Psychotoxic (PC-Test)
(von Patrick Streppel)

Kein Genre ist derzeit so heiß umkämpft und zugleich mit so vielen Top-Titeln bestückt wie Ego-Shooter - nach Far Cry und Doom 3 stehen mit Half-Life 2 und Stalker zwei weitere Toptitel vor der

Tür. In diesem Haifischbecken tummelt sich nicht nur der ein oder andere kleine Fisch aus Russland, sondern auch der Erstling vom Hannoveraner Team NuclearVision. Hat Psychotoxic den richtigen Biss?

Psychotoxic - Psychotoxic Trailer

Psychotoxic - Abgedrehte Traumwelten, Spannende Story, geballte Action!

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Ego-Shooter aus Deutschland wurden seit jeher mit großer Skepsis bedacht (wer Skout von Soft Enterprises in Erinnerung hat, der weiß warum), doch seit Far Cry ist alles anders. Der Toptiel aus Coburg schwemmte mit atemberaubender Grafik, stimmigem Karibik-Szenario und anspruchsvollem Gameplay alle Vorurteile hierzulande wie auch in Übersee hinfort. Um so gespannter war manch einer auf Psychotoxic - ebenfalls der Erstling eines deutschen Teams. Trotz vieler guter Ideen wurde der Anschluss an die internationale Elite aber um Längen verpasst.

Ein Engel auf Erden
Hauptdarstellerin des deutschen

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Shooters ist die junge Angela Prophet, die dem Babes-Fieber der letzten Jahre zum Trotz mal mit einigermaßen realistischen Proportionen und insgesamt ganz süß daherkommt.

Miss Prophet - Spitzname Angie - hat dafür ganz andere Talente: Sie kann die Zeit verlangsamen, sich unsichtbar machen oder selbst heilen - vorausgesetzt die Engelskraft gibt es her und ein entsprechendes Update wird gefunden. Angies wichtigste Fähigkeit ist es jedoch, sich in die Gedankenwelt anderer zu versetzen - was viele Frauen von sich ohnehin behaupten mögen, ist hier jedoch wörtlich gemeint.

Die Mind Jacking-Fähigkeiten der hübschen Brünetten werden jedoch auch schon bald benötigt, denn die Welt um sie herum versinkt im Chaos. Was genau das bedeutet - geschweige denn das warum - sind zu Anfang in tiefer Dunkelheit verborgen, aber schon am Ende des ersten Levels wird klar, dass immer mehr Menschen den Verstand verlieren. Die, die nicht wie wild auf sie schießen, hüpfen wie wildgewordene Hühner umher oder vegetieren in einer Bewegung verharrt vor sich hin - befragen kann sie Angie jedoch nicht mehr.

Schlecht geträumt
Um dennoch an Informationen zu kommen, begeben wir uns auf eine

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atemberaubende Reise in die abgedrehten Träume dieser Menschen. Die Bandbreite ist so groß wie die Kreativität der Leveldesigner:

Mal schießen wir in einer bizarren Medal of Honor-Variante auf mutierte Kühe, aus deren Euter Bleigeschosse kommen, mal jagen wir Gespenster in einer finsteren Kathedrale oder weichen riesigen Stampfern aus.

Wir schlagen uns durch ein Matrix-ähnliches Computerlevel, tauchen hinab zur Nautilus, laufen im Horror-Hotel dem Tod davon oder zerstören Plattenspieler in einer Comic-Welt - so viel Abwechlung und so viele frische Ideen gibt es in Spielen nur noch selten. Das New York der Zukunft, das die eigentliche Geschichte beherbergt, ist relativ realistisch gehalten. Auch in der realen Welt bemühen sich die Designer um Abwechselung: Vom Central Park über die Freiheitsstatue, von der Kanalisation bis zu einem Frachtschiff, von einem Museum bis zu den Katakomben darunter wird so ziemlich alles geboten. Mal schießen wir aus einem Hubschrauber heraus, mal müssen wir uns an Bord der Air Force One schleichen. Diese Bandbreite beinhaltet jedoch ein starkes Schwanken der Qualität: Einige Abschnitte sind äußerst hübsch und sprudeln vor Details, andere wirken eintönig, ja hingeschludert. Das Level in der abstürzenden Präsidentenmaschine ist leider ein Negativ-Beispiel dafür, wie man eine gute Idee verkorksen kann.

Standart-Gameplay
Bei so viel Abwechselung im Level-Design wirkt Psychotoxic in Sachen Spielmechanik altbacken: Es wird geballert was das Zeug hält, das Hirn aber nur wenig genutzt. Rätsel gibt es grundsätzlich nicht, es muss lediglich die Keycard für den nächsten Abschnitt gefunden werden. Diese ist auch nicht in der Tasche einer Person oder auf einem Schreibtisch versteckt, sondern

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schwebt - in der Größe eines Aktenordners - demonstrativ im Raum. Ähnlich intelligent verhalten sich die Gegner, die eher als Kanonenfutter dienen und erst in der Überzahl eine Herausforderung darstellen. Auch die Engelskräfte machen da keinen Unterschied: Wie eingangs erwähnt, kann Angie die Zeit verlangsamen, sich unsichtbar machen oder für kurze Zeit unverwundbar werden, doch spielerische Freiheit ermöglicht das nur bedingt, denn es darf nicht zwischen den Kräften gewechselt werden. Sprich: Sammeln wir das Unverwundbarkeitssymbol ein, hat es kurz darauf auch seinen Sinn.Bei Psychotoxic sollte man also weder anspruchsvolle Taktik noch nervenaufreibende Schocker erwarten, sondern ein Fragfest für die Mittagspause.

Himmel und Hölle
Was Psychotoxic ein wenig mehr Tiefe verleiht, ist die Handlung rund um die nahende Apocalypse und die Rolle eines übersinnlich begabten Mädels. Allen Klischees und Ungereimtheiten zum Trotz spielen die Entwickler geschickt mit der Frage, ob Angie nun ein Engel oder das Ergebnis eines Experiments, ob die Bedrohung das Werk des Teufels oder nur ein wissenschaftliches Versehen ist. Bis kurz vor dem Ende weiß man nicht so recht, was für

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einen Sinn alles hat und gemeinsam mit einigen überraschenden Wendungen hält diese Spannung die Motivation aufrecht.

Den ordentlichen Zwischensequen- zen steht leider die unterdurchschnitt- liche Sprachausgabe insbesondere von Angie gegenüber, die einige gut gemeinte Gags gnadenlos versenkt. Dass Nuclear Vision nicht das Budget eines Valve, Crytek oder ID Software hatte, wird auch an anderer Stelle deutlich: Abgesehen davon, dass die Vision-Engine von Trinergy nicht mehr ganz zeitgemäß ist, wurde vor allem bei den Charaktermodellen gespart. Immer wieder treffen wir auf die gleichen FBI-Agenten, Zombies oder Spinnen, denen es insgesamt an Details mangelt. Animationen wirken steif, die KI ist kaum vorhanden und die Physik hat auch ihre Fehler - da fehlte wohl die Manpower für die letzte Portion Feinschliff.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:
+ abwechselungsreiche Level + abgedrehte Traumwelten und Gegner + spannende Geschichte

Cons:
- Grafikqualität schwankt stark - Macken bei Physikengine + KI - mieserable Sprachausgabe - kein Mehrspielermodus

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oder Spinnen, denen es insgesamt an Details mangelt. Animationen wirken steif, die KI ist kaum vorhanden und die Physik hat auch ihre Fehler - da fehlte wohl die Manpower für die letzte Portion Feinschliff.

Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:
+ abwechselungsreiche Level + abgedrehte Traumwelten und Gegner + spannende Geschichte

Cons:
- Grafikqualität schwankt stark - Macken bei Physikengine + KI - mieserable Sprachausgabe - kein Mehrspielermodus