Autor: Matthias Grimm

Die unzähligen Farben der Neonreklamen an Häuserfassaden und in den Straßen der Stadt vermischen sich zu einem bunten Teppich aus Licht. Allernorts ist das monophone Buhlen der Spielautomaten um Kunden zu vernehmen, und jeder, auch derjenige, der es eigentlich nicht hat, investiert sein Geld in Plastik-Jetons und Münzschlitze in der Hoffnung, den ganz großen Coup zu landen.

Doch plötzlich reißt eine markerschütternde Explosion auch den letzten Träumer aus seiner Luftblase und wirft mir ihrer feurigen Asche eine Wolke angsterfüllter Stille über die gesamte Stadt. Auch dem Letzten ist nun unmissverständlich klar: Die Zeit des schnöden Mammons ist vorbei. Heute regiert der Terror in Las Vegas!

Rainbow Six: Vegas - PS3 Launch Trailer 214 weitere Videos

Team Rainbow, übernehmen Sie!
Per Einsatzhubschrauber werden wir an den Ort des Geschehens verfrachtet. Wir, das heißt in diesem Fall Teamleiter Logan Keller und zwei neue Kollegen: Michael Walter, seines Zeichens Experte für schweres Geschütz, sowie Jung Park, Elektronikspezialist. Warum Kellers angestammte Crew nicht mit von der Partie ist, bleibt zunächst unklar, soll aber im Verlauf der Story aufgeklärt werden.

Rainbow Six: Vegas - Jack Bauer würde Rainbow spielen: Das neue Echtzeit-Konzept ist Spannung pur!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 128/1331/133
"The City that never sleeps" aus der Helikopter-Perspektive.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Noch während des Fluges werden wir von der Einsatzleiterin mit den wichtigsten Informationen über die aktuelle Situation und unser Aufgabenziel informiert. Ein Blick durch das Fenster verschafft uns noch einen letzten, berauschenden Überblick über die Stadt und ihr niemals endendes Lichtermeer. Dann kommen wir am Zielpunkt an und stellen fest: Unter uns tobt bereits die Straßenschlacht zwischen Polizei und Terroristen. Und schon geht es am Seil ab in die Tiefe...

24 Stunden Angst
Die ersten Minuten von »Rainbow Six: Vegas« reißen einen förmlich mitten ins Geschehen. Das neue Konzept der Reihe scheint aufzugehen: Wie uns Lead Game Designer Maxime Beland, der uns eine (im übrigen fast fertige) Version des Spiels vorführte, erklärt, habe man sich dabei unter anderem von der mehrfach preisgekrönten TV-Serie »24« inspirieren lassen. Deren dichte Atmosphäre und die Beklemmung einer unmittelbaren Bedrohung durch den Terror habe als Leitfaden für das neue »Rainbow Six«-Gefühl gedient.

Rainbow Six: Vegas - Jack Bauer würde Rainbow spielen: Das neue Echtzeit-Konzept ist Spannung pur!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
"Dante's Inferno": Diese Map macht ihrem Namen alle Ehre.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Aus diesem Grund wird der Spieler dieses Mal nicht um den halben Globus reisen, sondern (mit Ausnahme des Tutorial-Levels) in einer einzigen Stadt, dem titelgebenden Zockerparadies, verweilen. Die einzelnen Missionen schließen zeitlich direkt aneinander an und bilden so einen durchgängigen Storyfaden - nur gelegentlich werdet ihr mit besagtem Helikopter von einem Ort der Stadt an einen anderen transportiert.

Video-Einblendungen auf eurem HUD versorgen euch während der Missionen mit neuen Informationen. Auch Nachrichtenausschnitte kommen dabei zum Einsatz und vermitteln euch das Gefühl, mitten im Brennpunkt einer globalen Krise zu stehen. Auf diese Weise wird die Intensität der Action immens erhöht und der Eindruck eines ständigen Wettkampfs gegen die Zeit und einen scheinbar übermächtigen, allgegenwärtigen Feind erzeugt.

Befürchtungen, die Beschränkung auf eine Location würde zu einem Mangel an Abwechslung führen, können an dieser Stelle getrost aufgegeben werden. Schließlich bietet die Glitzerwelt von Las Vegas so viel Reizüberflutung Schein, und Widersprüchlichkeit pro Quadratmeter wie kaum ein anderer Ort auf Erden. Bei seinem Kampf gegen den Terror wird der Spieler so beispielsweise jeder Menge Casinos, prunkvollen Hotels oder auch der berühmten Fremont Street mit ihren zahlreichen Geschäften und dem imposanten Lichterdach einen Besuch abstatten.

Aufgrund des speziell in Amerika in politischer Hinsicht problematischen Szenarios verweigerten allerdings die realen Etablissements die Erlaubnis, ihre virtuellen Ebenbilder ins Spiel zu integrieren - was dem Spiel nicht zwangsweise zum Schaden gereicht. Im Gegenteil: Dass die Level-Designer es regelrecht genossen, ihrer Fantasie freien Lauf lassen zu können, ist dem Endprodukt deutlich anzumerken. Besonders gefallen hat uns das Design eines chinesischen Casinos, das vor verschwenderisch üppigen Details nur so strotz: Den Höhepunkt in dieser Hinsicht bildet ein prächtiger goldener Drache, der im Zentrum des Lichthofes gar über mehrere Stockwerke reicht.

It's not Rambo - it's Rainbow!
Bei einer solchen, dank Unreal Engine 3 überwältigenden Grafikpracht macht es auch schon mal Spaß, eine Weile einfach nur einem Anderen beim Spielen zuzuschauen. Doch natürlich ersetzt das nicht das Erlebnis, selbst zum Controller zu greifen und zu "fühlen", wie es sich spielt. Dementsprechend gespannt sind wir, als wir endlich selbst Hand anlegen dürfen und werden im wahrsten Sinne des Wortes erstmal vor den Kopf gestoßen: Nur die peinlichen Sekunden eines kurzen Feuergefechts vergehen, bis unsere virtuelle Kamera gen Boden fällt, dort rot umrahmt liegen bleibt und unseren Tod so auf dieselbe Weise anzeigt wie die beängstigende Schlussszene des »Blair Witch Project«. Max Beland weiß genau, was wir falsch gemacht haben, und kommentiert mit einem schadenfrohen Grinsen: "Hey! That's not Rambo - it's Rainbow!"

Rainbow Six: Vegas - Jack Bauer würde Rainbow spielen: Das neue Echtzeit-Konzept ist Spannung pur!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 128/1331/133
Planung ist das halbe Leben. Sonst wird der Häuserkampf zum Krampf.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wie wahr! Wer bei »Rainbow Six: Vegas« mit dem Kopf durch die Wand will, hat schnell ein Brett vor selbigem - oder auch mittendurch. Exakte Planung und taktisches Vorgehen sind hier das A und O. Zu diesem Zweck sind die Jungs von Ubisoft Montreal offenbar vor Produktionsbeginn bei Kollege Sam Fisher zur Fortbildung gewesen: Seit neuestem verfügen die Rainbow-Mitglieder nämlich auch über eine Snake-Cam, die sich unter der Türritze durchschlängelt und so erstmal die Gegend auskundschaftet, bevor der eigentliche Sturmangriff erfolgt. Für Letzteren erweist sich auch ein weiteres neues Feature als äußerst nützlich: Einzelne Ziele lassen sich nun vorab aus sicherer Entfernung markieren und den einzelnen Teamkameraden zuordnen. Auf diese Weise wird die Effektivität eures Einsatzes immens erhöht - und sichergestellt, dass eure Kollegen nicht planlos in der Gegend herumballern.

Eine Sorge, die im übrigen unbegründet ist. Denn nach dem zu urteilen, was wir bereits zu sehen bekamen, macht die KI einen guten Eindruck. Eure Teamkameraden handeln selbständig und sinnvoll, und auch die Gegner sind nicht auf den Kopf gefallen: Sie agieren dynamisch in Gruppen und werden mit fortschreitendem Spielablauf immer gefährlicher. Zusätzlich verleiht die ausgeklügelte Physik-Engine dem realistischen Szenario den gewissen Wirklichkeitseffekt: Fast alle Objekte des Spiels lassen sich zerstören. Und dass es in einer Welt aus Neonröhren und Geldspielautomaten mächtig Spaß macht, der Zerstörungswut freien Lauf zu lassen, versteht sich von selbst. Wenn einem bei Feuergefechten nicht nur die Kugeln, sondern auch die Geldmünzen wie nach einem Jackpot um die Ohren fliegen, die Buntglasscheiben bersten und die Ming-Vase in tausend Stücke zerschellt, ist das an Atmosphäre kaum zu überbieten.

Rainbow Six: Vegas - Jack Bauer würde Rainbow spielen: Das neue Echtzeit-Konzept ist Spannung pur!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 128/1331/133
Jeden Dienstag: All-you-can-shoot-Buffet beim Chinesen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es sei denn durch die Soundeffekte: Während wir uns einen erbitterten Shootout mit den Terroristen inmitten eines kitschig eingerichteten Casinos liefern, dudeln rings um uns herum die Automaten gelangweilt ihre eintönigen Melodien vor sich hin und eine weichgespülte Fahrstuhlmusik kontrastiert in ihrer Belanglosigkeit treffend das brutale Geschehen, das sich in ihren Räumen ereignet.

Dass Gewalt jedoch nicht die einzige Lösung darstellt, dürfte erfahrenen Taktik-Shooter-Spielern bekannt sein. Auch in »Rainbow Six: Vegas« stehen euch als Alternative - respektive Ergänzung - zu den zahlreichen Schusswaffen auch wieder Rauch- und Blendgranaten zur Verfügung. Haltet ihr euch bei der Explosion selbiger zu sehr in ihrer Nähe auf oder seht direkt in das blendende Licht, sind eure Sinne für einige Sekunden wie vernebelt, was neben einer verzerrten Sicht auch durch einen hohen Piepton, gleich einem Tinitus-Pfeifen, simuliert wird.

Laut Max sei ursprünglich geplant gewesen, jenes Pfeifen sehr viel länger anhalten zu lassen und erst langsam wieder verschwinden zu lassen - regelmäßige Disco-Besucher werden diesen Effekt kennen. Allerdings hätten Kinder (speziell im Alter von zwölf bis 14 Jahren), die noch sehr viel besser als ältere Menschen hohe Frequenzen wahrnehmen können, empfindlich auf das unangenehme Geräusch reagiert. Daher habe man es nun auf ca. zwei Sekunden verkürzt. Mit einem Augenzwinkern fügt Max hinzu: "Zwölf bis 14 Jahre? Das Spiel ist in Amerika erst ab 17 freigegeben..." Ein Schelm, wer da einen besonders effektiven Jugendschutz denkt…

Willkommen im Team!
Beim Vorgänger handelt es sich um einen der meistgespielten Titel für Xbox Live. Solcher Erfolg verpflichtet - und in der Tat wird für den Multiplayer-Modus von »Rainbow Six: Vegas« nicht gekleckert, sondern geklotzt. Sechs verschiedene Spielmodi wird es geben mit insgesamt 10 Maps - darunter die üblichen Verdächtigen wie Deathmatch, Team Deatchmatch oder Capture the Flag. Vor allem der auf kooperatives Gameplay ausgelegte Attack & Defend-Modus dürfte aber dafür sorgen, dass sich »Vegas« von vergleichbaren Spielen abhebt. Hier müssen Geiseln befreit, Bomben entschärft oder andere Aufträge erfüllt werden, während das gegnerische Team genau das zu verhindern versucht.

Rainbow Six: Vegas - Jack Bauer würde Rainbow spielen: Das neue Echtzeit-Konzept ist Spannung pur!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 128/1331/133
Hilfe! Da sage noch einer, der Job als gamona-Redakteur sei nicht zum Haareausraufen!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Eine ganz besonders hübsche Idee: Per Xbox-Live-Cam lässt sich das reale Konterfei des Spielers digitalisieren und dem eigenen 3D-Charakter aufsetzen. Ein leidlich schmeichelhaftes Beweisfoto meiner vorübergehenden Tätigkeit beim Team Rainbow könnt ihr nebenan im Screenshot bewundern. Wer möchte, kann seine Visage zusätzlich mit verschiedenen Camouflage-Bemalungen versehen.