Was für ein netter Onkel Professor Quadwrangle doch ist. Immer wieder lädt er seinen Neffen zu sich ein, zeigt ihm seine Erfindungen und verlebt ein paar schöne Tage mit ihm. Nur diesmal nicht, denn der zauselige Wissenschaftler wurde versehentlich in eine fremde Dimension teleportiert und der Weg zu ihm ist mit kniffeligen Puzzles gespickt.

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„Hatte ich erwähnt, dass dies mein Haus ist?“, meckert der Professor sarkastisch aus der Sprechanlage. Das Klirren der zerbrochenen Scheiben ging ihm wohl an die Nieren. Ohne seinen Hinweis wäre niemand darauf gekommen. Ein Haus soll das sein? Das ist eine Falle! Gefühlte Stunden geistert sein Neffe durch eine überdimensionale Villa, umgeht rasiermesserscharfe Riesenventilatoren, brutzelnde Laserstrahlen und Abgründe, die inmitten des Mobiliars gen Unendlichkeit klaffen. Nicht gerade ein angemessener Spielplatz für ein Kind.

Ein Haus mit vier Dimensionen

Ohne die Hilfe des zehnjährigen Zwoggels bleiben die Stromreaktoren des Anwesens jedoch außer Betrieb und der Prof zwischen den Dimensionen hängen. Guter Rat tut Not, ist aber teuer, weil die teleportierte Knalltüte auch noch temporär das Gedächtnis verloren hat. Da hilft nur selbst knobeln, während man den spöttischen und oft saukomischen Kommentaren des Hausbesitzers lauscht.

Quantum Conundrum - Dimensionen für Millionen - der Knobler im Geiste von Portal

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Ike mimt das knuffige Maskottchen von Quantum Conondrum, spielt aber keine tragende Rolle.
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Dessen neueste Erfindung bereitet dem Knirps Kopfzerbrechen. Überall wurden Dimensionsmaschinen verbaut, die bei Aktivierung den Zustand der Umgebung verändern. Es fängt ganz harmlos an. Liegt eine lilafarbene Batterie in der Maschine, genügt ein Knopfdruck auf der Steuereinheit und alles in der Nähe wird in die „Flauschige Dimension“ versetzt. Allein der Name ist schön göttlich. Fluffy Dimension in der englisch gehaltenen Sprachausgabe. Zum Totlachen.

Flauschige Dimension, weil der aktuelle Raum in ein Paradies für Patienten mit Hämorrhoiden-Leiden verwandelt wird. Sämtliche Oberflächen des Interieurs tragen eine wollig-weiche Oberfläche und sind plötzlich federleicht. Ohne Mühe trägt der Knabe selbst tonnenschwere Safes durch die Gegend und setzt sie dort ab, wo sie gebraucht werden. Etwa auf Waagen, die als Schalter dienen, auf zu beschwerenden Trampolinen oder als Stufe zum Erreichen höher Stockwerke.

Wobei das selten der Fall ist. Viel zu oft weht ein riesiger Ventilator solche Sitzkissen an die nächste Wand, sodass erst ein Schalter gefunden werden muss, der ihn deaktiviert. Oder eben ein Weg, mit dem man physikalische Gesetze noch ein wenig weiter verbiegt.

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Ob das wirklich so erstrebendwert ist? Beim Ableben erinnert euch das Spiel daran, was der Knabe durch seinen Tod nicht mehr erleben wird.
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Kaum ein paar Räume weiter herrscht nämlich die gegenteilige Situation. Mit einer roten Batterie in der Dimensionsmaschine darf alles um ein Vielfaches schwerer werden. Selbst gemütliche Ohrenbackensessel mutieren zu bleiernen Hindernissen und lebensgefährlichen Wurfgeschossen, sofern sie zuvor in einem leichteren Zustand beschleunigt wurden. Obendrein fungieren sie dann als Schutz vor gefährlichen Laserstrahlen, die normalerweise selbst schwere Safes zerbröseln.

Ein sehr unterhaltsamer Action-Puzzler mit wenigen Schwächen und viel Humor.Fazit lesen

Bereits die Kombination dieser beiden Dimensionsverschiebungen ebnet Möglichkeiten für unzählige Puzzles. Verschiebungen lassen sich zwar nicht kombinieren, aber kurz hintereinander aktivieren. Ist der Pfad etwa durch eine Glasscheibe versperrt, so schnappt man sich einfach einen beliebigen schweren Gegenstand in der flauschigen Dimension, wirft ihn gen Scheibe und schaltet rechtzeitig zurück in die normale Welt. Klirr! Steht mal nur ein weicher Pappkarton zur Verfügung, hilft eben ein rechtzeitiger Shift in die schwere Dimension. Alles eine Sache des Timings.

Der hüpfende Knobelknabe

Timing ist ein gutes Stichwort, denn weitere Dimension-Shifts drehen entweder die Schwerkraft um oder verlangsamen die Zeit erheblich. Der Knirps bleibt von all diesen Effekten unberührt, kann sich also im Zeitlupenmodus sogar selbst Gegenstände zuwerfen oder fallende Objekte als Stufe nutzen. Allerdings stehen nicht immer alle vier Kräfte gleichzeitig zur Verfügung. Bietet die Dimensionsmaschine des aktuellen Raums nur zwei Slots für drei oder vier Batterien an, dann hilft nur lästiges Jonglieren in der richtigen Reihenfolge.

Knobelei und Geschicklichkeit laufen bei Quantum Canundrum Hand in Hand, wenn harmlose Lichtschranken quer über den Raum strahlen, aber erst durch passende Dimensionsverschiebungen lange genug unterbrochen werden können, um eine angeschlossene Todesfalle zu deaktivieren. Oder wenn der Knirps mithilfe von Katapulten quer über den Raum schleudert, um eine Energiekugel in einem Generatorschacht zu versenken. Das arme Kind!

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Viele Rätsel verlangen nicht nur Kombinationsgabe, sondern auch gutes Timing beim Wechsel der Dimensionszustände.
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Geht ein Experiment schief, ist das nicht immer ein Beinbruch. Zerbrochenes oder verlorengegangenes Inventar schaufelt ein maulförmiges und drollig dreinguckendes Spendersystem aus den Wänden. Tiefe Stürze und Begegnungen mit brennenden roten Lasern beenden das Spiel hingegen sofort – inklusive der Einblendung eines von Hunderten mal bissigen, mal nerdigen, aber stets amüsanten Game-over-Screens, in denen beschrieben wird, was der Zehnjährige in seinem Leben nicht mehr erleben wird.

Obwohl man nicht manuell speichern darf, kommt kein Frust auf. Eine automatische Speicherfunktion übernimmt permanent das Auffrischen eures Spielstandes, sofern ein Fortschritt im aktuellen Raum auszumachen ist. Das wirkt konsolentypisch, stört aber keinesfalls. Kommt auch nicht von ungefähr, denn Quantum Canundrum erscheint schon am 11. Juli als Download-Spiel auf den Online-Marktplätzen der Konsolenbetreiber und wird höchstwahrscheinlich keine nennenswerte Änderung erfahren. Grafisch macht das Spiel sowieso nicht viel her. Der verwendete Comicstil ist witzig, aber grob und sollte selbst altersschwache Rechner nicht überfordern. Gibt ja nicht einmal erwähnenswerte Optionen zur Anpassung der Grafikqualität.

Selbst Joypads unterstützt das Werk von Airtight Games ohne Murren. Tatsächlich fällt die Steuerung in den gelegentlich eingestreuten Jump-and-Run-Abschnitten mit dem Xbox-360-Controller sogar wesentlich leichter als mit Maus und Tastatur. Die Reaktionszeit fällt kürzer aus. Genaues Zielen wie in einem First-Person-Shooter ist sowieso nie vonnöten, auch wenn die Ansicht ähnlich erscheint.

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Dank Zeitlupendimension schreitet ihr sorglos über fallende Möbel. Und hört euch dabei abgefahrene Sprüche des Professors an.
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Natürlich darf man sich nicht fragen, wozu Professor Quadwrangle Tausende von Safes braucht und warum die Flügel seines Anwesens mit absurdesten Mechanismen gespickt wurden. Inhaltlich ergibt Quantum Canundrum weit weniger Sinn als sein nächster Verwandter „Portal“, aber das abgedrehte Setting ist amüsant und wirkt dafür nicht ganz so steril.

Wer an dieser Stelle weitere Vergleiche sucht, könnte eventuell bemängeln, dass der im Hintergrund sarkastisch faselnde Professor einem nicht ganz so unverblümt die Meinung geigt wie einst GLaDOS und dass generell kein Stoff für eine Konfliktsituation vorliegt. Man fragt sich höchstens, was für eine herzlose Verwandtschaft der Knirps ertragen muss. Aber das sind Nebensächlichkeiten, die kaum ins Gewicht fallen.

Manchmal zu offensichtlichen Lösungswege wären schon eher Grund zum mäkeln. Die Puzzelei wird euch beim ersten Durchgang nicht länger als sechs bis acht Stunden beschäftigen und im Anschluss höchstens durch Highscore-Runs, die Suche nach verstecken Extras oder DLC bei Laune halten. Immerhin: Diese sechs bis acht Stunden unterhalten vorzüglich und sind für so ein Download-Spiel nicht wenig.