Phil Tossell, ein ehemaliger Programmierer bei Rare Ltd., sprach in der neuesten Ausgabe des Retro Gamers über seine Zeit bei Rare unter Microsoft-Flagge.

Rare - Rares Phil Tossel spricht über Microsofts Missmanagement

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/89Bild 1/891/89
Mittlerweile macht Rare fast nur noch Kinect-Spiele
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Rare war mal eine Instanz. 1985 gegründet, begann Rare Ende der 80er-Jahre mit der Produktion von Spielen für das Nintendo Entertainment System, kurz NES. Mit Portierungen wie Marble Madness und Eigenproduktionen wie Wizards and Warriors konnte Rare sich einen Namen machen, der durch Titel wie Battletoads noch größer wurde.

Den absoluten Durchbruch schaffte Rare dann Mitte der 90er-Jahre, als Teil von Nintendos Entwicklerteams. Mit Spielen wie Goldeneye 007, das First-Person-Shooter auf Konsolen salonfähig machte, Diddy Kong Racing, das für viele sogar besser als Mario Kart 64 war, den Banjo-Kazooie-Spielen und nicht zuletzt Conker's Bad Fur Day eroberte Rare den Spiele-Olymp und feierte einen Erfolg nach dem anderen.

Dann kam 2002 und der Aufkauf durch Microsoft für 375 Millionen Dollar. Microsoft hatte zu der Zeit gerade die Spielebühne mit der eigenen Konsole Xbox betreten und brauchte starke Entwicklerteams für dringend benötigte Exklusivtitel. Es wird gar behauptet, Microsoft habe mit dem Aufkauf eigentlich nur Nintendo schwächen wollen. Rare entwickelte für die erste Xbox gerade mal zwei Spiele: Grabbed by the Ghoulis und Conker: Live & Reloaded.

Erst auf der Xbox 360 konnte Rare kontinuierlich Spiele veröffentlichen. Doch weder Perfect Dark Zero noch Banjo-Kazooie: Schraube Locker oder eines der anderen Spiele konnten an alte Erfolge anknüpfen. Dann kam Kinect und mit der Kamera die Reduzierung des Studios auf Kinect-Spiele.

Laut Tossell habe Microsoft nicht zugelassen, dass Rare sich auf andere Spiele als auf solche für Kinect konzentrierte. So habe er während seiner Zeit bei Rare miterleben müssen, wie der Mutterkonzern die Produktion an ganzen 20 Spielen cancelte.

Darunter Shooter wie Crackdown 2, Black Widow, einem Shooter mit einem Spinnen-Mech, Perfect Dark Core, Horrorspiele wie Urchin oder Ordinary Joe, Rennspiele wie Arc Angel und Banjo-Karting, sowie Adventure-Spiele wie Kameo 2 und Sabreman Stampede, einem Nachfolger zu Sabre Wulf).

Kameo 2 wurde ursprünglich so angelegt, dass der Look erwachsener sein sollte. Zuerst erhielt das Spiel auch grünes Licht, doch rund drei Monate nach Produktionsbeginn wurde das Projekt abrupt gestoppt. Rare sollte seine gesamten Ressourcen auf die Kinect-Spiele konzentrieren.

"Ich glaube, wir hatten einen vergifteten Kelch", so Tossell. "Man bat uns, die Spiele zu produzieren, die wir immer für ein Publikum machen sollten, das solcherlei Spiele gar nicht wollte. Der Grund, warum wir Black Widow, Crackdown und Kameo 2 machten, war der, dass wir versuchten, diese Lücke zu schließen, aber Microsoft wollte das partout nicht zulassen."

Microsofts Corporate Vice President Phil Spencer teilte vor kurzem noch mit, dass man Rare niemals dazu gezwungen habe, nur Kinect-Spiele zu entwickeln. Doch das Unternehmen hat es wohl auch nicht erlaubt, dass Rare sich an andere Spiele versuchte, indem es einfach alle Projekte, die nicht für Kinect gedacht waren, einfach cancelte.

Mittlerweile arbeitet Phil Tossell bei nyamnyam an Tengami, einem wunderschönen Indie-Spiel.