Immer das gleiche Spiel

Hat denn niemand Mitleid mit diesen armen Kreaturen? Erst schuften sie ihr halbes Leben lang für uns und dann gönnt man ihnen noch nicht einmal den verdienten Ruhestand. Die Rede ist von Frogger, Pacman, den Bubble-Bobble-Drachen und ihren Freunden.Jahrelang klettern, hüpfen und kämpfen sie, werden durch Armeen von Feinden geschickt und müssen oft auch noch die Welt retten. Verdienen solch tapfere Abenteurer nach all den Strapazen nicht einen entspannten Lebensabend? Anscheinend nicht.

Wenn die Pixelhelden nach bestandenen Abenteuern endlich den wohlverdienten Ruhestand antreten, bleibt ihnen kaum Zeit zum Entspannen. Denn nach ein paar Jahren kommt meist ein Programmierteam auf die Idee, wieder einen dieser Helden aus dem virtuellen Altenheim zu holen und ihn erneut an die Front zu schicken.
Klar, die Zeiten sind hart. Aber rechtfertigt das solch eine Sklaverei? Warum lasst ihr unsere alten Helden nicht in Frieden ruhen? Wieso schickt ihr sie auf wechselnden Plattformen durch die immer wieder gleichen Abenteuer oder erfindet neue Wagnisse, um sie zu quälen? Auch wenn Frogger und seine Kollegen nie in die Rentenkasse eingezahlt haben, ist das noch lange kein Grund, sie bis ans Lebensende herumhüpfen zu lassen.

Schließlich will auch ein betagter Cyberfrosch irgendwann seine von Gicht geplagten Schenkel hochlegen und eine Kreuzfahrt antreten, Karten spielen oder sich der Seerosenzucht widmen.Sind Spieleentwickler sadistisch veranlagt oder fällt ihnen einfach nichts Neues mehr ein? Jedenfalls wimmelt es in den Ladenregalen nicht unbedingt von innovativen Titeln.

Früher versuchten die Firmen, den Gamer mit einer neuen Steuerung oder anderen Innovationen zu überraschen. Leider werden diese Bemühungen immer seltener.

Jetzt wird die Ideenfindung oft auf die Entscheidung beschränkt, welchen alten, zahnlosen Helden man diesmal aus der Kiste kramen könnte. Wenn er Glück hat, bekommt er eine frischere Optik oder eine neue Fähigkeit; fertig. Einige Puristen verzichten sogar auf solche kosmetischen Eingriffe.

Da werden die betagten Herrschaften mit verfalteter Grafik aufs Feld geschickt. Hinzu kommt eine fast antike Steuerung, die denken lässt, die in die Jahre gekommenen Protagonisten wären außerhalb des Monitors nur mit dem Rollstuhl unterwegs.

Darauf kommt das Etikett: »Spielt sich wie der Original-Klassiker«. Und schon ist die lieblose Variante des Remakes fertig. Zwar erscheinen auch aufwändigere und unterhaltsame Wiederbelebungsversuche, aber mal etwas Neues wäre doch auch nicht schlecht, oder? Natürlich waren wir alle »Breakout«-süchtig - doch müssen wir uns deshalb im Zeitalter von Xbox, PS2 und Cube alle 20 verschiedene Neuauflagen dieses Klassikers kaufen und mit der gleichen Begeisterung wie damals spielen?
Außerdem sind irgendwann alle Oldies mal ausgereizt - sollte man zumindest meinen. Was dann? Bekommen wir in dieser fernen Zukunft endlich etwas Neues zu sehen? Aber dann gibt es ja immer noch Nachfolger von erfolgreichen Spielen aus jüngerer Vergangenheit. Mit den jährlichen Updates von Sportspielen und zweiten und dritten Teile von Action- und Strategie-Hits sind die Firmen noch eine Weile beschäftigt.Schön, dass immer wieder Dinge verändert oder gar verbessert werden. Aber wozu braucht man all die Mengen an uninspirierten Fortsetzungen, die sich nur durch den Erfolg des Vorgängers verkaufen? Etwa als überteuerten Türstopper oder Bierdeckel?
Werfen wir einen Blick in die Regale der Spieleläden, erleben wir spätestens beim Blick auf die Beschreibung der Packungsrückseite haufenweise Dejà-vus. Hab ich dieses Spiel nicht schon mit einem anderen Helden und einer etwas bunteren Grafik im Regal nebenan gesehen?

Habe ich das Strategie-Game nicht schon mal gespielt, nur dass der Hintergrund ein anderer Krieg war?

Wo bleiben also die Innovationen? Schließlich spiele ich doch, um etwas völlig Neues zu erleben. Oder zocken Sie etwa Titel wie »Splinter Cell« oder »Vice City«, weil es ihren Alltag so schön widerspiegelt?

Deshalb ist wahrscheinlich auch die Rettung der Menschheit oder der Sieg in Schlachten solch ein beliebtes Thema. Ist ja auch ganz aufbauend, nach dem Streit mit den Handwerkern oder Beziehungsstress eben kurz die Welt zu retten, um das Selbstwertgefühl zu stärken.

Doch auch eine weniger hochtrabende Tätigkeit wäre zur Abwechslung ganz spannend, oder?

Wahrscheinlich wird es nie den Ansturm innovativer Spiele geben. Dabei gibt es doch so viele Dinge, die man umsetzen könnte. Liebe Entwickler, warum setzt ihr nicht die Ideen und Wünsche der Zocker um? Oder lasst euch selber etwas einfallen? Es gibt doch so viele Möglichkeiten.

Lasst mich mal überlegen ... Man könnte, ... und müsste, ... Ne, das verrate ich Euch jetzt nicht! Da lern ich lieber selbst, wie man ein Spiel programmiert ...