"Seid ihr hart genug?", fragt uns "Pure Football" nach der cartoonartigen Videosequenz zu Beginn und spielt damit auf die achso toughen Protagonisten des Fußball-Titels an. Eigentlich müsste es jedoch heißen: "Seid ihr hart genug, das Ganze bis zum Ende zu ertragen?" Wir haben Ubisofts Fußballversuch tatsächlich bis zum bitteren Finale durchgestanden und berichten euch nun von diesem gewagten Selbstversuch...

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Pure Football - Covermaking of mit Prinz Poldi

"Drei Fouls ein Elfmeter"

Pure Football steht nicht in Konkurrenz zu Fußballsimulationen wie FIFA 10 oder Pro Evolution Soccer 2010, sondern ist noch am ehesten mit der arcadigen „FIFA Street“-Reihe vergleichbar. Schnelle Kicks auf kleinen Spielfeldern, bei denen jeweils fünf Spieler auf beiden Seiten gegeneinander antreten - so die Grundvoraussetzungen.

Pure Football - Wohl eher Poor Football...

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Der comicartige Grafikstil ist durchaus gelungen, insgesamt wirkt das Ambiente aber ziemlich altbacken.
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Das Regelwerk wurde zu großen Teilen gleich weggestrichen - Abseits gibt es gar nicht, wir spielen meist nur eine Halbzeit von drei bis fünf Minuten und selbst dreckige Tacklings von hinten werden zunächst gar nicht bestraft. Hier verfährt man nach dem Motto "Drei Fouls ein Elfmeter". Sobald sich die Foul-Anzeige füllt, gibt’s nen Strafstoß für das gegnerische Team.

Doch wie vermeidet der Fußballfan die härteste Bestrafung, wenn im Tutorial zwar ausführlich auf die wenigen Offensivmöglichkeiten eingegangen wird, die Defensive jedoch fast komplett ausgeklammert wird (und das Handbuch auch nicht viele Hinweise darauf gibt)? Genau - gar nicht. So hagelt es in den ersten Partien gegen zweitklassige Nationalmannschaften wie Belgien Elfmeter und Gegentore, weil sich die KI-Kontrahenten mühelos bis in unser Tor kombinieren.

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Auch Weltklasse-Keeper wie Iker Casillas sind bei Pure-Kopfbällen häufig chancenlos.
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Erst nach einiger Zeit lernt ihr die kaum vorhandenen Defensivmöglichkeiten halbwegs so einzusetzen, dass auch mal ein "Zu-Null-Spiel" gelingt und ihr dadurch einige Bonuspunkte in der "Pure"-Wertung einheimst. Mit den durch gute Aktionen oder dem Vermeiden von Gegentoren verdienten Punkten dürft ihr die Attribute eures Kapitäns, der von euch erstellten Fantasiefigur, steigern. Auf diese Weise schließt ihr allmählich die qualitative Lücke zu den Spitzenmannschaften wie Argentinien (den Top 8), in deren Gruppe ihr am Ende von 28 Spieltagen vorstoßen müsst, um am großen Finalturnier teilnehmen zu dürfen.

Taugt höchstens für munteres Scheibenschießen in der Halbzeit, für mehr leider nicht.Fazit lesen

Auf dem Weg zum Endspiel absolviert euer Team (unter Ausschluss der Öffentlichkeit - Zuschauer gibt es keine) zunächst Matches in London, Barcelona oder München, die Spielorte sind jedoch nicht einfache Fußballplätze, sondern spezielle Spielfelder z.B. über den Dächern dieser Städte. Jede Spielstätte bietet vier Events, bei denen ihr Punkte sammelt, aber auch immer wieder bestimmte Siegbedingungen erfüllen müsst, um erfolgreich zu sein: "Erzielt als erstes Team drei Tore, gewinnt ein 4er-Turnier Jeder-gegen-Jeden (und gewinnt mit jeweils zwei Treffern Abstand), holt einen 0:1-Rückstand innerhalb von nur einer Minute auf" und so weiter. Je härter die Herausforderung, desto höher die Punktebelohnung.

Jede Menge Herausforderungen

Ein zweites gewichtiges Standbein des Spielablaufs betrifft die Spielerherausforderungen. Erfüllt ihr gewisse Bedingungen wie "Spiele 8 aufeinander folgende Pässe, Schieße ein Tor nach einer Ecke, Schieße 10 Mal aufs Tor, Lande 15 Tacklings" schaltet ihr prominente Spieler frei, die ihr anschließend in euer Team transferieren könnt. Wie gut diese Spieler im Verhältnis zu den Mitgliedern eures Startteams sind, lässt sich an Attributen ablesen, die den Charakterwerten eurer eigenen Spielfigur ähneln.

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Wenn die Defensivmöglichkeiten doch nur halb so spannend und effektiv wären, wie in dieser Einstellung suggeriert...
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Besonders tolle Fußballer werden verfügbar, indem Legendenteams freigeschaltet werden. Sobald man wöchentliche Herausforderungen meistert (bestimmte Anzahl Pure-Aktionen, Kunstschüsse und Tore innerhalb einer Spielwoche) werden diese Teams in den Wettkampfkalender aufgenommen, und Spieler wie Rudi Völler bereichern auf Wunsch die eigene Mannschaft, nachdem die Zugangsvoraussetzungen überwunden wurden.

Pure Football bietet jedoch nicht nur ein sehr rudimentäres Regelwerk, das an Straßen/Freizeitfußball anspielt, sondern einen sehr unvollkommenen fußballerischen Spielablauf. Bereits die Ballkontrolle ist als solche kaum zu bezeichnen. Nie entsteht das Gefühl, die über den Platz rennende Figur und den Ball wirklich in Einklang bringen zu können. Viele Aktionen erscheinen (vor allem anfangs) eher zufälliger Natur. Lange Pässe kommen so gut wie nie beim angedachten Empfänger an, direkte Pässe auch nur dann, wenn der Spieler wirklich völlig frei steht. In allen anderen Fällen landet die Kugel beim Gegner.

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Wer jetzt nicht abzieht, verpasst sicher eine gute Möglichkeit. Bloß nicht abspielen!
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Neben diesen beiden Passarten dürft ihr euch noch im Flanken ausprobieren und natürlich gibt es auch eine Torschusstaste, mit der kraftvoll auf die Hütte gezimmert wird. Hier kommt dann der große "Clou" ins Spiel, denn bei jedem Flanken- oder Gewaltschussversuch wird eine halbkreisförmige Anzeige eingeblendet. Mit dem richtigen Timing landet ihr im idealen Bereich dieser Anzeige und fabriziert einen perfekten "Pure"-Schuss, der garantiert auf das Gehäuse gehen wird. Wer dagegen im "roten" Bereich des Schussmeters landet, kann bereits fluchend abdrehen.

Munteres Scheibenschießen

Die einzige Modifizierung bei Schüssen stellt der Kunstschuss dar, der mit einer weiteren Taste initiiert wird und Torschüsse mit besonders viel Effet erlaubt. Torhüter lassen sich von diesen Bällen häufig so sehr irritieren, dass sogar Schüsse von knapp hinter der Mittelinie im Tor landen, wenn kein gegnerischer Spieler dazwischen kommt.

Das passiert allerdings recht häufig, denn eure Eingaben werden nur verzögert im Spiel wiedergegeben. Diese Trägheit ist nur sehr unterschwellig fühlbar, sie führt jedoch zu einem schleppenden Feedback und dem steten Gefühl "Aber ich hab doch schon gedrückt!" und dem damit verbundenen Frust. Diese Verzögerung betrifft übrigens nicht nur den Spielablauf, auch viele Menüs reagieren nur sehr spröde auf Kommandos.

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Unrealistische Aktionen sind bei Pure Football Konzept.
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Im Endeffekt führen die mangelnde Ballkontrolle, die verzögerte Umsetzung der Eingaben und die ungenügende Passsicherheit dazu, dass wir meist schnellstmöglichen Torabschluss anstreben. Zwei schnelle Pässe in die Spitze und Bumm. Oder aber wir passen auf die Flanke und hoffen, dass die Pure-Hereingabe erfolgreich mit einem Pure-Kopfball abgeschlossen werden kann. Trefft ihr in dieser Kombination jeweils den optimalen Punkt der Schussanzeige, sind die Keeper meist machtlos.

Variationen bei Schüssen sind jedoch genauso wenig möglich wie trickreiches Spiel. Es gibt zwar die Möglichkeit, Übersteiger zu initiieren, diese sind für den Spielablauf jedoch irrelevant, weil sich KI-Gegenspieler davon nicht überrumpeln lassen und uns jedes Mal den Ball abluchsen.

Der größte Schock wartet aber vielleicht, nachdem ihr euch durch das Endturnier gekämpft habt: Ein Weiterspielen ist nicht möglich. Alle mühevoll freigeschalteten Spieler, die Arbeit, die ihr in den Ausbau eures Kapitäns gesteckt habt, sind für die Katz. Nach dem Finale ist die Kampagne nicht weiterführbar, wer weiterspielen will, muss eine neue Saison beginnen, Freundschaftsspiele bestreiten oder tobt sich im Onlinemodus aus.

In den Online-Ligen dürft ihr zumindest mit eurem "Capitano" und eurem zusammengestellten Team antreten. Es kommt jedoch häufig zu Verbindungsabbrüchen und die Matches gleichen häufig einem munteren Scheibenschießen, da jeder so schnell wie möglich auf das Tor zimmert und auf Treffer hofft.