Es ist bemerkenswert zu beobachten, mit welch irrem Tempo sich das junge Medium der Videospiele in seiner Art und Aufmachung generalüberholt hat. Von der aufs Minimum reduzierten Aufmachung des Urvaters Pong hat es weniger als vierzig Jahre zu einem Crysis gebraucht, brandaktuelle Titel wie The Division oder The Witcher 3: Wild Hunt zeigen wo die Reise mit den neuen Konsolen hingeht. In einer sich so rasant entwickelnden Welt haben es Marken schwer, über mehr als eine Handvoll Jahre im Gedächtnis zu bleiben. Und doch gibt es sie: Spieleserien, die selbst über Jahre hinweg nichts von ihrer Genialität verlieren.

Ratchet & Clank Trilogy: HD Collection - Official TrailerEin weiteres Video

Vor knapp anderthalb Monaten hat sich Kollege Gregor an dieser Stelle über eine solche Spielereihe ausgelassen. Wenn auch die Portierung für den unterschätzten Bruder von PlayStation 3 und 4 zu wünschen übrig ließ, schmälerte das nichts an der damals wie heute bejubelten spielerischen Brillianz der God of War-Serie. Auch bei uns verewigte sich die Saga rund um Kratos' Rachefeldzug verdientermaßen (vielleicht mit Ausnahme des wenig inspirierten Ascension-Aufgusses).

Ich messe dem Gott des Krieges gerade nicht ganz ohne Grund so viel Sprechzeit zu. Denn gerade im direkten Vergleich mit einem ähnlich betagten Titel wie eben God of War kristallisiert sich heraus, wie gut Lombax Ratchet und sein Roboterkollege Clank wirklich gealtert sind.

… und sie leben immer noch

Der zeitlose Humor greift genauso gut wie damals, die direkte Run-and-Gun-Action hat nichts von ihrer einstigen Freude eingebüßt. Die gesamte Umgebung mit Lancer und Schraubenschlüssel im Anschlag in eine Müllhalde aus klobigen Bolts (wir erinnern uns, das war die Währung in Ratchets Universum) zu verwandeln, motiviert genau wie damals, als der heimische Fernseher noch die Auflösung eines Taschenrechners besaß.

Ratchet & Clank Trilogy: HD Collection - Spielspaß kennt kein Alter

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Schon immer eine von Ratchets größten Stärken: Der hohe Grad an Abwechslung.
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Besonders positiv macht sich aber der hohe Spielekomfort bemerkbar, der ohne Probleme mit heutigen Maßstäben mithalten kann. Hier werdet ihr nicht mehr mit untergegangenen Spielemechanismen der letzten Dekade konfrontiert (Stichwort: Feste Kameraperspektiven), sondern freut euch über eine frei konfigurierbare Tastenbelegung, Waffen mit automatischer Zielaufschaltung und Ausrüstung, die allein durch ihren Gebrauch auflevelt. Und das alles bei einer zehn Jahre alten Trilogie. Chapeau.

Nicht ganz unbeteiligt an dem angenehmen Spielerlebnis ist auch das polierte grafische Grundgerüst. Mit dem Ausflug auf die Vita bekommen die zwei Mechaniker eine ordentliche HD-Kur verpasst und machen den Sci-Fi-Ausflug zu einer richtig ansehnlichen Angelegenheit. Dabei sind die grafischen Sprünge zwischen den einzeln anwählbaren Teilen mitunter ziemlich ordentlich, gerade der Serienabschluss könnte so auch als früher PlayStation 3-Ableger durchgehen. Einziger Schönheitsfehler der sauberen Umsetzung: Die eigentlich so einnehmenden cineastisch geschnittenen Zwischensequenzen wurden nicht mehr nachbearbeitet und stören mit ihrem 4:3-Format und der komprimierten Tonausgabe den Spielfluss – unerklärlich, warum das bei fast jeder PS-Vita-Umsetzung der Fall sein muss.

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Im neuen HD-Gewand zeigen sich die zwei Oldies von ihrer besten Seite.
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Viel beklagenswerter ist jedoch, dass es der PlayStation Vita mit seiner Version des Mechanikerduos zum wiederholten Male nicht gelingen mag, aus dem Bild der ewig unterschätzen und maßlos unterforderten Konsole auszubrechen. Die beachtliche Rechenkraft bringt das Spielgeschehen zwar ruckelfrei und flüssig zur Geltung, fernab davon bleiben aber alle Vita-eigenen Funktionen – sei es das doppelseitige Touchpad, die gyroskopische Bewegungserkennung oder die Funktion des Cross-Savings – ungenutzt. Dabei hätten sich genau solche Möglichkeiten angeboten, um beispielsweise die Flugpassagen eingängiger zu gestalten.