Psychonauts (PC Review)
von Nedzad Hurabasic

Über vier Jahre und zwei Publisher benötigte das Jump 'n Run Psychonauts, um das Licht der Welt zu erblicken. Die lange Entwicklungszeit hat dem Spiel, das von dem Erschaffer von "Grim Fandango" und "Day of the Tentacle" stammt, aber nicht geschadet.

Im Gegenteil. Das Plattform-Genre wird von diesem kreativen Spiel neu belebt und kann mit seinem kinderleichten Gameplay und moderatem Schwierigkeitsgrad überzeugen. Abgefahrene Gedankenwelten und eine farbenfrohe, abwechlungsreiche Umgebung runden das interessante Spielgeschehen ab.

Psychonauts - Movie Trailer

Fast jeder kleine Junge will einmal Astronaut werden. Natürlich erfüllt sich nur bei den wenigsten dieser Traum. Ähnlich geht es auch dem Protagonisten des Spiels, Razputin - genannt "Raz". Allerdings will er nicht die unendlichen Weiten des Alls, sondern die wirren und manchmal auch chaotischen Gedankenwelten erforschen - also Psychonaut werden. Mit diesem Ziel ist der mit übersinnlichen Fähigkeiten geborene Frechdachs zuhause ausgebüchst, denn dort ist ihm deren Anwendung verboten worden. Um als international übersinnlicher Geheimagent aktiv zu werden, schließt er sich dem Trainingscamp der Psychonauten an und nichts, nicht einmal die Drohungen des Oberfieslings oder ein mysteriöses, grauenvolles Monster aus dem See, das Kinderhirne verspeist, kann ihn daran hindern.

Bevor sich Raz aber Psychonaut nennen darf, muss er natürlich diverse Abenteuer bestehen und zunächst einmal das Trainingscamp überstehen, in dem er die Grundlagen des Agentenlebens erlernt.

Psychonauts - Das geniale Jump and Run von den Grim Fandango Machern im Test!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 10/151/15
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Als jungem Rekruten stehen ihm aber noch nicht viele Funktionen zur Verfügung. Lediglich zwei Nahkampfhiebe dienen ihm zur Verteidigung bzw. zum Angriff, doch um die ersten Aufgaben zu meistern, ist dies völlig ausreichend. Der Spieler kann sich fast völlig frei in der Fantasy-Welt bewegen und kann selbst entscheiden, wann er sich den verschiedenen Aufgaben stellen möchte. Alternativ kann er auch einfach die Umgebung erkunden, denn auch dort gibt es allerlei zu erleben und vieles zu entdecken. Alle "Level" spielen sich dabei in den Köpfen von verschiedenen Spiel-Charakteren ab, in die unser Held eingespeist wird, wenn ihm danach ist.

Psychonauts - Das geniale Jump and Run von den Grim Fandango Machern im Test!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 10/151/15
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Keine dieser Welten ähnelt der anderen, was ja auch logisch ist. Schließlich verfügt jedes Individuum über seine eigenen gedanklichen Abgründe oder Schlaraffenländer und so ist das auch in Psychonauts. Die erste Aufgabe, der Raz sich stellen muss, wird vom Coach Morceau "Morry" Oleander gestellt. Das "Hirntraining für Anfänger", ein Hindernisparcours, dient quasi als Tutorial, in dem die verschiedenen Aspekte des Spiels leicht verständlich in der Praxis nachvollzogen werden können. Hüpfen, Klettern, Seiltanzen, Trapezkünstler - die Vielfalt der Aufgaben ist so umfassend, dass sie hier kaum wiedergegeben werden kann.Und auch nicht soll, denn schließlich sollt ihr beim Spielen ja auch noch die eine oder andere Überraschung aufdecken.

Auf seinem Weg durch die Level muss der angehende Agent sich nicht nur verschiedenen Herausforderungen stellen, auch viele Gegenstände wollen auf- und eingesammelt werden. Zum einen dienen sie, wie die "Pfeilspitzen", dem wackeren Gehirnakrobaten als Währung, die er für spezielle Objekte eintauschen kann oder ihm sogar beim Aufstieg in die nächsthöhere "Psi-Kadettenstufe" ermöglichen (PSI-Aufstiegsmarkierungen oder PSI-Karten). Die höchste erreichbare Stufe ist 100, bis dahin, respektive bis zum Ende des Spiels, benötigt der Spieler etwa 12 Stunden. Darüber hinaus gibt es noch eine große Anzahl anderer auffindbarerer Objekte, die beispielsweise für eine Schnitzeljagd benötigt werden und zur Belohnung ebenfalls mit Levelaufstiegen belohnt werden.Dies sind jedoch alles "weltliche" Dinge, also Gegenstände, die der realen Welt entspringen. Psychonauts teilt sich aber in zwei Ebenen: Die "reale" Welt und die "mentale", die sich in den Köpfen der Figuren abspielen. In der "anderen" Welt sammelt der Spieler vor allem "Trugbilder" (100 Stück für einen Levelaufstieg) oder auch "geistigen Müll", Spinnweben, Erinnerungen und auch "Astrale Schichten". Wenn ihm die Letztgenannten ausgehen und auch die Gesundheit darnieder liegt, wird er aus dem Geist gekegelt, in dem er sich gerade befindet. Geistige Gesundheit wird per Anzeige von Hirnen dargestellt.

Wenn Raz Schaden nimmt, verliert er jeweils 1/4 der Gehirnflüssigkeit (lecker!). Für den Fall, dass er noch über genügend Astrale Schichten verfügt, wird er beim Verlust von geistiger Gesundheit lediglich zum letzten Checkpoint zurückgeschickt. Andernfalls wird er in die reale Welt zurückgeschickt.

Psychonauts - Das geniale Jump and Run von den Grim Fandango Machern im Test!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 10/151/15
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Je weiter das Spiel fortschreitet und desto höher Raz aufsteigt, umso mehr Fähigkeiten erhält er von seinen Ausbildern. Neben den Nahkampf-Schlägen stehen ihm später eine ganze Palette von PSI-Fähigkeiten zum Einsatz zur Verfügung. Dazu zählen beispielsweise Pyrokinese, Telekinese, Unsichtbarkeit oder Schweben (Levitation). Doch um diese Fähigkeiten einsetzten zu können, muss sich der Held erst einigen Prüfungen unterziehen, die einen wesentlichen Teil der Kadettenausbildung darstellen und bei entsprechenden Leistungen mit einem Abzeichen belohnt werden.

Psychonauts - Das geniale Jump and Run von den Grim Fandango Machern im Test!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 10/151/15
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Jedes Abzeichen setzt dabei bestimmte Kadettenstufen voraus, sodass Raz nicht zu früh zu mächtig wird. Außerdem kann er immer nur drei der Fähigkeiten gleichzeitig einsetzen und muss daher genau abwägen, gegen welche Feinde oder Hindernisse sie effektiv sind und dann eine Auswahl treffen.

Das Gameplay besteht in beiden Welten aus Kombinationen von Jump 'n Run-Einlagen und Plattform-Rätseln, die sehr abwechslungsreich gestaltet sind und somit zu keiner Zeit Langeweile aufkommen lassen. Es ist schon bemerkenswert, mit welchem Einfallsreichtum gerade die teilweise abstrusen und bizarren Gedankenwelten der verschiedenen Figuren gestaltet und animiert sind.Nur selten stellt der moderate Schwierigkeitsgrad den Spieler dabei vor größere Probleme. Hin und wieder benötigt es lediglich einen zweiten Anlauf ein Rätsel zu lösen, weil auf den ersten Blick schlichtweg der Durchblick gefehlt hat. Oder die Perspektive nicht optimal gewählt werden kann. Dies ist auch der einzige wirkliche Schwachpunkt des Spiels. Da die Spielfigur meist aus der dritten Person-Ansicht gesteuert wird, ergeben sich Situationen, in denen die Kamera sich leider fest in einem bestimmten Blickwinkel einpendelt und auch durch Drehungen und Wendungen des Spielcharakters nicht in einen günstigeren Beobachter-Status umschwenken lässt.

Das stellt den Spieler zwar vor keine unüberwindbaren Probleme, nervt aber bisweilen ein wenig. Insgesamt sind die einzelnen Level zwar durchaus linear aufgebaut, doch immer scheint es auch einen zweiten Weg zu geben, der zum Ziel führt.Außerdem gibt es unzählige Geheimräume, Abkürzungen, Umwege und versteckte Gebiete, sodass der direkte Weg nicht immer der beste sein muss.

Abgesehen davon ist das Spiel absolut gelungen. Die Grafik ist zwar nicht das Non-Plus-Ultra, stellt die Fantasy-Umgebung aber dennoch gekonnt und überzeugend dar, ohne zu sehr in kitschige Bilder zu verfallen. Die Effekte der Spezialkräfte und die abgefahrenen Gedankenwelten sind an farbenfrohen und detailreichen Landschaften kaum zu überbieten und bieten eine Menge fürs Auge.

Noch besser ist vielleicht die Soundausgabe gelungen, die Figuren plappern unentwegt miteinander, ohne dass die eigene Spielfigur unbedingt ins Geschehen oder ins Gespräch eingreifen müsste.

Psychonauts - Das geniale Jump and Run von den Grim Fandango Machern im Test!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 10/151/15
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

So entsteht das Gefühl einer lebendigen Spielwelt, in die der Spieler sich jederzeit einbringen kann. Abgesehen davon sind viele Dialoge nicht nur durchaus interessant sondern auch mit massig Wortwitz versehen. Prima!