Ganz schön öde, oder? Weiß irgend jemand, warum es in der Spielebranche ein Sommerloch gibt? Schon gut. Natürlich sagt der Handel, dass die Kunden bei 30 Grad im Schatten lieber in Urlaub fahren, als vor dem PC oder der Konsole zu sitzen. Doch wo bleibt das Mitleid mit den Daheimgebliebenen?Außerdem sollten die Hersteller ihre Kunden bis zur nächsten Kassen-schlagersaison bei Laune halten. Sonst schließen wir uns vielleicht erst deprimiert in die Wohnung ein und gewöhnen uns dann das Zocken sogar ganz ab. Aber wir leben nun mal in einer Welt, in der es für Spieler keine Gnade gibt.

Was sollen wir also jetzt mit unserer freien Zeit anfangen? Etwa ins Freibad gehen und unsere armen, nicht ans Tageslicht gewöhnten Körper einem Sonnenbrand aussetzen? Nein danke. Die spiellose Zeit stellt eine echte Gefahr für Gamer dar. Das Sommerloch hat so starke Nebenwirkungen, dass man besonders fleißigen Zockern ihr Hobby sogar ansieht. Unwissende halten sie für Alkoholiker auf Entzug; wir wissen, dass diese armen Menschen nur Spieler sind, denen man kurzfristig ihr Hobby entrissen hat. Wir können sie an dem zuckenden rechten und dem ständig kreisenden linken Daumen erkennen, oder dem wippenden Zeigefinger, der die Maustaste sucht.
Also liebe Spielehersteller, wieso tut ihr uns das nur an? Gerade war ich zum Beispiel im Kino. Ist es etwa normal, dass man dort immer öfter Menschen mit Nachtsichtgeräten sieht, die sich an der Wand entlang drücken! Als einer von ihnen zwischen den Sitzreihen umherschlich, habe ich ihn gefragt, was er da macht.Er sagte nur: »Pst, mein Name ist Sam Fisher und ich bin in geheimer Mission unterwegs.« Moment, da rennt gerade jemand unten auf der Straße mit einer riesigen Wasserpistole vorbei. Zwischendurch hüft er und gibt dabei komische Geräusche von sich. Was ist denn da los? - Gerade hat er eine dicke Frau nass gespritzt und jubelt jetzt: »Two frags left.«
Aber halt - wo bin ich? Was für ein Glück. Es war alles nur ein Traum. Ich bekomme langsam Wahnvorstellungen, weil ich nicht mehr weiß, was ich tun soll. Ich glaube, ich renne gleich mal eine Runde durch den Wald. Dort hüpfe ich über Steine, sammle ein paar Münzen ein und trete fiese Pilze kaputt.

Welcher Zocker - von Scrabble- und Schachspielern mal abgesehen - ist es nicht gewohnt, mindestens einmal die Woche die Welt zu retten. Mal ehrlich: Vermissen Sie dieses Gefühl nicht? Kommt Ihr Selbstbewusstsein mit dieser moralischen Unterforderung klar?

Zum 348. mal Filme wie »Armageddon« zu gucken, stellt auch nicht wirklich eine Alternative dar. Na, wenigstens machen im Moment die Therapeuten gute Umsätze. Irgendwo muss man sich ja ausheulen.
Erlauben Sie mir, Ihnen einen kleinen Tipp für das nächste Sommerloch zu geben: Spielen Sie am besten direkt vorher keine Games wie »GTA« oder »Autobahnraser«. Wenn der Zockentzug besonders stark wird, könnte das sonst arge Konsequenzen haben.

Oder wie wollen Sie einem Polizisten erklären, dass Sie den Typen da vorne einfach nur so aus dem Auto gezerrt haben? Und dass Sie nach dem 80 km/h-Schild gut 200 gefahren sind, weil Sie dachten, das gehöre zu Ihrem Auftrag? Spielen Sie solche Games am besten zu einem anderen Zeitpunkt. Und sammeln Sie schon in diesem Winter Futter fürs nächste Sommerloch.

Aber leider weiß ich aus eigener Erfahrung, dass dieser Vorrat sowieso nur bis kurz vor die sommerliche Sendepause reicht.

Also halten Sie sich beim Zusammenstellen der Reserve vorsichtshalber an harmlose Titel wie »Barbie - Zauberhafte Pferdewelt« oder »Pokémon Snap«. Ich mein' ja nur ...

So, ich muss jetzt los. Auf mich wartet ein neues Game, mit dem ich mir die Zeit bis zu den großen Neuerscheinungen im Herbst verkürze. Es ist eine Mischung aus Taktik- und Geduldsspiel. Der Spieler sucht Gegenstände für sein Inventar, schleicht um Leute herum und versucht, zwischen Horden von schubsenden Gegnern kleinen Monstern auszuweichen, die ihn umrennen wollen.

Das Spiel heißt: »Samstags im Supermarkt«.