"That looks fantastic!" oder "Boah, sieht das geil aus!" sind nur zwei von vielen begeisterten Meinungsäußerungen im Anschluss an eine Presse-Präsentation des neuen id-Software-Titels Rage in einem noblen Château nahe Paris. Kollege David schwärmt bereits seit der gamescom 2009 von der tollen Optik des Actionspiels - dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Und sie wurden nicht enttäuscht.

Was die hauseigene "MegaTexture Technology" bzw. die id Tech 5 Engine hier auf den Bildschirm zaubert, ist schon sehr beeindruckend. "Das sind doch nicht 720p, oder!?", entfährt es einem deutschen Kollegen. "Doch", kontert Creative Director Tim Willits - und zwar in 60 Frames per Second!" Und das auf einer Xbox 360 als Vorführgerät...

Rage - Jackal-Canyon: Berge den Decoder17 weitere Videos

Kein linearer Shooter

"Rage soll jedoch mehr sein als ein reiner Run-and-Gun-Titel mit heißer Grafik", so Willits im Gespräch mit gamona. "Wir bieten zwar die Essenz dessen, was id Software ausmacht (Falls ihr in den vergangenen 20 Jahren hinter dem Mond gelebt habt: id begründete mit Meilensteinen wie Wolfenstein 3D, Doom und Quake das Shootergenre - Anmerkung des Autors) - also knallharte Hardcore Firstperson Action. Aber wir wollen diesmal weit darüber hinaus gehen." So weit darüber hinaus, dass man sich trotz der grafischen Pracht mit "einzigartig gemalten Landschaften ohne Copy/Paste-Design" (Willits) nicht ganz schlüssig darüber ist, was Rage letztendlich sein wird.

Rage - Es sieht fantastisch aus!

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Heiße Grafik: Hier ist der Beweis.
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Vergleiche mit Borderlands oder Bioshock sind aufgrund der Wasteland-Architektur und des Waffendesigns schnell bei der Hand. Einige meinen sogar, es sei fast eine Mischung aus diesen beiden Action-Hits. Aber warum eigentlich? Nun, unser Held ist einer der wenigen Überlebenden eines Asteroideneinschlags auf der Erde.

In einem Cryo-Pod überstand er als Teil eines Regierungsrettungsprogramms (Eden Project) die Katastrophe und ist laut Willits eine Art Buck Rogers - ein Mann, der aus der Vergangenheit kommt. Und sich plötzlich mit Mutanten und heruntergekommenen Banditen herumschlagen muss, anstatt - so der ursprüngliche Plan - die Zivilisation wieder aufzubauen. Zunächst gilt es also einfach, die eigene Haut zu retten. Und sich gegen die verschiedenen Fraktionen zu behaupten - oder vielleicht auch mit ihnen zu paktieren.

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"Die Spielwelt wird offen, aber zielgerichtet sein."
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Allem Anschein nach wird Rage alles andere als ein linearer Shooter, das bestätigt Willits auch uns gegenüber: "Es wird kein Open-World-Shooter sein. Die Spielwelt wird offen, aber zielgerichtet aufgebaut sein. Wir wollen nicht, dass Spieler in ihr verloren gehen, das würde nur zu Frust führen." Dennoch wird es viele Möglichkeiten geben, die Spielerfahrung nach seinen eigenen Wünschen zu gestalten. So werden beispielsweise Kleidung und Bewaffnung Auswirkungen auf das Spielgeschehen und die Abläufe haben, zudem soll jede neue Umgebung stets frische spielerische Herausforderungen bieten.

Bioshock + Borderlands = Biolands?

Die Wahl der Klamotten beeinflusst demzufolge das Verhalten der unterschiedlichen Fraktionen auf den Protagonisten, entscheidet über etwaige Missionen und manipuliert so bis zu einem gewissen Grad das Geschehen. Es wird leichte Unterschiede bei der zur Verfügung stehenden Überlebenskluft geben, einige Outfits werden etwa die Widerstandskraft erhöhen. Viel wollte man zu diesem Thema jedoch noch nicht offenbaren.

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NPCs reagieren auf eure Aufmachung - nicht immer fröhlich.
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Erreicht ihr beispielsweise einen der Stützpunkte wie Wolfspring, reagieren die NPCs auf eure Aufmachung. Außerdem gibt es dort Geschäfte in denen aufgesammelte Objekte wie z.B. wertvolles Wasser eingetauscht werden, Missionsgeber auf euch warten oder ihr euer Fahrzeug mit Upgrades versorgt. Die Wahl eurer Waffe wird das Gameplay auf ähnliche Weise beeinflussen wie bei Bioshock.

Vorgeführt wurde unter anderem eine fortschrittliche Armbrust. Diese lässt sich wie alle anderen Wummen mit unterschiedlichen Munitionstypen ausrüsten. Greift man zu Elektrogeschossen, rafft es im Wasser stehende Feindesgruppen dahin, ohne großes Aufsehen zu erwecken.

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Auch Fahrzeuge spielen eine große Rolle.
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Neben eher herkömmlichen Bleispritzen sorgten vor allem autarke zielsuchende Bomben auf vier Rädern (eine Art Minibuggy) und fahrende bzw. laufende Mini-Geschütze für viel Aufmerksamkeit. Diese nützlichen Helfer lassen sich mitten in explosiven Gefechten gegen Banditen oder Mutanten per Knopfdruck on the fly aus dem Hut zaubern. Je nachdem, wie viel Schaden die Gatling-Guns einstecken, können nach dem Einsatz deren Einzelteile verwertet oder das gesamte Geschütz weiterverwendet werden. Mit jedem neuen Setting sollen weitere Waffen und Feinde eingeführt werden und damit für stetige Abwechslung sorgen.

Rage ist ein sehr vielversprechender Shooter mit Bombast-Optik und vielen coolen Waffen. Her damit!Ausblick lesen

Bandits und Mutanten sollen zudem unterschiedliche Fertigkeiten und Verhaltensweisen an den Tag legen. Sonderlich intelligent wirkten die Attacken der Fieslinge in der einstündigen Rage-Präsentation jedoch nicht. Im Gegenteil: Bisher folgten die Angreifer eher häufig wiederholenden Angriffsmustern und waren dadurch leicht auszurechnen. Die versprochene Variabilität war hier nur ansatzweise erkennbar.

Wundersame Selbstheilungskräfte

Als ziemlich flexibel erweist sich dagegen das vorgestellte Regenerierungssystem, das euch gleich drei Möglichkeiten gibt, verlorene Lebenspunkte wettzumachen. Neben normalen Heilkits mit sofortiger Heilwirkung und fortgeschrittener Nanotechnologie werdet ihr euch zusätzlich im Falle des virtuellen Todes selbst defibrillieren können. Ja, wirklich - das haben wir uns nicht selber ausgedacht! Um Missbrauch zu verhindern, wird das jedoch nur im beschränkten Maße einsetzbar sein, also nicht etwa mehrmals hintereinander.

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Fiese Kreaturen bevölkern die Endzeit-Welt von Rage.
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Zum Mehrspielermodus, in dem diese wundersamen Selbstheilungskräfte besonders unliebsamen Einfluss auf das Spielgeschehen haben könnten, wollte man sich jedoch nicht im Detail äußern. "Wir arbeiten sehr hart am Multiplayermodus, können aber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Fakten verraten", so Willits.

Dafür gibt es Entwarnung für alle Xbox-360-Zocker. Willits bestätigte nochmals, dass es auf dieser Konsole keinesfalls zu inhaltlichen Kürzungen kommen wird. Das Spiel werde auf zwei Datenträgern ausgeliefert und keine Schnitte erleiden. Zurückhaltend reagierte er jedoch auf die Aussage seines Chefs John Carmack, der eine Umsetzung des Actionspiels für Iphone bzw. Ipad ins Gespräch gebracht hatte.

"Wir haben hier eine Technologie, die tatsächlich auf verschiedenen Plattformen verwendet werden kann und deren Engine einen Transfer unterstützt", so Willits. Eine Umsetzung für das Ipad oder für Mac- und Linuxplattformen sei derzeit jedoch noch nicht geplant.