Glosse:
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Mir geht es schon viel besser, seitdem ich regelmäßig die Selbsthilfegruppe besuche. Zuerst fühlte ich mich von der Gemeinde ausgestoßen und habe meine Neigung geheim gehalten. Nun kann ich offen darüber sprechen und schreie: "Ja, ich bin ein Cheater!"Ob Geld, Munition, geheime Level oder Unbesiegbarkeit - es kann alles so einfach sein. Selbstverständlich habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich bin mir auch darüber bewusst, dass ich mich selbst betrüge. Aber mal unter uns: Haben Sie noch nie gecheatet oder einen so genannten "Walkthrough" benutzt? Natürlich nicht beim online spielen, aber so ganz allein zu Hause vor dem Rechner?

In der Selbsthilfegruppe habe ich gelernt, dass fast jeder schon mal ein bisschen nachgeholfen hat. Das ist auch nicht verwunderlich bei der aktuellen Entwicklung in der Spieleindustrie. Wer sich vor die Konsole setzt und vom Arbeitsalltag entspannen will, sieht sich oft hochkomplexen virtuellen Anforderungen gegenüber. Einen Endgegner zu besiegen ist manchmal schwieriger, als beim Chef eine Gehaltserhöhung durchzuboxen.

Dass es auch anders geht, zeigen die meist einfachen Games aus Japan. "Japanische Spieler lehnen sich einfach zurück und sagen: unterhalte mich", erklärt Design-Legende Hideo Kojima. Die Spielebranche meint, wir Europäer hingegen suchen die Herauforderung. Schön und gut. Aber wenn ich mit chronischem Munitionsmangel unter Zeitdruck und Beschuss ein Rätsel knacken muss, trägt das nicht unbedingt zur Erholung bei. Auch wenn Adrenalin in kleinen Mengen einen therapeutischen Effekt hat: Das halte ich auf Dauer nicht aus. Spätestens nach dem 17. Anlaufdrücke ich also auf Pause und krame leicht genervt die Lösung hervor. Wer jetzt behauptet, zu solchen Mitteln würde er nie greifen, soll eins erklären: Warum verkaufen sich die vielen Lösungsbücher besser, als der letzte Roman von John Grisham? Und sind die Tipps in Spielemagazinen nur Lückenfüller, weil den Redakteuren die Themen ausgehen?
Da sich Spielerfolge ohne solche Hilfsmittel nicht immer einstellen, leuchtet es ein, dass Zocken in der Gesellschaft noch nicht so anerkannt ist wie Sport oder ins Kino gehen. Wenn ein Normalsterblicher zum ersten Mal das Gamepad in die Hand nimmt und schon in den Trainingsmissionen stirbt, muss er doch denken: Wer so etwas zum Zeitvertreib macht, kann nicht normal sein.

Trotzdem verständlich, dass manche Hersteller ihre Titel nur allzu gerne schwieriger machen. So kann man schließlich selbst das kürzeste Spielvergnügen künstlich in die Länge ziehen. Wenn der Zocker schon beim ersten Level mindestens drei Anläufe braucht, dann wird

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Trotzdem verständlich, dass manche Hersteller ihre Titel nur allzu gerne schwieriger machen. So kann man schließlich selbst das kürzeste Spielvergnügen künstlich in die Länge ziehen. Wenn der Zocker schon beim ersten Level mindestenswird aus einem Zehn-Stunden-Game schnell ein episches Abenteuer mit 50 Stunden Langzeitspaß.

Trotzdem verständlich, dass manche Hersteller ihre Titel nur allzu gerne schwieriger machen. So kann man schließlich selbst das kürzeste Spielvergnügen künstlich in die Länge ziehen. Wenn der Zocker schon beim ersten Level mindestens

verzweifeln und die Lösungsbücher-Industrie unterstützen. Auch die Hardware-Branche verdient am Trend zur Herausforderung. Solange es nur für Profis und Hartnäckige bezwingbare Titel gibt, ist die Nachfrage nach Gamepads gesichert.

Wenn man die Dinger nach einer verpatzen Sprungpassage aus dem Fenster wirft oder bei der Niederlage gegen den Zwischengegner eine Ecke aus dem Controller beißt, muss schließlich Nachschub her. Warum sollten sich auch sonst soviel mehr Controller als Konsolen verkaufen. Bestimmt nicht, weil die Käufer zu 20st an einem Gerät spielen wollen.

Unsere Selbsthilfegruppe arbeitet übrigens gerade an einer neuen Therapieform: Eine Online-Heilanstalt für Spieler, die beim Zocken die Nerven verloren haben. Die bekommen dann täglich mindestens eine Stunde Lernspiele daddeln verordnet, um ihr Selbstwertgefühl wiederzuerlangen.Trotz all dem Stress werde ich wahrscheinlich niemals mit dem Spielen aufhören. Schließlich gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass Games eines fernen Tages einfacher werden. Außerdem wartet da schon seit Jahren ein Endgegner auf mich, den ich noch besiegen muss.

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