Wo id Software draufsteht, ist bestimmt ein geiler Shooter drin - denkt man. Alle bisherigen Eindrücke ihres neuen Projekts Rage bestätigten dieses Pauschalurteil auch: Tolle Optik, offene Spielwelt, viele Knarren - was soll da noch schiefgehen?

Bis dato durften wir aber noch nicht selbst spielen und auch über den Mehrspielermodus war nichts bekannt. Doch das hat sich jetzt geändert. In den Bergen Utahs legten wir erstmals Hand an das Vorzeigespiel der Doom-, Quake-, und Wolfenstein-Erfinder. Hat es gezündet? Kurze Antwort: schwierig zu sagen. Lange Antwort: Da müsst ihr schon den ganzen Text lesen...

Auto Assault, ich meine, Combat Rally...

Anlässlich der ausführlichen Demo (auf einer Xbox 360) hat id erstmals den Mehrspielermodus vorgestellt und ließ dabei die große Bombe platzen: Rage wird keine klassischen, kompetitiven Modi enthalten. Also kein TDM, kein CTF oder Ähnliches.

Rage - Ernüchterung: "Nur" sehr gut?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 58/621/62
Verhalten sich nicht immer clever: die KI-Feinde.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Stattdessen rücken die Texaner zwei unerwartete Spielelemente in den Mittelpunkt des Interesses: den Combat-Rally-Modus sowie kooperative Ballerei, die jedoch außerhalb der Kampagne in einzelnen Missionen stattfindet. Aber eins nach dem anderen.

Beim Combat-Rally-Modus dreht sich alles um wilde Fahrerei und jede Menge bleihaltiger Action, wobei zwischendurch Wegpunkte eingenommen werden, die zusätzliche Bonuspunkte bescheren. Vergleichbar ist das Ganze initial in etwa (nicht lachen!) mit Auto Assault, möglicherweise erinnert sich der eine oder andere an dieses gescheiterte Action-MMO. Im Gespräch mit gamona findet sogar Design Director Matt Hooper diesen Vergleich "nicht abwegig".

Rage - Ernüchterung: "Nur" sehr gut?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 58/621/62
Action-Geballer auf vier Rädern steht im Mittelpunkt des Mehrspielermodus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bis zu sechs Spieler beteiligen sich an der Punktejagd mit Ketten-Multiplikatoren sowie rasanten Feuergefechten, die möglichst intuitiv sein und daher vergleichsweise simpel bleiben sollen. Schließlich will man niemanden überfordern, wenn gleichzeitig gefahren, geballert und gesprungen wird. Aber Tim Willits, Creative Director und früherer Mitinhaber von id Software, sagt auch: "Verschiedene Aufgaben und Ziele zu haben, macht mehr Spaß."

Alle Wagen werden mit diversen Upgrades ausrüstbar sein, Schilde, Minen oder auch stärkere Waffensysteme sollen für solche Zwecke verfügbar sein und in den aktuell geplanten fünf unterschiedlichen Modi zum Einsatz kommen. Wohl damit die geringe Zahl an Mitspielern nicht auf den Maps verloren geht, erscheinen die Gebiete bisher sehr übersichtlich und klein. Mal sehen, ob sich daran noch etwas ändert.

Legends of the Wasteland

Kommen wir zum Koop-Part, der trägt den Titel "Legends of the Wasteland" und setzt sich aus bisher acht geplanten Zusatzmissionen für zwei Spieler zusammen. Inhaltlich geht es in diesen unterschiedlich langen Aufträgen ("je nach Spielart zwei bis 30 Minuten" - Hooper) um fiktive Hintergrundgeschichten, die die Haupthandlung erweitern sollen. Diesen Weg habe man eingeschlagen, um die Spielerfahrung der Singleplayerkampagne "nicht zu ruinieren" so Willits.

Rage - Ernüchterung: "Nur" sehr gut?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 58/621/62
Diese finsteren Mutanten wollen uns in lustigen Arena-Kämpfen ans Leder - das macht Bock auf mehr!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zumindest in der einen gezeigten Mission müssen die beiden Spieler versuchen, in der vorgegebenen Zeitspanne mehrere Bomben zu deaktivieren und außerdem alle Banditen auszuschalten. Um die Aufgabe gegen die Überzahl feindlicher Kämpfer zu erleichtern, sieht man seinen Kumpel nicht nur durch Wände hindurch. Es ist darüber hinaus möglich, den Kameraden wiederzubeleben. Gehen beide Spieler drauf, beginnen sie am zuletzt erreichten Checkpoint.

Hin und Her gerissen: Endlich selbst gespielt, aber ein wenig ernüchtert. Trotzdem bleibt die Vorfreude groß!Ausblick lesen

Spielbar ist das Ganze auch via Splitscreen an einer Maschine, jedoch ohne Dropin/Dropout-Feature. Zudem gab man bekannt, dass die PC-Version Steam-gebunden sein wird und ohne Dedicated Server auskommen muss.

Subway Town

Darüber hinaus gab es noch - bevor wir selbst zocken durften - weitere Einblicke in den Einzelspielermodus. Hier wurde mit dem Bereich "Subway Town" ein bis dato unbekanntes Areal vorgestellt. Mit seiner eher dunklen, mechanisierten und industriell wirkenden Umgebung steht die unterirdische Siedlung "Redstone" dabei im Kontrast zu den bisher gezeigten überirdischen, offenen Gebieten von Rage.

Rage - Ernüchterung: "Nur" sehr gut?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 58/621/62
Die Wegfindung ist manchmal trotz hoher Linearität gar nicht so einfach.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Aber auch hier haben viele Menschen Unterschlupf gefunden. Verstecken sich Charaktere wie Portman, Elizabeth oder Captain Marshall vor dem Zugriff der "Authority"-Truppen, tauschen Waren, verkaufen Upgrades für die Vehikel der Abenteurer und kämpfen schlicht ums nackte Überleben.

Bevor wir auf uns wirken lassen, wie Letzterer mit Waffengewalt aus dem Knast gepaukt wird, sehen wir, wie der Protagonist das Vertrauen der Einwohner gewinnen muss, Dialoge führt und nebenbei auch noch ein Guitar-Hero-ähnliches Minigame absolviert (und sich bei seiner Niederlage das höhnische Gelächter der Umstehenden anhören muss...).

Neben der sehr guten Optik überzeugt nach wie vor die große Variabilität des Waffenarsenals am meisten. Beinahe im Sekundentakt wird ein neues Schießeisen ausgepackt, via D-Pad eine fahrbare Bombe bzw. automatische Minigun aktiviert, die verschiedenste taktische Optionen offen halten.

Das Missionsdesign wirkt - Stand jetzt - aber doch ziemlich oldschool (um nicht altbacken zu schreiben...) und sehr geradlinig. Mal sehen, ob sich das wirklich noch ändert und ein grober Patzer tatsächlich nur der gekürzten Demoversion geschuldet war.

Häppchenweise Spaß

Als wir endlich selber unsere Griffel an die Pads legen dürfen, erhärten sich schnell zwei Eindrücke der Präsentation: Zum einen weisen die KI-Feinde noch extreme Schwankungen in ihrem Verhalten auf. So arbeiten die Kontrahenten zwar durchaus zusammen und einer versteckt sich hinter dem Energieschild des anderen, sobald sein eigenes zusammengebrochen ist. Doch häufig verharren sie auch lapidar in ihren Positionen und lassen sich wehrlos über den Haufen schießen.

Außerdem benehmen sie sich meist viel zu defensiv, ja sogar passiv oder rennen gar einfach vor uns weg, sodass wir ihnen locker in den Rücken ballern können. Hier fehlt hoffentlich nur das richtige Feintuning. Ein weiteres Ärgernis: Jeder kleine nützliche und unnütze Gegenstand muss manuell per Knopfdruck aufgehoben werden, das betrifft auch Munition oder Keycards oder ähnliche Verbrauchsgüter. Schon nach wenigen Minuten nervt das extrem!

Davon abgesehen erlaubte uns id in Mini-Häppchen einen kleinen Querschnitt dessen zu erleben, was uns später in Rage erwartet. Die Fahrerei durch wüstenähnliche Gebiete funktioniert dabei recht gut, ist aber noch einen Tick zu schwammig ausgefallen. Möglicherweise hängt das auch von den verwendeten Fahrzeugen ab, hier fehlen jedoch noch Vergleichsmöglichkeiten.

Rage - Dieser Trailer schlägt voll ein!17 weitere Videos

Widersprüchlicherweise war die Wegführung trotz sehr linear ausgebauter Pfade teils etwas irreführend, doch auch hier muss mildernd hinzugefügt werden, dass die knappe Stunde Spielzeit vielleicht auch zu kurz war, um sich "einzugucken" und die vielen Impressionen fair einordnen zu können. Insgesamt fiel aber das typische id-Spieldesign auf: Wer Türen aufsperren will, muss sich Schlüsselkarten besorgen.

Besser ist dagegen der Ansatz gelungen, mit gesammelten Bauteilen neue Gegenstände zusammenzubasteln, mit denen sich verschlossene Tore öffnen lassen. Auch bezüglich der nervtötenden Sammelproblematik ist laut Matt Hooper das letzte Wort noch nicht gesprochen: "Wir prüfen tatsächlich, wie wir dieses Feature verbessern können, und probieren allerlei Lösungsmöglichkeiten aus."

Glücklicherweise kommt dieser Spielspaßkiller nicht überall zum Zuge. So zum Beispiel in den Arena-Fights, wo wir durch eine Art Gespensterbahn geschleust werden und fünf Runden lang den Ansturm von Mutanten überleben müssen, die aus verschiedenen Richtungen, aus unterschiedlichen Positionen und Ebenen angreifen.

Hat man nicht nur alle Gegner besiegt und diverse Fallen überwunden, wartet im Finale nicht nur ein Endboss. Eure erreichte Zeit und der Punktestand werden festgehalten und zudem kassiert ihr massig Kohle. Dass es in Rage nicht nur um plumpe Ballerei gehen wird, sondern auch Köpfchen gefragt ist, beweist eine andere Aufgabe, bei der ihr Bomben ausschaltet.

Damit wir uns nicht selbst in die Luft sprengen, setzen wir zu diesem Zweck ferngelenkte Buggybomben ein, die beispielsweise durch enge Versorgungstunnel gelenkt werden - nachdem man diese ausfindig und diverse Feinde unschädlich gemacht hat. Lustige Einsätze, die zeigen, dass es dem Actionspiel an Abwechslung wohl nicht mangeln wird.