Retro und kein Ende: Nach diversen Spielesammlungen der 80er Jahre hat es ein weiterer Klassiker jener sagenumwobenen Zeit in gelifteter und technisch überarbeiteter Form auf die PSP geschafft.

Mit »Rainbow Islands Evolution« ist eines jener Jump 'n' Runs erschienen, das manchen von uns schon vor knapp 20 Jahren schlaflose Nächte und versaute Schulklausuren gebracht hat. Bleibt eigentlich nur eine Frage: Wie schlägt sich der Klassiker auf Sonys Handschmeichler? Ein Test brachte Klarheit und manche - leider - schmerzliche Erkenntnis.

Somewhere over the Rainbow
Die Menschheit leidet. Die bösen Bosse einer millionenschweren Plattenfirma haben die gesamte Musikindustrie an sich gerissen und überziehen die Welt mit billiger, blöd machender Popmusik. Die Umpfmucke verstopft nicht nur Ohren und Gehirne der armen Bevölkerung, sondern wirkt sich auch zunehmend schlecht auf Flora und Fauna aus.

Rainbow Islands Evolution - Der Klassiker ist zurück - und wäre lieber fort geblieben...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 52/571/57
Das Land hinter und vor dem Regenbogen...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Grund genug also für zwei unerschrockene Helden, sich der Sache anzunehmen und dem Treiben der Unholde ein Ende zu machen. Bubby und Bobby, die tapferen Kämpfer für Recht und gute Musik, blasen mit ihren Herdy Gerdys, einer Art militanter Drehleier, den Dudelterroristen so richtig den Marsch und erlösen damit die Erde vom Würgegriff des schlechten Pops.

Was hier klingt wie die Einleitung zu einem Portrait über die Machenschaften des Dieter Bohlen und seiner DSDS-Crew, ist in Wahrheit die durchaus originelle Hintergrundgeschichte zu »Rainbow Islands Evolution«. In dem klassischen Jump 'n' Run übernimmt der Spieler die Rolle eines der beiden Kämpfer für das Gute und besiegt nach und nach die sieben Bosse des Konzerns.

Packshot zu Rainbow Islands EvolutionRainbow Islands EvolutionErschienen für PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Schauplatz des Freiheitskampfes sind die namensgebenden Rainbow Islands, sieben kleine Inseln, die jeweils einen der Konzernchefs beherbergen. Wird er besiegt, gelangt man auf den nächsten Level. Jede der Inseln besteht aus zahlreichen Plattformen, die sich über eine Höhe von mehreren hundert Metern erstrecken. Um zwischen ihnen zu wechseln, springt man mit der X-Taste hin und her. Größere Abstände überwindet man durch kleine Regenbögen, die man mit der Quadrat-Taste aus dem Herdy Gerdy abschießt und als Brücken nutzt.

Rainbow Islands Evolution - Der Klassiker ist zurück - und wäre lieber fort geblieben...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 52/571/57
Die Regenbögen sind nicht nur als Waffe, sondern auch als Leiter einsetzbar.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Außerdem dienen die Teile als universell einsetzbare Waffe, denn Gegner, die von Regenbögen getroffen werden, segnen sang- und klanglos das Zeitliche. Das ist insofern wichtig, als dass auf den Not leidenden Inseln neben den Bossen noch allerlei weitere zwielichtige Gestalten ihr Unwesen treiben, die im Falle einer Berührung gesundheitlichen Schaden nach sich ziehen. Auch herab fallende Kokosnüsse und anderes Ungemach erschweren das Überleben des Helden ungemein und schubsen ihn des öfteren von Plattformen.

Buntes Treiben
Neben dem Abschießen von Regenbögen hat man deshalb noch andere Möglichkeiten sich zur Wehr zu setzen. Verfügt man beispielsweise über eine Regenbogenkugel, kann man über die Kreis-Taste eine Art Seifenblase ablassen, die sich nach oben bewegt und alle Gegner erledigt, auf die sie trifft. Leider sind die Dinger nicht gerade im Überfluss vorhanden, deshalb sollte man sie sorgfältig einsetzen.

Mit der Dreiecks-Taste löst man ein Dreieck aus, das auf einen zweiten Druck hin diagonal in alle Richtungen fliegt und ebenfalls kurzfristig für Ruhe sorgt. Nimmt das Feindaufkommen Überhand, so kann man mit Hilfe der Herdy Gerdy durch Drehen des Analogsticks ein Resonator genanntes Gerät herbeirufen. Mit dessen Hilfe lassen sich unterschiedliche Regenbogenräder erzeugen, die sich explosionsgleich über den Bildschirm ausbreiten und dabei alles plattmachen, was ihren Weg kreuzt.

Rainbow Islands Evolution - Der Klassiker ist zurück - und wäre lieber fort geblieben...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 52/571/57
Alles so schön bunt hier...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Steht der Resonator neben der eigenen Spielfigur, muss man heftig den Analogstick drehen, um das Teil aufzuladen. Hat man das Maximum erreicht, lässt man das Pad los und das Rad wird ausgelöst. Leider führt der Resonator ein recht zickiges Eigenleben und ist deshalb oft nicht verfügbar, wenn man ihn braucht, sondern erscheint erst nach einer gewissen Zeit des Herbeirufens.

Außerdem können von Zeit zu Zeit auf dem Weg nach oben Goodies und besondere Schlaginstrumente eingesammelt werden, die im Kampf gegen die Obermotze besonders wichtig sind. Außerdem gilt es, auf jeder Insel versteckte Spezialgegenstände aufzuspüren, die zu einem Levelanstieg der Spielfigur führen.

Um sie zu finden, muss man beispielsweise in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Anzahl von Viechern plattmachen. Denn die Items tauchen erst auf, wenn man die zu seinem Erscheinen notwendigen Aktionen durchgeführt hat. Angesichts des massiven Gegneraufkommens lohnt es sich, nach den wertvollen Levelitems Ausschau zu halten, da sonst ziemlich schnell Frust aufkommt.

Farbenblind
Das Thema Frust wird bei »Rainbow Islands Evolution« leider recht groß geschrieben. Bedingt durch den geringen Bewegungsspielraum, der insbesondere auf den zum Teil winzigen Plattformen herrscht, kann man oft herab fallenden Gegenständen oder herannahenden Gegnern nicht mehr rechtzeitig ausweichen oder sie mit einem Regenbogen traktieren, so dass die eigene Spielfigur unnötig viel Schaden nimmt.

Rainbow Islands Evolution - Der Klassiker ist zurück - und wäre lieber fort geblieben...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 52/571/57
Schiff ahoi!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das wird noch dadurch verschlimmert, dass man sich oft oberhalb der Bildschirmmitte befindet, so dass man Geschosse von oben schlicht nicht mehr rechtzeitig sieht. Befindet man sich auf einer Mini-Plattform am Bildschirmrand, kann man sich bei Gefahr entweder nur durch einen beherzten Sprung auf tiefer gelegene Bereiche retten oder innerhalb von Sekundenbruchteilen durch Betätigen der Sprung-Taste dem Angreifer ausweichen. Auch das wahllose Um-sich-Schießen mit Regenbögen führt nicht zum Erfolg, da die Anzahl der Schüsse limitiert ist und man erst neue Regenbögen erzeugen kann, wenn sich die alten aufgelöst haben.

Baubedingt liegen die Bedienknöpfe der PSP recht dicht beieinander, was besonders bei hektischen Sprung- und Schießeinlagen immer wieder zu Fehlbedienungen führt. Anstatt alle unterschiedlichen Waffentypen auf drei der vier Buttons zu legen, wäre es sinnvoller gewesen, die beiden Schultertasten mit unterschiedlichen Schussmodi zu belegen. Stattdessen klickt man sich mit ihnen nur durch die - ohnehin erst im späteren Verlauf verfügbaren - verschiedenen Regenbogenräder. Auf längere Sicht mangelt es zudem an wirklicher Abwechslung. Das stetige Wechselspiel von Springen, Ausweichen und Regenbögen abfeuern ermüdet auf Dauer.

Immerhin ist die Idee mit dem Kurbeln des Joypads, um den Resonator zu rufen und danach aufzuladen, gelungen und macht halbwegs Laune - wenn man denn die Zeit hat, eine Resonatorladung wirklich abzufeuern. Denn infolge des oft hohen Gegneraufkommens bekommt man das Gerät nicht schnell genug auf Betriebstemperatur. Außerdem wird der Ladevorgang unterbrochen, wenn Freund Resonator wieder abhaut oder selbst von einem Gegner getroffen wird. Und das passiert leider ziemlich schnell - da wird die PSP unfreiwillig zum Wurfgeschoss, wenn man seine Aggressionen nicht im Griff hat.

Rainbow Islands Evolution - Der Klassiker ist zurück - und wäre lieber fort geblieben...

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 52/571/57
Schiff ahoi!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch der Multiplayer-Part ist etwas dünn geraten. Lediglich zwei kletterfreudige Weltenretter treten im Ad-Hoc-Modus gegeneinander an, wobei man nicht mehr Musiklümmel jagt, sondern sich nur ein Wettrennen liefert. Zwar darf man sich dabei gegenseitig fleißig behindern, was jedoch mangels einer größeren Teilnehmerzahl nur bedingt witzig ist. Das ist schade, denn ein Koop-Modus zu zweit hätte für viel Abwechslung sorgen können.

Sound und Grafik gehen in Ordnung, besonders Veteranen werden sich wohl angesichts der durchaus gelungenen optischen Präsentation des Amiga-Klassikers ein Lächeln nicht verkneifen können. Doch leider rettet dieser Umstand das Spiel nicht. Was bleibt, ist ein recht farbloses Jump 'n' Run mit quietschbunten Farben, das zwar eine Weile lang nette Unterhaltung bieten und den Nostalgiebonus für sich verbuchen kann, sonst aber nicht über das Mittelmaß hinauskommt.