Besonders lange mussten wir nicht warten: Nur wenige Wochen vergingen zwischen der Ankündigung und der Auslieferung der PlayStation 4 Pro, die schon diese Woche für 399 Euro in den Ladenregalen stehen wird. Was Sonys neue Kiste unter der Haube hat und für wen sich die Anschaffung lohnt, lest ihr in unserem Special.

Schon komisch: Wenn man von der PS4 Pro und ihrer Leistungssteigerung hört, erwartet man einen großen Klotz von Konsole, der im Betrieb laut von sich hinsurrt. Nun ja, leise ist die PS4 Pro wirklich nicht. Einmal auf Hochtouren gebracht, ist der Lüfter deutlich zu hören. Und dann lasst mal das Laufwerk einsetzen... Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist die PS4 Pro!

Äußerlich kommt die neue Konsole jedoch vergleichsweise bescheiden daher. In Länge, Breite und Höhe ist sie kaum sichtbar größer als das Ursprungsmodell der PS4. Gerade mal 33 cm in der Länge, 30 cm in der Breite und 5,5 cm in der Höhe nimmt sie ein. Schnuckelig!

Hauptmerkmal zur Unterscheidung zwischen der jüngst veröffentlichen „Slim“-PS4 und der Pro-Variante sind drei anstelle von zwei Gehäuseschichten; anderweitig hält man sich an das etablierte Design mit den schrägen Kanten an der Front und an der Rückseite. In mancher Hinsicht bedauerlich. Wer öfter mal Kabel wechseln muss – zum Beispiel für Video-Aufnahmen an Capure-Geräten – ärgert sich genau wie beim Original darüber, dass man keinen der Anschlüsse mit einem Blick von oben ausmachen kann. Schnell mal das Netzwerkkabel einstecken, ein optisches Audio-Kabel einführen oder einen Datenträger in die hintere USB-Buchse einschieben? Bei diesem Gerät nur möglich, wenn man die Konsole komplett umdreht, um sie direkt von hinten zu betrachten. Leider etwas umständlich, die ganze Angelegenheit, wenn auch für Durchschnittsspieler, die ihre Konsole nur ein Mal ordentlich verkabeln, zu vernachlässigen.

PS4 Pro - Pseudo-4K und HDR: Sonys Kraftpaket im Test

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Der direkte Vergleich zeigt: Das neue Modell ist nur geringfügig größer als die alte PS4.
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4K oder nicht?

Äußerliches? Pah! Was zählt, steckt doch unter der Haube! Allerdings wurde nicht verbaut, was technisch möglich oder angemessen wäre, sondern was angesichts der magischen Preisgrenze von 399 Euro möglich war. Dass diese Preispolitik bei Sony hohe Priorität genießt, sah man schon bei der Einführung der Grundfassung der PS4 und beim Start des Virtual-Reality-Headsets PSVR. Ob es genügt, um UHD-Grafik auf die Mattscheibe zu zaubern, darf jedoch bezweifelt werden.

AMDs GCN-Grafikchip springt zwar von der zweiten auf die vierte Generation und bringt dadurch doppelt so viele Shader und Textureinheiten mit, doch angesichts der marginalen Übertaktung der noch immer tonangebenden Jaguar CPU bleiben die Flaschenhälse der Grundstruktur weiterhin erhalten. Mit verdoppelter Rechenkraft viermal so viele Pixel darstellen wie bisher? Technisch nicht möglich, daher werden nur sehr wenige Spiele echte 4K-Qualität auffahren. 4,2 Teraflops sind dafür zu wenig. Ähnlich wie bei der Xbox One S kommt die Ausgabe in 2160p vornehmlich durch geschicktes Hochskalieren zustande.

Der größte Unterschied zur Xbox One S ist allerdings die Basis der Grafik. Microsofts Upscaling basiert auf 1080p-Grafik, die nur dann fehlerlos und sauber aussieht, wenn verdammt gute Kantenglättungsmethoden angewendet werden. Ein positives Beispiel dafür wäre Gears of War 4. Im Gegenzug wird Sonys PS4 Pro es erheblich leichter haben, eine hohe Upscaling-Qualität zu bewahren, denn dank der gesteigerten Rechenkraft basiert die 4K-Ausgabe je nach Spiel und Hersteller auf 1440p oder 1800p. Die Lücke zu den ausgegebenen 2160p füllt eine geschickte Hochrechnungsmethode, die als Schachbrettsystem oder „Checkerboard Scaling“ bekannt ist.

PS4 Pro - Pseudo-4K und HDR: Sonys Kraftpaket im Test

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Schickes Schwarz und deutlich stärker als das alte Modell: PS4 Pro.
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Funktioniert relativ simpel: Statt alle Pixelwerte schlicht zu verdoppeln und Farbwerte zu vermischen, was in einer leichten Unschärfe resultiert, wird nur jeder zweite Pixel auf den benachbarten hochgezogen. Alle dazwischenliegenden Pixel werden neu berechnet. So kommt ein Kompromiss zwischen Nachbearbeitung und Neuberechnung zustande, der saubere Kanten ohne Blur-Effekt garantiert. Das Ergebnis ist selbstverständlich nicht so scharf wie echtes 4K, aber das dürften nur extrem akribische Adleraugen in Hardware-unterstützten Analysen mit absoluter Sicherheit erkennen.

Etwas auffälliger dürfte die wenig gestiegene Texturqualität werden, denn mit mickrigen 8 Gigabyte, die sowohl für Arbeitsspeicher als auch für Video-Speicher herhalten müssen, wird kein Platz für Texturen bleiben, die für echte 1800p-Qualität ausreichen. Ganz zu schweigen von 2160p. Sony spendierte der PS4 Pro zwar ein weiteres Gigabyte RAM, doch das basiert auf günstigem und langsamerem DDR-3-Speicher. Dieser Nachtrag soll Platz für das Betriebssystem und Nebensächlichkeiten wie Screenshots und Video-Aufnahmen freischaufeln. Ein mickriges Gigabyte ist sicherlich mehr als nichts, aber auch nicht genug für eine Steigerung, die viermal mehr Pixel als bisher mitbringen soll. Sollten die Gerüchte stimmen, dass Microsoft im Xbox One „Scorpio“-Modell ganze 12 Gigabyte RAM verbaut, wird der Unterschied in der Grafikqualität anhand der Texturen stark zur Geltung kommen. Aber das ist ja noch Zukunftsmusik. Die PS4 Pro ist hingegen jetzt schon da und kann augenblicklich das Weihnachtsgeschäft mit harten Fakten dominieren.

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