Nach einer kleinen Ewigkeit verlässt der namenlose, vernarbte Mann den Kälteschlaf, tritt hinaus in die karge Landschaft - einer Wüste gleich - und wird vom Licht geblendet. Der heiße Sand ist fast spürbar, der Mund wird trocken und die Hände kribbeln. Was ist das für ein Gefühl? Was ist das für ein Moment? Das ist Rage. Und wer es zulässt, wird von diesen Empfindungen fortgespült.

Das Tutorial, die Einführung oder wie immer ihr es nennen wollt, alles beginnt stark geskriptet. Ab diesem Moment will Rage zum einen zeigen, was es kann, und euch zum anderen möglichst behutsam helfen, euch in der unwirklichen Welt zurechtzufinden: Banditen greifen unseren fast noch schlaftrunkenen Helden an, ein gutmütiger Fremder hilft uns mit einer kleinen Schießeinlage aus der Patsche und bittet uns im Gegenzug um einen Gefallen.

Bis hierhin nichts Besonderes. Außer natürlich aus rein optischer Sicht. Denn auch nach langer Zeit der Entwicklung sieht id Softwares Baby wirklich und wahrhaftig schön aus. Die Landschaft ist ein Traum, die Weitsicht beeindruckend und die Charaktergestaltung... Zweifelsohne eine der besten, die man bisher in einem Sci-Fi-Shooter zu sehen bekam. Ob es Besseres gibt? Aber natürlich. Ich habe sogar schon viel schönere Grafik gesehen als diese. Aber ich bin überzeugt, auch schon mal ein pinkfarbenes Ufo im Spreekanal entdeckt zu haben...

Rage - Aaaaaaah! Wie geil ist das denn!?

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Willkommen in der Zukunft!
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Und außerdem ist Grafik nicht alles. Auch wenn die Detailliebe bei Gebäuden und Personen als penibel zu bezeichnen ist und die Lichteffekte äußerst stimmungsvoll in Szene gesetzt wurden, muss doch letztendlich nur eines richtig stimmen: Spielverlauf und -aufbau. Und genau da treffen zwei Welten aufeinander, wirkt Rage doch wie das uneheliche Kind von Borderlands und Fallout 3. Ein bisschen vom Spielprinzip beider Titel, unterlegt mit der Optik aus Gearbox’ Ego-Shooter-Hit, nur viel schöner.

Die Spielsteuerung klappt wunderbar. Alle Tasten sind ganz genau da, wo sie zu sein haben; sei es auf der Konsole oder am heimischen PC. Und so stürze ich mich mit meinem Helden in den ersten Auftrag und befreie ein paar wirklich sympathische Leute von den heimischen Banditen, auch 'Ghosts' genannt.

Packshot zu RageRageErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Deren Basislager befindet sich in einem alten Hotel, das auch Tatsache wie ein Gebäude mitten im Nirgendwo wirkt. Ähnlich wie in Fallout wurde sehr darauf geachtet, dass man immer das Gefühl hat, sich in dem Gebäude zu befinden, in dem man angeblich sein soll.

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Kein leichtes Spiel mit den Ghosts.
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Wer jedoch denkt, sich nun fröhlich durch einige Feinde metzeln zu können, liegt falsch. Der Gegner hat nämlich gar keine Lust, heute zu sterben, und versucht alles, um den Eindringling abzuwehren. Schöne Sache: Bevor ich mich nicht durch laute Geräusche verrate oder aus meiner Deckung springe, wissen die Gauner auch nicht, wo ich mich befinde. Das lässt Spielraum für Überraschungsangriffe, Sturm-und-Einbruch-Aktionen oder Hinterhalte.

Dem entgegen stehen verschiedene Gegnertypen, die auf völlig unterschiedliche Art vorgehen. So gibt es eine Banditengruppe, die nicht sonderlich geschickt im taktischen Denken ist, dafür aber durch Waffenpower beeindrucken kann. Oder die Regierungstruppen: perfekt ausgebildete Soldaten, von Kopf bis Fuß gepanzert und mit den besten Waffen des Planeten ausgerüstet. Und um den Braten noch fetter zu machen, kommunizieren die Schweine miteinander, um mich in die Ecke zu treiben, einzukesseln oder zu verwirren.

Fazit nach dem Anspielen: Das war fett!Ausblick lesen

Meine ersten Gegner sind nicht ganz so krank drauf, aber auf ihre Weise schon ganz schön cool. Zwar sind die meisten 'nur' mit einer Art Machete bewaffnet, doch müssen sie in ihrem ersten Leben Parkourläufer gewesen sein. Die Mistkerle springen von einer Ecke in die andere, weichen meinen Angriffen geschickt aus, fallen von der Decke oder stürmen im letzten Moment auf mich los. Wer ihnen jetzt einen Kopfschuss verpasst, kann sich daran erfreuen, dass der tote Gegner so viel Schwung hatte, dass er noch ein paar Schritte weitertorkelt und neben uns zusammenbricht - faszinierend!

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Viele Gegnertypen sorgen für Abwechslung.
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Noch cooler wird’s, wenn dem bösen Buben - in der rechten Hand ein Baseballschläger - plötzlich klar wird, dass ich ihn töten werde, er laut „Scheiße, er wird uns alle umbringen“ brüllt, zurückschlittert und in Deckung springt. Dann realisiert er, dass er aus diesem Schlamassel nicht mehr herauskommt.... Also entzündet er seine Waffe an einer brennenden Pennertonne und gibt sich ein letztes Mal einen Ruck zum Angriff. Holy Shit. Das hat Stil...

Schön ist, dass jede Art von Gegner über mehrere hundert Animationen verfügt, die sie individuell einsetzen, um sich der momentanen Situation anzupassen. Mal ist es klüger, in Deckung zu springen, mal hat es mehr Sinn, einen Angriff zu starten. Weniger schön: Ich kann die Waffen, die sie fallen lassen, nicht aufheben, geschweige denn benutzen. Schade, wäre ein Buschmesser jetzt doch genau das Richtige.

Rage - Behind-the-Scenes-Trailer: The Enemies17 weitere Videos

Noch weniger schön ist, dass es pro Gegnertyp (Ghost, Mutant, Soldat) nur wenige verschiedene Charakterdesigns gibt und auch die Schadensmodelle sehr einfallslos sind. Das reißt Rage zwar durch viele verschiedene Kleidungsstücke wieder raus, bleibt aber dennoch als bitterer Nachgeschmack am Gaumen kleben.

Einmal unvergesslicher Shooter zum Mitnehmen, bitte!

Die Kämpfe laufen immer so ab, wie man es selbst wünscht. Wer den Rambo mimt und wie ein Irrer auf die Gegner zustürmt, darf mit rasanter Action und Ballereinlagen rechnen – und wahrscheinlich einem frühen Tod. Wer lieber vorsichtig vorgeht und mit Granaten und Messern arbeitet, kann davon ausgehen, dass die Banditen sich dem anpassen werden. Wenn sie können, werden sie sogar ihre Strategie miteinander absprechen. Und sollte alles ganz aus dem Ruder gelaufen und ihr dem Tode nah sein, keine Angst: Als letzter Ausweg bleibt euch der in eurem Anzug eingebaute Defibrillator. Im richtigen Moment aktiviert, holt er euch nicht nur ins Leben zurück, sondern schmort auch noch eure Feinde. Witzig...

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Das Spiel kotzt sich förmlich mit Shops, Quests und aufrüstbaren Gegenständen aus.
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Zwar gibt es kein Deckungssystem, und der Schnellzugriff für Waffen und andere Objekte ist etwas gewöhnungsbedürftig, doch sei eines versprochen: benachteiligt ist man dadurch in keinster Weise. Verstecken, schleichen, stürmen, ballern, werfen... Was ihr wollt, tut es einfach. Versucht nur nicht, in den Gängen oder mitten in der Wüste stehen zu bleiben, weil euch die Umgebung so fasziniert.

Klar, hier und da findet man immer ein paar Pixel und möglicherweise hat sich sogar etwas Texturenmatsch eingeschlichen, doch das Gesamtbild ist unvergleichlich: Authentizität auf höchster Ebene, alles wirkt fast wie zum Anfassen, Räume und Gebiete sind voller Seele und Liebe gestaltet. Gegenstände kann man nur die wenigsten aufnehmen (im Gegensatz zu Fallout, wo man mit einem Rücksack voller Müll durch die Ödlande streifen konnte), doch sind es immer noch genug.

Bierflaschen, Zahnräder, Werkzeug und jede Menge anderer Schrott sowie allerlei nützliches Zeug: Entweder verkauft man es in einem der vielen kleinen Krämerläden, oder man baut sich daraus Werkzeuge und Arbeitsmaterialien. Manche dieser Gegenstände braucht man, um in der Haupt-Quest weiterzukommen, andere sind optional und es ist jedem selbst überlassen, ob er sich die Mühe macht, den Kram herzustellen oder nicht.

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"Ich fahr noch mal zurück - ich glaub, da gab es noch eine verschlossene Tür..."
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Doch Vorsicht: Der Drang „Ich fahre jetzt den ganzen verdammten Weg durch die Wüste zurück, um mit meinem neuen Schlossknacker geheime Räume im ersten Levelabschnitt zu entdecken“ sollte niemals unterschätzt werden. Das hat mich wichtige Zeit beim Spielen gekostet, war es aber auch irgendwie wert - ich bin doch so neugierig... Immerhin ein Kristall als Belohnung, von dem ich selbst noch nicht so genau weiß, wofür er eigentlich gut ist.

Weiterer dicker Pluspunkt: Die Waffen in Rage sehen nicht nur sehr authentisch aus, sie sind auch in Hülle und Fülle vertreten. Von Pistolen über notdürftig geflickte Gewehre, von Granaten zu Bumerang-ähnlichen Wurfmessern (die ich im besten Fall nach dem Werfen wieder fangen kann und im schlimmsten Fall an einer Wand zerschellen) bis hin zum ultramodernen Armeespielzeug ist alles vorhanden. Zusätzlich könnt ihr all das aufrüsten, verbessern und vergrößern. Mehr Munition, mehr Durchschlagskraft, mehr alles! *Tim Tayler grunzt*

Und da wir alle gerne immer neues und besseres Spielzeug benutzen, gibt es zusätzlich noch Buggys und Quads, die es dem Protagonisten ermöglichen, durch die Einöde zu brettern, zum nächsten Zielpunkt zu gelangen oder einfach nur Herausforderungen zu bewältigen, um dafür Geld und Materialien abzugreifen. Natürlich gibt es jedes Fahrzeug in den verschiedensten Ausführungen, die sich gleichermaßen aufrüsten und verbessern lassen. Das wirkt, als hätte der Titel neben Fallout und Borderlands als Eltern auch noch einen verrückten Onkel – und das ist ganz klar Mad Max.

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Hallo, meine Schöne! Wie wäre es mit einer Spritztour durch das Ödland?
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Neben jeder Menge Möglichkeiten, NPCs, Quests, Waffen und Gegnern gibt es auch Endbosse, größere 'Dungeons' und viiiiiiel zu entdecken. Und sei es 'nur' die Tatsache, dass sich die verdammten Pflanzen tatsächlich mitbewegen, wenn ich durch das (selten anzutreffende) Gras laufe. Man, sieht das schön aus.

Diesem neuen Balg muss man aber auch noch ein, zwei Unsinnigkeiten austreiben: kleinere Clipping-Fehler, Gegner, die noch nicht richtig wissen, wie sie auf Granaten reagieren sollen, ein stummer und recht charakterloser Protagonist und einige Logikfehler. Aber wen interessieren schon solche Kleinigkeiten, wenn einen die Gesichtsanimationen umhauen und der Sound sowie die Musik der Grafik in nichts nachstehen?