Jeder kennt wohl diese Binsenweisheit: Besser gut kopiert als schlecht selbst gemacht. Was aber, wenn weder das eine noch das andere klappt? Wenn einem ohne fremde Hilfe nichts Gutes einfällt und auch die Kopie einfach sauschlecht wird? Das Resultat sind dann halbgare Erzeugnisse wie Quantum Theory. Der 3rd-Person-Shooter ist zwar eindeutig stark an Gears of War (GoW) angelehnt, das Ergebnis jedoch meilenweit vom großen Vorbild entfernt. Was ritt Tecmo, einen Abklatsch zu veröffentlichen, der Epics meisterhafte Arbeit beinahe schon verhöhnt?

Möglicherweise handelt es sich ja um einen Vorreiter der Welle neuer japanischer Spiele, die sich an westliche Produkte anlehnen. Auf der kürzlich veranstalteten TGS war jedenfalls aus berufenem Munde zu hören, dass die fernöstliche Spielindustrie mit seinem Produktionen dem Westen um Jahre hinterherhinke (Capcoms Keiji Inafune: „Japan liegt mindestens fünf Jahre zurück. Ich möchte lernen, wie die Leute im Westen leben und Spiele machen, die sie ansprechen“). Doch wenn Quantum Theory dazu dienen soll, den qualitativen Abstand zu verkürzen, dann Sajonara, Nippon!

Quantum Theory - Öder Ballermurks aus Japan

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Kletterpartien mit einem behäbigen Muskelprotz machen keinen Spaß.
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Die belanglose Sci-Fi-Geschichte befördert uns in eine nicht allzu weit entfernte Zukunft, in der eine fiese Alienrasse namens Diablose die Menschheit bedroht. Mysteriöse Türme wachsen in den Himmel und entpuppen sich als Brutnester der feindlichen Horden. Außerdem rekrutieren sie menschliche Mitstreiter, indem diese gegen ihren Willen zu Sklaven mutieren. Diesem Elend kann selbstverständlich nur ein Mensch ein Ende bereiten: Syd. Ein überzüchteter Muskelprotz, der versucht, seine gedankliche und körperliche Behäbigkeit mit gezwungen coolen Sprüchen zu übertünchen - und dabei genauso Schiffbruch erleidet wie dieses gesamte Machwerk.

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Einfach mal in die gelb-graue Texturwüste ballern, wir werden schon etwas treffen...
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Wie es sich für einen GoW-Klon gehört, basiert die Spielmechanik vor allem auf Ballern und Deckungssuche. Beides funktioniert hier jedoch nur mehr schlecht als recht. Beim Gunplay versagt Quantum Theory fast auf gesamter Linie. Die Ausrichtung der dicken, aber generischen Wummen geschieht viel zu träge, ihr müsst ohne jedwede Autoziel-Mechanismen auskommen. Gerade bei Konsolen-Shootern macht sich der Verzicht auf diese Zielhilfe höchst negativ bemerkbar. Aus diesem Grunde eiert das Fadenkreuz von einer Seite zur anderen, nur selten bekommt man die Feinde wirklich vor die Linse. Dass die Schießprügel noch gehörig verreißen, sie eine übermäßige Streuung und außerdem nur eine geringe Präzision aufweisen, verbessert die vertrackte Situation nicht.

Der Frust lässt sich jedoch noch steigern: Ständig seid ihr dazu gezwungen, mit eurem Helden manuell Munitionsnachschub aufzusammeln oder per D-Pad zwischen unterschiedlichen Waffen auszuwählen. Der Testosteron-Junkie darf stets nur drei Knarren mitführen. Dass die Akustik der futuristischen Waffen völlig handzahm und drucklos aus den Boxen schallt, dürfte kaum noch jemanden verwundern.

In Deckung! Mach schon!

Leider stümperte Tecmo auch bei der Umsetzung des Deckungssystems: Der behäbige Syd bleibt immer wieder an Ecken und Kanten hängen, während wir versuchen, Mauern, Säulen und ähnliche Objekte als Deckung zu verwenden. Oft genug verlässt er den Schutz oder verbirgt sich plötzlich hinter festen Strukturen, obwohl wir das gar nicht beabsichtigen. Nahkampfattacken führt er in solchen Situationen schon gar nicht korrekt aus. Das gesamte System ist viel zu fummelig und fehlerhaft konstruiert. Kurz: Es ist zum Haareraufen.

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Auf diesem Bild sieht man sofort, worum es geht...
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Quantum Theory wirkt wie eine misslungene Aneinanderreihung von Actionspielklischees, wie mit der heißen Nadel zu einem nicht funktionierenden Mischmasch verwoben. Das öde und äußerst lineare Leveldesign setzt sich obendrein aus generischen Schlauchlevels zusammen, schon nach kurzer Zeit gewinnt gähnende Langeweile die Oberhand. Wir werden gaaanz langsam von einem Raum zum nächsten geführt und ballern uns durch nicht abreißende Horden eintöniger Diablose. Den Vogel schießt Tecmo mit unübersichtlichen Rail-Shooter-Passagen ab, in denen der Protagonist feindlichem Beschuss schutzlos ausgeliefert ist.

Eigenständige Idee? Wow!

Abwechslung sollen darüber hinaus einige unsinnige Klettereinlagen bringen, doch jeder kann sich ausmalen, wie viel Spaß es macht, mit einem behäbigen Koloss Kletterparcours zu bewältigen, während man in einer grau-gelben Texturwüste verzweifelt nach Orientierungspunkten sucht. Selbst den einzigen halbwegs selbstständigen Ideenansatz setzt Quantum Theory nur halbherzig um: Nach einer Weile wird euch ohne große Erläuterungen eine gewisse Filena als Partnerin zur Seite gestellt.

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Das Deckungssystem ist wichtig, funktioniert aber aufgrund seiner Hakeligkeit nicht ausreichend gut.
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Die weibliche Kämpferin schleudert ihr per „Kombowurf“ auf die Feinde, um sie entweder zu betäuben oder per Instant-Kill fein säuberlich in Einzelteile zu filetieren. Außerdem könnt ihr im Nahkampf Komboattacken initiieren, an denen sich die bewegliche Metzelmeisterin beteiligt. Das zierliche Wesen stirbt bei diesen Teamaktionen jedoch regelmäßig und fällt dadurch für einige Momente aus.

Wenn das die neue Spielegeneration aus Fernost sein soll, dann Sajonara, Japan!Fazit lesen

Die andauernde Behäbigkeit versucht Tecmo durch überkandidelte Coolness zu kompensieren. Landet Syd einen Kopfschuss, wird dies nicht nur mit einer Zeitlupensplatterszene abgefeiert, lockere Sprüche sollen die Lässigkeit des Kämpfers noch unterstreichen. Doch das Ganze wirkt viel zu aufgesetzt, um überzeugen oder gar unterhalten zu können. Selbst Zwischensequenzen kommen für japanische Verhältnisse klobig und uninspiriert daher und bringen wenig Licht in das uninteressante Geschehen. Ähnliches gilt im Multiplayer-Modus für maximal acht Spieler: Abgesehen von den üblichen Deathmatch-Modi wird hier nichts Motivierendes geboten. Uns fiele ohnehin kein Grund ein, weshalb ihr das Einzelspielermartyrium noch künstlich in die Länge ziehen solltet...