Adventures sind der ultimative rote Faden meiner Spielerbiografie: Ob Maniac Mansion, Day of the Tentacle, Kings Quest, Monkey Island oder I Have No Mouth, And I Must Scream – seit ich denken kann, spiele und liebe ich die oft fordernden Point'n'Click-Rätseleien. Umso mehr freue ich mich über die Renaissance der Adventures in den letzten Jahren, die von Telltale Games, Ron Gilbert & Co. angeführt wird. Nun drängt auch das Erstlingswerk von Nexus Games Studios ins Rampenlicht und möchte die Genre-Wiederbelebung weiterführen – so richtig gelingt das allerdings leider nicht.

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Randal's Monday, das unter der Obhut des Hamburger Teams Daedalic Entertainment herausgebracht wird, ist ein bunter Lobgesang auf die ganze popkulturelle Breite der letzten Jahrzehnte. Mit einem charakteristischen Zeichenstil und dem interessanten Story-Twist sind alle Vorraussetzungen für stundenlanges Knobeln, Klicken und Schmunzeln gegeben – aber so richtig will Randal die Kurve nicht kriegen.

Theoretisch vielversprechend

Randal ist der typische Antiheld. Charakterlich verdorben, Faulheit und ein großes Alkoholproblem kennzeichnen den oft miesmutigen Randal, der nach einer durchzechten Nacht den Verlobungsring seines besten Freundes in seinen Taschen findet. Statt ihn zurückzugeben, benutzt er ihn als Zahlungsmittel, um seinen wütenden Vermieter vor der Haustür zur beruhigen – und damit beginnt das Spiel erst so richtig.

Randal’s Monday - Die Mischung macht's - allerdings nicht immer

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Das Unheil nimmt seinen Lauf - ebenso wie der Alkoholkonsum von Randal und seinen Freunden.
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Ab diesem Moment erlebt ihr den immergleichen Montag solange, bis ihr alle Fehler ausgebügelt habt und entdeckt jeden „Tag“ Veränderungen in eurem Umfeld. Damit ändert sich das Spiel bei jedem Morgengrauen mehr oder weniger, was für eine hübsche Portion Abwechslung und Neugierde auf unserer Seite des Monitors sorgt.

Diese Prämisse erinnert an Filme wie „Täglich grüßt das Murmeltier“: Ich persönlich empfand den Twist um die unfreiwilligen Ehrenrunden an diesem verhängnisvollen Montag als sehr reizvoll und versuchte, so lange wie möglich über die Fehler des Spiels hinwegzusehen, aber irgendwann war auch bei mir ein Belastungslimit erreicht.

Packshot zu Randal’s MondayRandal’s MondayErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Eine unausgegorene Mischung

Im Kern krankt Randal's Monday an zwei großen Problemen. Zunächst wäre da der extrem hohe Schwierigkeitsgrad der Rätsel. Immer wieder stoße ich auf Situationen, die mit menschengegebener Logik einfach nicht lösbar sind. Klar, Adventure-Veteranen aus den frühen 90ern erinnern sich an ähnliche Logiknüsse, die ohne Lösungsbuch nicht schaffbar waren, aber das hat auch schon früher genervt.

Schade, schade, Montage: Trotz netter Idee ist das popkulturelle Dauerfeuer und die zuweilen seltsame Rätsellogik leider in den meisten Fällen alles andere als unterhaltsam.Fazit lesen

Gegen einen anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber wenn ganze Spielbereiche nicht mehr schaffbar sind und man nur noch wahllos alle Gegenstände durchklickt und ausprobiert, dann bleibt der Spielspaß ziemlich schnell auf der Strecke.

Randal’s Monday - Die Mischung macht's - allerdings nicht immer

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Popkulturelle Anspielungen am laufenden Band - aber irgendwann ist auch mal gut.
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Die zweite selbstgebaute Stolperfalle, in die Randal immer wieder läuft, ist der Humor des Spiels. Dieser beruht zu einem wesentlichen Teil auf popkulturellen Referenzen, die allerdings so häufig gestreut und quasi allgegenwärtig sind, dass man sich vor dem Augenzwinkern der Entwickler kaum noch retten kann.

Während man Tetris-Blöcke im Hintergrund und Spielautomaten mit ikonischen Klassikern zu Beginn noch schätzt und sich sogar darüber freut, nervt das ständige Schulterklopfen der Entwickler, jedes popkulturelle Produkt der letzten Jahre eingebaut zu haben, zusehends. Irgendwann bekam ich sogar das Gefühl, dass Randal's Monday keinen eigenen Charakter besitzt, keinen eigenen Humor vorweisen kann, sondern sich nur auf das Insider-Potential der vielen Anspielungen verlässt.

Das geht schließlich soweit, dass ich mich ertappe, wie ich die vielen, vielen Dialoge immer schneller wegklicke und abkürze, um der nächsten popkulturellen Referenz oder Anspielung zu entgehen – spätestens da war für mich der Punkt erreicht, an dem ich feststellen und eingestehen musste, dass Randal's Monday leider kein gelungenes Adventure geworden ist. Schade, denn die Zutaten für viel Spielspaß sind vorhanden – die Mischung entpuppt sich allerdings als zu unausgewogen.