 2001, bei dem Bin Laden den afghanischen, alliierten Milizen nur knapp entkommen sein soll.

Jetzt allerdings mit dem Dreh, dass die 10te Mountain Division der US Army mit anrückt. Bei einer derartigen Subsumtion unter den Begriff »Reality« müssten Historiker viel häufiger Spekulationen der Art anstellen, wie der 2. Weltkrieg wohl verlaufen wäre, wenn Hitlers Arischgesichtern Skeletor, Chucky und Schnappi, das kleine Krokodil, zur Seite gestanden hätten. Dabei gäbe es genügend Nachrichten, die man tatsächlich und unverfälscht als 3D-Shooter zocken könnte.

»Dick Cheney's Duck Hunt« käme einem in den Sinn. Die Geschichte eines griesgrämigen Vizepräsidenten, dessen einzige Freude im Leben darin liegt, bei der Entenjagd alten Männern ins Gesicht zu schießen und diese sich dafür in aller Öffentlichkeit entschuldigen zu lassen.

Schulmassaker würde ich eher aussparen wollen. Selbst wenn sie sich thematisch anböten. Aber da ja bekanntermaßen allein Computerspiele für eben jene verantwortlich sind, wüsste hierbei nach kurzer Zeit kein Mensch mehr, was Huhn, was Ei und was zuerst da war.

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Die Gemeinsamkeit von Offizieren und Gewittern? Wenn sie sich verziehen, kann es ein schöner Tag werden.
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Außerdem müsste man sich ja nicht auf Shooter beschränken. Ein »Alberto Gonzales' Adventure in Justiceland« könnte ich mir ebenfalls gut vorstellen. Im Intro beobachtet man den kleinen Mexikanerjungen Alberto, gerade zum Justizminister aufgestiegen, beim Feuern von sieben Staatsanwälten aus rein politischen Motiven. Im weiteren Spiel geht es darum im Amt und außerhalb des Gefängnisses zu bleiben.

Und zwar mit allen Schikanen: das Löschen sensibler Daten von Regierungsservern und Aussagen vor dem US-Kongress (Tipp: die richtigen Antworten lauten »Ich kann mich nicht erinnern«, »Daran erinnere ich mich nicht« und »Ich weiß es nicht mehr«). Adventuretypisch kann man natürlich nie verlieren, da man bei einem kurzfristigen Rückschlag gesammelte Loyalitätspunkte (sogenannte Scooter-Libby-Points) gegen Continues in Form präsidialer Begnadigungen eintauschen darf.

Gerade die internationale Bühne böte ausreichend weiteren Stoff. Zum Beispiel eine Mischung aus Flugsimulation und Knobelspiel namens »BrasilAir«. Es ginge darum, bei jeder Landung die größtmögliche Anzahl Tankstellen zu rammen. Oder »Das aktuelle Dopestudio«, der erste Anabolikamanager für Radsportfans, in dem nur derjenige erfolgreich ist, der den Spagat zwischen Sponsor und Pharmaindustrie schafft (»Das nächste Rennen wird Ihnen präsentiert von Bayer und Nandrolon«).

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»…und sie hüllten sich in seltsame Gewänder und irrten ziellos umher...«
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Eine ebenso bombige Sache wäre eine »London Edition« für »Minesweeper«. Zumal jedes mit Moslems im Krieg befindliche Land eine angepasste Versionen für die eigene Hauptstadt absetzen könnte. Selbst eine herstellerspezifische Themenverteilung läge nahe. »Electronic Arts« sollte sich beispielsweise der Vogelgrippe annehmen. Immerhin kommt die auch jedes Jahr in nur leicht abgewandelter Form wieder.

Da ich allerdings bezweifle, dass die Großkopferten der Gamesbranche diese grandiose Geschäftsidee tatsächlich aufgreifen werden und meine eigenen Programmierfähigkeiten sich in Grenzen halten, setze ich auf euch. Damit wir endlich die News in einer Form bekommen, die wir verdienen.

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»Zur Marine wollen sie? Können sie schwimmen?« »Wie, ich dachte, die hätten Schiffe?«
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Schnell, actiongeladen und wir mittendrin, statt nur dabei - vorzugsweise schwer bewaffnet. Von mir war's das für heute, ich gebe zurück in die angeschlossenen Funkhäuser. Jedoch nicht ohne zu guter Letzt anzumerken: 6.000 Wörter und keinen Freund verprellt. Wenn das keine newswürdige Leistung ist. Vielleicht macht jemand ein Spiel draus?