Es war einmal ein zappeliger Geselle mit Struwwelfrisur, der hatte zwar Hände und Füße, doch fehlten ihm Arme und Beine. Der umtriebige Bursche hörte auf den Namen Rayman und hatte schon viel durchgemacht in seinem bisherigen Leben. Seit seiner Erschaffung im Jahre 1995 hatte er nämlich die meiste Zeit mit hektischem Gehüpfe verbracht und so ganz nebenbei diverse Finsterlinge in die Schranken verwiesen.

Doch vor gut zweieinhalb Jahren wurde alles anders. Denn mit Erscheinen der beliebten Partyspielreihe "Rayman Raving Rabbids" stand nicht mehr Ubisofts bekannteste Spielfigur im Vordergrund, stattdessen traten schlecht gelaunte weiße Hasen ins Rampenlicht, die den kleinen Kerl mehr und mehr ins Abseits drängten. War der namensgebende Held im ersten Teil noch die wichtigste Spielfigur, wurde seine Rolle im Nachfolger bereits beschnitten, denn hier standen eindeutig die Bratröhrenanwärter im Vordergrund.

Der jetzt erschienene dritte Teil lässt Rayman buchstäblich in die Rolle eines Zuschauer schlüpfen, denn die Hasen kommen diesmal ins Fernsehen - genau genommen in seine Glotze. Doch schaffen sie auch den Sprung auf die heimischen Bildschirme der Zockergemeinde? Unser Test bringt Klarheit.

Rayman Raving Rabbids TV Party - Trailer: Big Brother3 weitere Videos

Auf der Flucht

Die Hintergrundgeschichte könnte abstruser nicht sein und reiht sich damit nahtlos in das fröhliche Konzept der Vorgänger ein. Es beginnt mit Raymans rasanter Flucht vor einer Meute aufgebrachter weißer Hasen. Als plötzlich ein Gewitter niedergeht, werden seine Verfolger auf geheimnisvolle Weise über die Hausantenne in seinen eigenen Fernseher verbannt. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Während der gebeutelte Held verzweifelt, doch vergebens versucht, die Hasenpest aus seiner Glotze zu verbannen, finden sich die übellaunigen Burschen in zahlreichen TV-Shows und Filmen wieder, die sie kurzerhand übernehmen.

Rayman Raving Rabbids TV Party - Noch mehr Hasenbraten...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 37/411/41
Beim jüngsten Finale von DSDS wurde sogar Dieter Bohlen (2. v. re.) schlecht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Mehr ist zur Story vom nunmehr dritten Teil der überaus erfolgreichen Fungame-Reihe wohl nicht zu sagen. Denn natürlich sind an dieser Stelle wieder die Spieler gefordert, die glubschäugigen Karottenfresser durch - offiziell - 49 Minigames zu begleiten und Rayman in den Wahnsinn zu treiben. Die Zahl ist allerdings ein wenig aus der Luft gegriffen, denn manche der Aufgaben ähneln einander wie eineiige Zwillinge.

Um möglichst viel Abwechslung zu bieten, wurden die Spielchen auf sieben unterschiedliche TV-Programme verteilt. Kochshows, Talentwettbewerbe, aber auch Filme und Quizshows bekommen dabei ihr Fett weg. Das funktioniert in weiten Teilen auch recht amüsant, wirkt in seiner Gesamtheit jedoch nicht mehr wie aus einem Guss, denn die Spiele wirken oft lieblos und ohne inneren Zusammenhang zusammengestellt.

Rutsch nicht aus

Vergleicht man den dritten Teil mit seinen Vorgängern, muss man konstatieren, dass das Konzept der durchgeknallten Hasenspielchen nicht mehr durchgehend funktioniert. Zwar gilt es wieder, zahlreiche schräge Wettbewerbe zu überstehen, bei denen sich die Mitspieler zum Nappel machen müssen, doch wer die beiden vorhergehenden Raymänner gezockt hat, weiß, was ihn erwartet. Denn neue Spielideen sucht man - bis auf einige Ausnahmen - leider vergeblich. Immerhin wurde erstmals das Wii-Fit Balance Board integriert, das eine Sitzlenkung ermöglicht. Man kann also ohne böse Hintergedanken sagen, dass die Steuerung einiger Spiele für den Arsch ist.

Rayman Raving Rabbids TV Party - Noch mehr Hasenbraten...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 37/411/41
Erstes Rededuell der Spitzenkandidaten in Hessen: Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) wirkte nicht sehr überzeugend gegen Roland Koch (im Hintergrund links).
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bedauerlicherweise muss die Aussage auch in metaphorischer Hinsicht gesehen werden, denn bei einigen der Games reagiert die Wii-Steuerung äußerst unsauber. Besonders in hektischen Situationen kann es vorkommen, dass die Bewegungen der Wii-Mote nur sehr zögerlich umgesetzt werden. Das ist ärgerlich und stört den Spielfluss ungemein.

Dafür geht es auf dem Hosenboden recht gut zur Sache. Beim Bobfahren beispielsweise lenkt man sein Häschen durch möglichst schnelle Gewichtsverlagerung. Dabei treten allerdings nicht mehrere Teilnehmer gleichzeitig an, sondern man rutscht einzeln nacheinander die Piste herunter. Der weitaus größte Spaß entsteht dabei allerdings nicht aus der virtuellen Rodelei selbst, sondern aus der Beobachtung des jeweiligen Fahrers, der sich mal mehr, mal weniger abmüht, das Gleichgewicht zu halten.

Gute Idee: Die Mitspieler werden an verschiedenen Stellen aufgefordert, den jeweiligen Fahrer zu sabotieren. Das bringt zusätzlichen Schwung in die Angelegenheit. Und besonders nach dem vermehrten Konsum geistiger Getränke kann es dabei zu Situationen kommen, die einen Spaß für die ganze Familie bedeuten.

Mach's niemals allein

Während beim gemeinsamen Genuss der Minigames spontane Freude aufkommen kann, empfiehlt es sich nicht, Raymans TV-Abenteuer allein zu zocken. Denn die ohnehin schon von Verschleißerscheinungen geprägten Reaktions- und Bewegungsspiele öden im Single-Modus einfach nur an. Hatten die ersten Teile durch ihre weitaus lustigere Präsentation noch einen gewissen Unterhaltungswert auch für Lonely Hearts, so steht und fällt das Spielvergnügen hier ausschließlich mit der Laune der bis zu acht Teilnehmer.

Rayman Raving Rabbids TV Party - Noch mehr Hasenbraten...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 37/411/41
Verblüffung in der Boxwelt: Vitali Klitschko wurde neuer Weltmeister im Federgewicht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Natürlich ist die Reihe von jeher als Party-Stimmungsmacher ausgelegt, insofern wäre es zwar unfair, dem Einzelspieler-Part eine Rolle zukommen zu lassen, die ihm nicht angemessen ist, dennoch kann und darf man ihn nicht vollkommen unter den Tisch kehren, denn immerhin wird der Solo-Modus explizit angeboten. Die Frage ist vielmehr, warum die Entwickler überhaupt eine Einzelspieler-Option integriert haben, bei der lediglich die Minigames aneinandergereiht werden. Hier wäre eine gut erzählte Story, die die verschiedenen Spiele miteinander verbindet, fraglos reizvoller gewesen, als das lustlos daherkommende "Durchzappen" der verschiedenen Fernsehprogramme.

Arschbomben und Rodelspaß auf dem Hosenboden - die cholerischen Häschen sind zurück, verbreiten aber nicht mehr die gleiche Freude wie früher.Fazit lesen

Weit sinnvoller ist dagegen der freie Trainingsmodus, der es erlaubt, bereits gezockte Games in beliebiger Reihenfolge erneut zu spielen. Dabei kann man jedoch im Menü nur einzelne Spielchen auswählen. Eine Zusammenstellung mehrerer Episoden zu einem Set wie noch im Vorgänger ist leider nicht möglich.

Kantige Typen

Wenn wir schon beim Meckern sind, darf auch ein Seitenblick auf die gegenüber den Vorgängern praktisch unveränderte Technik nicht fehlen. Bedingt durch den flachen, kantig anmutenden Comicstil der Zwischensequenzen wirken die munteren Nager sogar weniger opulent als zuvor. Auch in diesem Falle müssen sich die Entwickler die Frage gefallen lassen, warum sie auf eine gegenüber den älteren Teilen augenscheinlich bescheidenere Präsentation gesetzt haben.

Rayman Raving Rabbids TV Party - Noch mehr Hasenbraten...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 37/411/41
Bei der großen Weihnachtsshow der Volksmusik erwischte Florian Silbereisen leider die falsche Kopfbedeckung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ob und inwiefern die Budgetierung des TV-Auftritts der Hasen hierfür verantwortlich sein könnte, gehört sicherlich ins Reich der Spekulation. Unterstellen wir also nur die besten Absichten und gehen davon aus, dass Ubisoft lediglich ein bisschen frischen Wind in die Serie bringen wollte.

Akustisch wird ebenfalls bekannte BWAAAAAA-Kost geboten. Das funktioniert immerhin auch im neuen Teil noch hinlänglich und klingt zum Teil saukomisch. Langmütige Partyspieler mit Hang zu Wiederholungstaten und bedingungslose Fans der Kultreihe können auch beim dritten Teil noch zugreifen. Kritischere Gemüter hingegen sollten Vorsicht walten lassen und sich Raymans TV-Party erst einmal genauer anschauen. Vielleicht hat sich ein Freund das Spiel ja schon gekauft.