Wenn es ein Next-Gen-Spiel gibt, das im Offroad Racing-Genre Maßstäbe gesetzt hat, dann ist das wohl Motorstorm für die PS3. Es überzeugte mit sehr guter Spielbarkeit, toller Grafik und bot vor allem eins: dreckigen Spaß. Nun versucht Pure in diese Fußstapfen zu treten, baut dabei aber einzig und allein auf Quads (ATVs) statt zusätzlich auf Motorräder, Jeeps oder LKWs wie noch Motorstorm.

Welche schlagkräftigen Argumente Pure für sich in Anspruch nimmt, haben wir bei einem Ausflug auf die vermatschten und verstaubten Pisten in Erfahrung gebracht.

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Arcade-Racing

Eines vorweg: Bei Pure handelt es sich um einen reinen Arcade-Racer. Mit der Realität bzw. Simulationen hat dieses Spiel nur wenig zu tun. Entwickler BlackRock wollte das Spiel so zugänglich wie möglich gestalten und hat dies auch sehr gut in die Tat umgesetzt. Die Steuerung der ATVs ist daher denkbar intuitiv ausgefallen. Wie von Konsolen-Rennspielen gewohnt, gebt ihr mit der rechten Schultertaste Gas, während die linke fürs Bremsen zuständig ist.

Pure - Der pure Augenschmaus im Test

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"Hey, ja, hier bin ich!"
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Die Besonderheit der Steuerung begründet sich durch das Spielprinzip. So rast ihr nicht nur über bucklige Pisten mitten in der Pampa und sucht nach der besten und geeignetsten Route (wie bei Motorstorm), sondern müsst dazu noch eine Armada an halsbrecherischen Tricks aufführen. Nur auf diese Weise ergattert ihr nämlich Energie für den so wichtigen Boost, der euch den vielleicht entscheidenden Geschwindigkeitsvorteil verschafft.

Drei Rennmodi & Worldtour

Die Tricks teilen sich in vier Stufen auf, wobei die eine auf der anderen aufbaut. Erst wenn ihr einfache Kunststücke ausführt (A-Taste), schaltet ihr bessere (B-Taste) und schließlich noch krassere Stunts frei (Y-Taste). Danach dürft ihr sogar Spezialtricks in eure Rennchoreografie aufnehmen (beide Bumper). Voraussetzung für all diese Tricks: Ihr müsst euch dabei mit eurem Quad in der Luft befinden, also Sprünge über Hügel und Rampen absolvieren. Dafür bekommt ihr in Pure genug Gelegenheit, denn die Streckenprofile enthalten alle dementsprechende Sprungschanzen.

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Oops, war das eine Tempo-30-Zone?
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Das Design der 30 Tracks ist ausgesprochen gut gelungen, auch wenn die einzelnen Abschnitte gelegentlich nicht gut genug einsehbar sind und man sozusagen blind ins Blaue hinein fährt und dadurch den einen oder anderen ungeplanten Crash hinlegt. Das gilt auch für die waghalsigen Sprünge, bei denen man vor der Rampe nicht erkennt, wie hoch oder weit es uns hinauskatapultieren wird.

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Halt, bleib hier!
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Dieser Umstand hängt letztendlich auch von der Art des Rennens ab. Pure bietet in der im Mittelpunkt stehenden World Tour nicht nur ein Dutzend unterschiedlicher bildhübscher Hintergrundlandschaften, sondern vor allem auch drei verschiedene Rennmodi mit alterierenden Zielen: Rennen, Sprint und Freestyle. Während euch bei Rennen ein Mix aus saftigen Sprüngen und Speedracing herausfordert, bleibt die Trickkomponente und damit das Sprungerlebnis bei Sprint eher gering. Hier wären enorme Sprünge ohnehin dem Sprintcharakter abträglich, und so geht es nur darum, die kurzen Rundkurse möglichst schnell abzuschließen.

Bei Freestyle ist es dagegen wurscht, wer die Ziellinie als Erster passiert. Hier trickst ihr, was das Zeug hält, und erhaltet dafür Punkte, die ihr zudem mit einsammelbaren Multiplikatoren deutlich aufwertet. Ihr habt dafür so lange Zeit, bis euch der Sprit ausgeht und könnt die Fahrzeit daher durch das Sammeln entsprechender Objekte verlängern.

Ab in die Werkstatt

Insgesamt ist die Kontrolle über die ATVs sehr direkt ausgefallen und daher fällt es nicht schwer, sie über die sandigen und matschigen Untergründe zu bugsieren. Dem Arcade-Feeling kommt dabei entgegen, dass es praktisch kein Driften gibt, was das Ansteuern der Rampen sicherlich erschweren würde.

Die Grafik ist ein echter Traum - nur beim Umfang hätten die Entwickler noch wenig zulegen können.Fazit lesen

Schließlich müsst ihr eure Fahrzeuge vor den Sprüngen "vorladen", ihr zieht den linken Analogstick dazu nach unten. Entsprechend gut umgesetzt wurde auch das Geschwindigkeitsgefühl, das euch ein gutes Feedback zu eurem dahinrasenden Gefährt gibt. Allerdings beeinflusst ihr zu einem gewissen Grad selber das Handling eures Quads, denn schließlich baut ihr die Vehikel in eurer Garage eigenständig zusammen.

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Mist, jetzt ist das T-Shirt wieder dreckig geworden!
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Die Werkstatt ist leider ein wenig unübersichtlich geraten und wem absolut die Geduld fehlt, sich sein ideales Fahrzeug aus zig Teilen zusammenzubasteln, wählt den Automatik-Modus, bei dem die Module des Offroaders vom Spiel vorgegeben werden. Durch Erfolge erhaltet ihr bei Pure im Laufe der Rennkarriere Dutzende neuer Teile und Upgrades, mit denen ihr die Quads ausbaut oder gleich komplett neue Fahrzeuge bastelt. Das ist in späteren Rennen auch durchaus notwendig, da auch die Konkurrenz aufrüstet und dann beispielsweise mit stärkeren Motoren unterwegs ist.

Auch wenn das Streckendesign überwiegend sehr abwechslungsreich ausgefallen ist und sich die Topografie teilweise deutlich unterscheidet, bleibt nach recht kurzer Zeit dennoch der Eindruck hängen, dass sich Vieles wiederholt. Daran ändern leider auch die alternativen Routen auf jeder Piste nur wenig. An der hübschen Landschaft, die man vor allem bei den sehr hohen Sprüngen genießen kann, hat man sich recht schnell sattgesehen. Ansonsten überwiegen zu häufig die gelb-braunen Töne der meist wüstenähnlichen Umgebung.

Der Einzelspielermodus bietet zudem leider nur die World Tour (wenn man mal vom Übungsmodus absieht) und damit recht wenig Abwechslung. Veteranen werden diesen Spielteil in wenigen Stunden abgehakt haben. Wer sich gerne mit anderen Spielern ins Getümmel wirft, kann online immerhin noch gegen bis zu 15 andere Gamer antreten, bei Bedarf übernimmt die KI und füllt das Starterfeld auf. Im Praxistest erwies sich der Netcode als recht stabil, größere Lags oder andere Unterbrechungen sind uns nicht aufgefallen. Unverständlich ist jedoch, warum man das Spiel nicht gemeinsam mit einem Kumpel zocken darf.