Eine Gourmet-Ratte wird zum geheimen Chefkoch eines Sterne-Restaurants in Paris. So erzählt es zumindest der Animationsfilm Ratatouille aktuell in den Kinos, den ich selbst noch nicht gesehen habe. Macht aber nix, denn dafür gibt es ja Videospielumsetzungen solcher Filme, damit man später in der Schul- bzw. Arbeitspause auch mitreden kann. Wie Cool! Weniger Cool ist jedoch der erwiesene Fakt, dass dieses Genre fast nur von mittelmäßigen, halbgaren und oft auch katastrophal schlechten Spielen beherrscht wird. Daher überrascht es auch nicht weiter, dass auch Ratatouille, das wir für Xbox 360 und Nintendo Wii getestet haben, nur sehr selten das Gamerherz höher schlagen lässt.

Gestatten - Remy!
Remy, so der Name der kochbegeisterten Ratte, hat einen Hang zur guten Küche und träumt davon ein Koch zu werden - wie sein Vorbild Auguste Gusteau. Das passt allerdings ganz und gar nicht in die herkömmlichen Vorstellungen eines 08/15-Nagers, der sich nicht, wie der Rest seiner Familie, von Abfall ernährt. Der Zufall will es jedoch, dass Remy sich nach einigem Hin und Her im Restaurant seines Vorbilds wieder findet, wo er dem unerfahrenen Linguini unter die Arme greift und somit seinem Traum einen Stück näher kommt. Bis es jedoch soweit ist, übernehmt ihr die Kontrolle und steuert die Ratte durch ein eher chaotisches Jump 'n Run-Plattform-Game.

Ratatouille - Verkochtes Lizenz-Süppchen: Dieser Käse ist nicht einmal rattentauglich.

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Wer guckt hier wohl dümmer aus der Wäsche?
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In jeder der sechs verschiedenen Welten stellen sich euch unterschiedliche Haupt- und Nebenaufgaben. So sind in jedem Level 100 Amulette versteckt - je mehr ihr davon sammelt, desto mehr Bonuspunkte erhaltet ihr am Ende. Die Hauptmissionen verlangen meist von euch, irgendetwas zu sammeln oder irgendwie zusammenzuschustern. Ob man jetzt ein Grammophon zum Spielen bringt, einen Gullideckel aufsprengt oder Glühbirnen gegen den Widerstand von lästigen Motten klaut, immer werden dieselben Handlungsweisen abgerufen.

Packshot zu RatatouilleRatatouilleErschienen für DS, PC, PS2, PS3, PSP, Wii und Xbox 360 kaufen: ab 12,96€

Ihr springt auf Objekte wie Kisten, Autos, Mauern, Fässer oder balanciert über Drähte und Stöcke - die natürlich aus der Sicht einer kleinen Ratte ziemlich große Dimensionen haben und nicht ohne weiteres erklommen werden können. Daher gibt es eine Viehzahl an Hilfsmitteln, wie etwa Sprungkissen, Trampoline, Mini-Katapulte, Rohre, Laufgitter und vieles Andere, an dem ihr euch entlang hangelt.

Hakeliges Gameplay
Allerdings erweisen sich oft nicht die gestellten Aufgaben als schwer, sondern das Gameplay als unnötig hakelig. In beiden Fassungen sind viele Aktions-Abfragen ungenau, daher landet man schneller im todbringenden Abgrund, als man denkt. Mr. Remy hält nämlich nicht allzu viel aus und übersteht daher Stürze eher schlecht als recht. In diesem Zusammenhang macht sich übrigens auch das eher nervige Respawn-System negativ bemerkbar. Warum erscheint man manchmal nur wenige Meter neben der Absturzstelle wieder, in vielen Fällen jedoch am Anfang des Levels?

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Bei der Wii-Version kann man sich sogar vor seinen Feinden verstecken.
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Das macht nicht nur keinen Sinn, sondern kann auch sehr frustrierend sein, wenn man sich etwa gerade auf einem weit entfernten und schwer zu erklimmenden Dach befand. Eines der größten Probleme manifestiert sich aber leider auch bei Ratatouille in der Kameraführung. Häufig richtet sich die Perspektive automatisch aus und verhindert so einen optimalen Blick auf das Geschehen - oft genug sind einem dabei sogar Objekte im Weg, sodass man eigentlich gar nicht sieht, wohin man springen oder laufen muss. Die unpräzise Pad-Steuerung macht dabei natürlich noch zusätzlich Probleme.

Ziemlich unausgegoren sind auch die Renn-Sequenzen, in denen eure kleine Gourmet-Ratte vor ihren Häschern flüchtet. Dabei seht ihr den Nager jedoch von vorne, die Spielfigur rennt also auf euch bzw. den Bildschirm zu, sodass ihr die vielen Hindernisse erst sehr spät erkennt und dementsprechend wenig Zeit für eine Reaktion habt.

Zudem handelt es sich dabei um recht lange und eintönige Passagen, die nicht wirklich Spaß machen und aufgrund weniger Checkpoints häufig von vorne begonnen werden müssen. Aufgelockert wird das Such- und Sammel-Gameplay von einigen Minispielen, bei denen ihr noch mehr Gegenstände sammelt oder in Zeit-Rennen einen kleinen Parcours bewältigen müsst. Abwechslung findet man hier also eher wenig, diese Spielchen sind für den Spielfortschritt auch nicht wichtig - allerdings könnt ihr mit ihnen Boni frei schalten.

Überraschende Wii-Version
Überrascht waren wir von der Wii-Version des Spiels. Das bezieht sich weniger auf die Spielmechanik an sich, denn im Grunde handelt es sich um dasselbe Jump n' Run-Plattformspiel, nur sind die Levels völlig anderes aufgebaut und auch die Missionen unterscheiden sich deutlich voneinander. Ist das Tutorial in der 360-Fassung noch eine Rennsequenz, wird bei der Wii lediglich eine Zwischensequenz abgespielt.

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So nah sollte man diesem bösen Wauwau lieber nicht kommen...
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Dafür hat man bei Nintendos Konsole eine Flussfahrt eingebaut, die es auf Microsofts Konsole gar nicht gibt. Man hat sich also durchaus bemüht, das Gameplay der Wii-Konsole anzupassen und auch die Steuerung zu optimieren. Die geht durchaus sehr einfach von der Hand, wobei ihr neben der Wiimote auch einen Nunchuk benötigt. Grundsätzlich ist die Belegung der Tasten recht gut gelungen und die Bewegungen mit beiden Controllern werden meist präzise umgesetzt.

Wobei die Motion-Steuerung eher selten benötigt wird, wie etwa für Schwanzwedler, mit denen man sich kleinere Feinde vom Fell hält. Allerdings scheint das Gameplay bei der Wii-Version deutlich anspruchsloser zu sein - die Sprungpassagen sind einfacher zu bewältigen und bieten so auch weniger Stress bzw. Herausforderung - je nachdem, wie man es sieht.

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Erstaunlich: Die Wii-version bietet gegenüber der 360-Fassung tatsächlich andere Inhalte.
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Stressig wird es jedoch aus einem ganz anderen Grund und den hat leider auch hier die vermurkste Kameraausrichtung zu verantworten. Die Perspektive richtet sich nur selten nach den Erfordernissen aus und erfordert ständiges Nachjustieren per Hand, was ihr mit der Wiimote bewerkstelligt, die dazu an den Bildschirmrand geführt wird. Das kostet in den Sprungpassagen aber nicht nur Zeit, sondern ist auch nicht sehr übersichtlich, zumal sie entweder viel zu feinfühlig oder träge reagiert und sich damit als gehöriger Spielverderber erweist.

Dass die Wii-Fassung der 360-Version optisch deutlich hinterherhinkt, muss eigentlich nicht mehr extra erwähnt werden, ist aber insgesamt nicht allzu schlimm, da auch die Grafik auf der Next-Gen-Konsole im Endeffekt nicht wirklich überzeugen kann und praktisch keine besonderen Hingucker bietet. Beide Fassungen bieten übrigens noch einige kleine Minispiele für den kurzen Mehrspielerspaß zwischendurch, allzu viel darf man sich aber davon nicht erwarten, da sie nur wenig Langzeitmotivation bieten.