Autor: Nedzad Hurabasic

Mit »Rainbow Six: Vegas« erscheint nun bereits der fünfte Teil der Action-Reihe erstmals auch für die Xbox 360. Nachdem der Vorgänger »Lockdown« eher enttäuschte, sind viele Fans gespannt, wie sich der Taktik-Shooter in seiner neuesten Ausgabe schlägt.

Das Rainbow-Team, eine Spezialeinheit von Elite-Soldaten, wird diesmal nach Las Vegas, die Stadt der Sünden, abkommandiert. Dort soll ein Terror-Akt von ungeahnter Größenordnung verhindert werden, der das Leben von Millionen bedroht. gamona hat sich trotz dieser Gefahren für euch unter die Terroristen-Jäger gewagt.

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Keller, übernehmen Sie!
Ohne großes Vorgeplänkel geht es von Anfang an zur Sache. Ihr übernehmt als ein gewisser Logan Keller die Gruppenleitung des Alpha- und Bravo-Teams der Rainbow-Agenten. Falls ihr nicht gerade von euren Kameraden abgeschnitten seid, agieren immer zwei Squad-Mitglieder an eurer Seite und unterstützen euch bei euren Aufgaben. Dabei zeigt sich gleich zu Beginn, dass bei »Rainbow Six: Vegas« das Wort »Taktik« ganz groß geschrieben wird und nicht nur ein belangloser Zusatz von »Shooter« ist. Wer diese Art Spiele nicht leiden kann und auf Rambo-Games steht, sollte darum an dieser Stelle aufhören zu lesen. Wer sich aber gerne auf intelligent produzierte Actionkost mit satter strategischer Komponente einlässt, muss unbedingt am Ball bleiben.

Rainbow Six: Vegas - Die Stadt der Sünden in der Gewalt von Terroristen: Team Rainbow, übernehmen Sie!

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Als Teamführer könnt ihr eure Kameraden als Vorauskommando in den Einsatz schicken.
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Euer Einsatz beginnt aber nicht, wie es der Titel nahe legt, im US-Bundesstaat Nevada, sondern in Mexiko. Diese erste Mission dient gleichzeitig als Tutorial, bei dem ihr alle wichtigen Funktionen des Spiels Schritt für Schritt erlernt. Einer der wichtigsten Aspekte: Deckung suchen! Nur wer sich die Umgebung des Spiels zunutze macht, wird lange genug überleben. Wer sich dem Beschuss der KI-Feinde ohne Deckung aussetzt, wird schneller über den Haufen geballert, als ihm lieb ist.

Während ihr die Spielfigur standardmäßig in der Ego-Ansicht steuert, wechselt die Kamera in Deckungshaltung zu einer Beobachterperspektive. So verschanzt, visiert ihr dann die Terroristen an und nehmt sie gezielt unter Beschuss. Das Spielgefühl ähnelt dabei einem gerade erst indizierten Xbox 360-Shooter, denn auch hier dürft ihr die bösartigen Widersacher per blindem Beschuss in Schach halten, bis ihr die Lage unter Kontrolle habt. Das funktioniert im Allgemeinen sehr gut, nur vereinzelt erweist sich das Handling beim »um die Ecke gucken« als ein wenig störrisch.

Packshot zu Rainbow Six: VegasRainbow Six: VegasErschienen für PC, Xbox 360, PS3 und PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Mission: am Leben bleiben!
Doch im Vergleich zu besagtem Actionspiel, bei dem die Deckung per kontextsensitivem Menü aktiviert wird, habt ihr bei »Vegas« deutlich mehr taktischen Spielraum und auch ein vielschichtigeres Gameplay, das bei Solo-Aufgaben mit der schallgedämpften Pistole teilweise an Sam Fishers »Splinter Cell«-Einsätze erinnert.

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In den staubigen Straßen eines mexikanischen Grenzkaffs beginnt euer Abenteuer.
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Das taktische Interface des Spiels kommt aber vor allem dann zur vollen Geltung, wenn weitere Elite-Soldaten an unserer Seite kämpfen: Hier habt ihr verschiedenste Möglichkeiten, die Teammitglieder anhand von »Bewegen nach«-Befehlen zu kommandieren. Zuerst wird mit dem Fadenkreuz das Ziel markiert, dann veranlasst ein kurzes Antippen der A-Taste die Kameraden, flink hinter einer Deckung Stellung zu beziehen, sich vor einer Tür zu positionieren, Sprengsätze anzubringen oder zu entschärfen, Leitern zu benutzen, sich abzuseilen, Räume durch Fenster hindurch zu stürmen und so weiter. Und das Beste ist: Es funktioniert aufgrund der sehr guten KI hervorragend.

Die Soldaten stehen euch außerdem bei eigenen Bewegungen fast nie im Weg. Wenn ihr euch etwa selbst an der Ecke einer schützenden Betonwand positionieren wollt, machen sie von selbst Platz. Dabei sichern sie das Gelände nach möglichst allen Seiten und laufen nicht blindlings ins feindliche Feuer. Oft genug haben sie mir bei den diversen Einsätzen den virtuellen Arsch gerettet, weil sie Feinde unter Beschuss nahmen, die mir entgangen sind. Dennoch agieren sie niemals überstürzt. Stattdessen warten sie stets auf die entsprechende Order.

Das Verhalten eurer Mitstreiter bestimmt ihr, indem ihr die Einsatzregeln festlegt: Während sie bei »Sturm« auf alles (Feindliche) schießen, das sich bewegt, gehen sie in der »Infiltration«-Einstellung deutlich weniger aggressiv vor und machen so unentdecktes Voranschreiten möglich.

Taktische Spieltiefe
Doch damit lange nicht genug der Möglichkeiten. Rückt ihr beispielsweise mit euren Gefährten auf eine verschlossene Tür vor, so inspiziert ihr zunächst mit der Spy-Cam die Lage in dem dahinter liegenden Raum. Erst dann trefft ihr die Entscheidung, wie das Team vorgehen soll und weist den KI-Kameraden spezielle Ziele zu. Ihr selbst könnt euch dann um die verbleibenden Gefahrenherde kümmern.

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Las Vegas: ein El Dorado für Spieler und Vergnügungssüchtige.
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Habt ihr den Befehl zum Losschlagen gegeben, stürmt das Team wahlweise unter Einsatz von Blend- und Rauchgranaten den Raum und sorgt so für zusätzliche Verwirrung oder ihr ordnet die Verwendung von schallgedämpften Waffen an. Die taktischen Möglichkeiten sind vielfältig, weswegen es eine Weile dauert, bis man damit warm wird. Aber keine Angst: Die komplexe Steuerung ist den Entwicklern sehr gut gelungen, und schon nach recht kurzer Zeit geht (fast) alles intuitiv von der Hand.

Im Verbund mit der guten KI entsteht auf diese Weise eine sehr dichte und spannungsgeladene Atmosphäre, die ein intensives Actionerlebnis bietet. Die KI-Feinde lauern nur darauf, dass ihr eure Birne ein paar Sekunden zu lange aus der sicheren Deckung haltet. Zudem sind sie ziemlich gute Schützen. Viele Treffer verträgt Mr. Logan nicht, was im Verbund mit dem recht hohen Schwierigkeitsgrad schon auf »Normal« nicht ganz ohne Folgen für das Spielgeschehen ist.

Die recht langen Missionen sind in Abschnitte unterteilt, bei denen in unregelmäßigen Abschnitten automatisch der aktuelle Spielstand gesichert wird. Eigene Save-Games können nicht angelegt werden. So kann es vorkommen, dass ihr nach 15 harten Spiel-Minuten plötzlich durch eine Unachtsamkeit abgeschossen werdet - und schon geht's wieder von vorne los. Allerdings macht genau das auch den Reiz des Spiels aus, weil ihr euch langsam vorantasten müsst, von einer Deckung zur nächsten hastet, euer Team taktisch geschickt positioniert und erst dann weiter geht. Das ist einfach verdammt spannend und macht Spaß ohne Ende.

08/15-Story und alternative Lösungsmöglichkeiten
»Rainbow Six: Vegas« ist zwar vom grundlegenden Aufbau der Story und dem Spielablauf linear angelegt, oftmals bieten sich euch aber alternative Lösungsmöglichkeiten. So bleibt es euch überlassen, von welcher Seite ihr ein Gebäude infiltriert, ob ihr lieber das obere Stockwerk zuerst ausräuchert, ob ihr eure Teammitglieder vorschickt oder selbst voranschreitet etc. Das gibt euch zumindest das Gefühl, über jede Menge Entscheidungsfreiheit zu verfügen, auch wenn sie in Wirklichkeit nicht ganz so groß ist. Bei der Orientierung hilft euch übrigens eine taktische Map, auf der das Szenario in 2D abgebildet ist. Teilweise sind auch die Widersacher darauf auszumachen, sodass ihr in solchen Fällen ihre Stellung von den Flanken her attackieren oder sie ganz umgehen könnt.

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Oft genug bietet das Spiel verschiedene Möglichkeiten, einen Raum zu stürmen.
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Interessant in diesem Zusammenhang: Terroristen, die sich in verschlossenen Räumen aufhalten, reagieren in der Regel nicht auf die Gefechte, die sich in anderen Zimmern abspielen. Klar, das ist eine Design-Entscheidung, die euch das Voranschreiten erleichtern soll, so ganz passt sie aber nicht in das realistische Vorgehen der Elite-Soldaten. Doch dieser Umstand kann genau so wenig am spannenden Spielgeschehen rütteln, wie die etwas schwächelnde 08/15-Terroristen-Story, die man so oder so ähnlich schon diverse Male erzählt bekommen hat.

Exzellente Präsentation und spannender Multiplayer
Wenig zu kritisieren gibt es auch an der Gesamtpräsentation des Spiels. Die Grafik macht einen sehr guten Eindruck und setzt vor allem das glitzernde Las Vegas mit all seinen bunten Reklametafeln, Glücksspielautomaten und anderen Luxusgütern hervorragend in Szene. Erwähnenswert sind außerdem die tollen Animationen, das Design der Spielfiguren und die gelungenen Texturen, die nur selten Schwächen zeigen. Auf akustischer Seite sind die Sounds der diversen Waffen bestens gelungen und rattern satt und authentisch durch die Boxen, wie auch der Soundtrack größtenteils der Atmosphäre des Spiels bestens angepasst ist.

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Der Helikopter ist das bevorzugte Transportmittel der Rainbow-Spezialeinheit.
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Natürlich bietet »Rainbow Six: Vegas« auch Multiplayer-Fans eine geraume Anzahl an Modi, darunter einen Koop-Modus, bei dem ihr mit bis zu drei Freunden gleichzeitig auf Terroristenjagd gehen könnt - online oder offline (per Splitscreen). Bei den sechs reinrassigen Mehrspieler-Modi können bis zu 16 Spieler gleichzeitig antreten und das gleiche packende Gameplay genießen, das auch schon der Singleplayer-Modus bietet - nur dass ihr hier gegen echte Kontrahenten antreten dürft. Interessant ist dabei die Möglichkeit, mithilfe der Xbox 360-Kamera das eigene Ebenbild in das Spiel zu übertragen und anschließend eine Spielfigur zu steuern, die mit dem eigenen Gesicht herumläuft.