Ein Raunen ging durch die Reihen der Journalisten. Sogar Beifall wurde geklatscht. Nach drei Tagen und vielen Stunden, in denen der Fachpresse Spiel um Spiel präsentiert wird, irgendwann die totale Reizüberflutung eintritt und mancher gar nicht mehr weiß, welchen Titel er eigentlich zuletzt gesehen hat, kann man das, was nach und während der „Rage“-Präsentation abgelaufen ist, schon als einzigartig bezeichnen.

Die Veteranen von id Software dürften daran gewohnt sein: Erst in der vergangenen Woche gab es auf der hauseigenen Messe „QuakeCon“ ähnliche Begeisterungsstürme - nur waren es da die Fans. Zum ersten Mal seit der Ankündigung haben wir Live-Szenen aus dem Spiel gesehen, von dem keiner so richtig weiß, was es denn nun eigentlich sein soll. Selbst nach der Präsentation verbleiben einige Fragezeichen. Nur dass es ein Kracher wird, das wissen wir mit Sicherheit.

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Der Tag danach…

Entweder es ist reine Ideenlosigkeit oder id Software hat einfach ein Faible für kurze, griffige Spielenamen. Nach „Doom“ und „Quake“ nun also „Rage“, der laut id Soft-Führungsetage bei Erfolg zur neuen Marke aufgebaut werden soll. Ebenfalls ganz id-Tradition hat auch dieser Name einen martialischen Kern. „Rasende Wut“ klingt in spielerischer Hinsicht sogar verheißungsvoller als „Verderben“ oder „Beben“. Und selbstredend ist auch hier der Name Programm.

Rage - Das schönste Spiel der Gamescom

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Die Welt nach der Apokalypse: verödet und von Mutanten beherrscht.
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Da kann einem aber auch die Wutschnur reißen, wenn aus heiterem Himmel die gesamte Menschheit von einem riesigen Asteroiden ausgelöscht wird und man selbst einer der wenigen Überlebenden ist. Unter der Erde, dort wo die Regierung einige wenige Personen in Rettungskapseln einschloss, harrte auch der „Rage“-Heroe dem Ende der Katastrophe entgegen, um die Erde wieder aufzubauen und neu zu bevölkern.

Beim Verlassen der Kapsel stellt sich jedoch heraus: Nichts ist mehr wie es war, alles ist zerstört, grausige Mutanten bevölkern die Erde. Die wenigen echten Menschen sind verroht, kriminell und moralisch verkommen. Die „zivilisierten“ Siedlungen sind aus Schrott und Dreck erbaut, ein Leben zählt hier nicht mehr viel. Und mittendrin stehen wir als Spieler und versuchen zu überleben.

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Diese Grafik... selbst Crysis muss sich angesichts der id Tech 5 warm anziehen.
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Normalerweise würde nun die Nennung des Genres folgen, a la „...fortan rätseln wir uns in bester Adventure-Manier...“ oder „...mit der Schrotflinte im Anschlag ballern wir uns anschließend durch einen feuchten Shooter-Traum...“. „Rage“ gibt sich in dieser Hinsicht allerdings reichlich widerspenstig und will sich partout nicht klassifizieren lassen. Ein reinrassiger Shooter ist der Neue von id Software nämlich keinesfalls.

Mario Kart ab 18

Klar gibt es die typischen Ego-Sequenzen: Mit Shotgun, Nagelpistole oder Armbrust geht es der oberirdischen Mutantenbrut an den Kragen, die immer wieder unseren Weg kreuzt. „Rage“ zeigt in diesen Passagen klar, wo seine Wurzeln liegen – schließlich hat id Software das Genre einst begründet. Dementsprechend schnörkellos präsentiert sich der Shooter-Anteil: präzise auf den Punkt, abgeklärt und wuchtig.

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Viele Bereiche der Welt erkundet ihr per Fahrzeug - Karambolage-Manöver inklusive.
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Abseits dessen ist „Rage“ allerdings mehr: Id verspricht sogar, dass sich der Spieler mit jeder verstrichenen Stunde neuen Herausforderungen konfrontiert sieht. Ein Beispiel: Die große, postapokalyptische Spielwelt ist zu riesig, um sie per Fuß zu erkunden. Also besteigt unser Held regelmäßig Fahrzeuge in allen Variationen, um von A nach B zu kommen. Mehr noch: Dank stationärer Bordgeschütze liefern wir uns mit anderen Fahrern heftige Gefechte.

Später fahren wir sogar in Rennen gegen mehrere Kontrahenten um Preise – und unser Leben. Denn das folgende Massaker aus Stahl, Napalm und Pferdestärken kann man sich wie eine Art „Mario Kart ab 18“ vorstellen. Der Vordermann wird hier allerdings nicht mit Pilzen sondern Maschinengewehren beharkt, Power-Ups verschaffen nicht nur einen Geschwindigkeitsboost, sondern bestücken auch das Chassis mit einem Raketenwerfer.

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Die Spielwelt ist zu groß, um sie per Pedes zu erkunden. Hoffentlich langweilt die Einöde nicht wie in "Far Cry 2".
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Das gewonnene Geld nutzt ihr, um euer Vehikel in Garagen und Werkstätten, die überall in den Städten der Spielwelt zu finden sind, aufzurüsten oder zu reparieren. In einem Extramenü wird dann geschraubt und getunt, dass selbst die „Pimp my Ride“-Crew vor Neid erblassen würde. Beim ersten Blick zischte uns unweigerlich der „Need for Speed“-Vergleich durch’s Unterstübchen.

Mit Köpfchen ans Ziel

Ist „Rage“ denn nun Shooter oder Racer? „Weder noch“, erklärt uns Tim Willits, Creative Director bei id Software, „Rage ist vielmehr ein neuartiger Genremix, der anders wird, als unsere bisherigen Spiele.“ Heißt so viel wie: Beide Mechaniken sind fest im Spielprinzip verankert und sollen stets logisch erklärt werden und ineinander greifen. „Alles andere würde aufgesetzt wirken“, erklärt Willits.

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Aus gefundenen Einzelteilen baut ihr euch im Handumdrehen einen Robo-Gehilfen.
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„Das erste, was die Leute wissen wollen, wenn sie Rage sehen, ist, ob es eine offene Welt ist“, erinnert sich Tim, „und wir können dann nur entgegnen: Sie ist offen, aber klar strukturiert.“ Id möchte die Spieler animieren die Welt zu erkunden, aber dennoch immer einen roten Faden bieten. Wer sich nicht verlaufen will, folgt einfach der Handlung, verpasst dann aber einige Quests, skurrile NPCs oder coole Gegner.

Ganz neue Töne aus dem Hause id Software: Rage ist ambitioniert, anders, ideenreich - und ganz nebenbei das schickste Spiel der Gamescom.Ausblick lesen

Missionen holt man sich in den Städten der Spielwelt ab, in der örtlichen Spelunke oder beim Waffenhändler um die Ecke. Id Software versucht sich scheinbar erstmals an einem waschechten Storyshooter, im Detail blitzen da sogar einige Elemente aus Stalker durch. Ein weiteres Element ist etwa das Crafting: Alle Gegner hinterlassen verschiedenste Arten von Schrott und Altmetall, die unser Alter Ego verwerten kann.

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Natürlich hat id Software bei allen Neuerungen nicht vergessen, wie man zünftige Ballereien entwirft.
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Tom zeigt uns eine Innenmission, die schon eher der alten Garde von id-Titeln ähnelt. Ohne zimperliche Mätzchen wird hier straight drauflos geschossen. Überraschenderweise aber deutlich gewaltfreier als gewohnt – Köpfe zerplatzen hier ausnahmsweise nicht, Blut gibt es nur selten zu sehen. Stattdessen offeriert „Rage“ sogar alternative Lösungswege, die vom reinen Ballereinerlei ablassen.

Statt mit gezogener Shotgun einfach in den nächsten Raum zu platzen, könntet ihr etwa eine Roboterdrohne vorausschicken, die euch Geleitschutz gibt. Oder ihr platziert einen ferngesteuerten Spielzeugbuggy auf dem Boden, auf dessen Dach ihr eine Sprengladung montiert. Mit diesem lassen sich entfernte Räumlichkeiten ausspionieren und – sehr nützlich – ganze Mutantenverbände hochjagen.

Deutschland sucht den Super-Mutant

Erwähnte Mutanten sind übrigens der neue „Rage“-Klassenfeind. Zum Glück. Denn auch wenn die verseuchte Brut nicht gerade den Originalitätslöffel gewinnen würde, ist uns doch alles willkommener als die x-te Dämonenwelle. Da man als verstrahltes Ungetüm per Definition eher hohl in der Birne ist, beschränken sich die Kämpfe auf wenig taktische Ballereien – zumindest ließ die KI uns in der Preview-Fassung eher unbeeindruckt.

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Nur für Nervenstarke: In überschaubaren Arenen geht es im Sekundentakt neuen Gegnerwellen an den Kragen.
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Passend hierzu gibt es im Spiel übrigens ein Feature, welches die Hohlköpfigkeit der mutierten Bewohner voll ausreizt: Ein TV-Format namens „Mutant Bash TV“ gilt unter der degenerierten Erdbevölkerung als DIE Attraktion und lockt ähnliche Zuschauermassen vor die Mattscheibe, wie – um den Vergleich zur hiesigen Fernsehlandschaft zu ziehen – der Start einer neuen „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“-Staffel.

Als Spieler könnt ihr hier eine Reihe von Prüfungen absolvieren und schwer bewaffnet in die Arena der Mutanten steigen. In mehreren Runden gilt es nun gegen immer größere Gegnerwellen zu bestehen und am Ende einen Obermotz zu bezwingen. Gewonnen hat, wer überlebt und es krachen lässt – dann hagelt es Geldbeträge. All zu schwer sind die Herausforderungen aber nicht. Der IQ der Kandidaten ist nämlich in ähnlichen Sphären angesiedelt wie in erwähnter RTL-Show…