Den Vorhang zu und alle Fragen offen: Nach einer gefühlten Ewigkeit hat Sony einen Deckel auf die Gerüchte der vergangenen Monate gemacht und mit der PS4-Pro-Ankündigung Tacheles geredet – zumindest theoretisch. Tatsächlich allerdings flirren seither nur noch mehr Fragen durch den Äther: Ist die neue PlayStation der kommenden Scorpio technisch nicht deutlich unterlegen? Welchen Sinn hat die Slim-Version bei einem Preisunterschied von gerade einmal 100 Euro? Ist das Rennen dieser Konsolengeneration wirklich schon gelaufen?

Die Redaktion im Streitgespräch

PS4 Pro vs. Xbox Scorpio - Die Karten werden neu gemischt: Ist das Konsolenrennen wieder offen? – Ein Streitgespräch

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Das ist Sonys neues Schmuckstück. Das Design ist, wie vieles an der Konsole, wenig spektakulär, aber zumindest konsequent.
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Es ist mittlerweile Tradition, die Kollegen nach einer großen Ankündigung wie jener vom Mittwochabend direkt anzuschreiben: „Und, wie fandest du die Show?“ Für gewöhnlich schließt sich an diese einleitende Frage eine Folge gegenseitiger Zustimmungen an: „Sehe ich ähnlich.“ – „Jupp, meine Rede.“ Das Destillat solcher Gespräche könnt ihr in den meisten Fällen kurze Zeit später in Form einer Kolumne auf gamona lesen.

Im Falle der PS4 Pro war sich unsere Redaktion allerdings uneins. Bis auf einen Punkt: Sony hat mit dem Konsolen-Update nur so viel getan wie unbedingt nötig – ein Wagnis sieht anders aus. Auf dem 40-Millionen-Polster verkaufter PS4-Geräte haben die Japaner auch keinen Grund, ein unnötig hohes Risiko einzugehen, das tun sie dieses Jahr bereits mit der PlayStation VR. Mit angezogener Handbremse könnte sich jedoch Microsoft wieder im Windschatten heransaugen, sobald die Xbox Scorpio nächstes Jahr erscheint. Oder ist es dafür bereits zu spät? Die Redaktion im Streitgespräch.

Denis: Interessant: Einige unserer Kollegen sehen die PS4 (Pro) schon als Gewinner dieser Generation.

Gregor: Womit sie recht haben. Die Scorpio wird den Abstand vielleicht verringern (wenn überhaupt), aber es würde schon an ein Wunder grenzen, könnte Microsoft den verlorenen Boden noch einmal gutmachen.

Denis: Das mag stimmen, doch der Kampf ist noch nicht vorbei, so oder so. Wenn ich so etwas schon höre: „Microsoft kann gleich einpacken.“ Als ob dieses Konkurrenzverhältnis keinen Bestand mehr hätte.

Gerade all jene, die in den vergangenen Monaten und Jahren gemeckert haben, dass die One der PS4 technisch immer einen Schritt hinterher war, müssten, wenn sie keine Maulhelden wären, zur Scorpio übersiedeln, sobald sie erscheint.

Gregor: Aber genau das wird nicht passieren, weil sich die Leute in dieser Generation für ein Lager entschieden haben. Da müsste die Scorpio schon eine kraftvolle Mördermaschine zum Hammerpreis werden. Ob sie ihre Leistung allerdings auf die Straße bekommt, ist eine andere Frage. Ich zweifle nämlich daran, dass allzu viele Entwickler für PS4/One, PS4 Pro und Xbox Scorpio parallel optimieren. Und ein paar Microsoft-Exklusivspiele reichen da nicht, um die Leute zum – vermutlich äußerst kostspieligen – Wechsel zu animieren, Leistungsplus hin oder her.

Denis: Der Witz ist ja, dass für die Pro ebenfalls kaum optimiert werden dürfte. Siehe Tomb Raider. Das hat zwar auf der PS4 Pro unterschiedliche Grafikoptionen, läuft aber bei entsperrter Bildrate ohne Zusatzeffekte auch nur auf etwa 45 FPS. Immerhin mehr als 30, aber eben nicht das Höchste der Gefühle. PC-Spieler lachen sich da wieder ins Master-Race-Fäustchen.

Gregor: Zumindest wird nicht übermäßig gründlich optimiert, würde ich vermuten – gerade zu Beginn, wenn die Verbreitung der Konsole noch gering ist.

Denis: Da wird ein wenig rumgepatcht und zweigleisig gefahren. Ich gehe davon aus, dass die Scorpio irgendwann das neue Leadsystem wird, weil sie über ein Drittel mehr Leistung unter der Haube als die PS4 Pro haben soll. Ganz zu schweigen von genug Arbeitsspeicher für natives 4K. Deswegen kann ich all denen auch nicht zustimmen, die den Generationenkampf bereits entschieden sehen. Ich sehe nur ein großes Problem für Microsoft: Zeit.

Gregor: Ich denke eher, es wird maßgeblich vom Verkaufspotential (und natürlich der späteren Hardware-Verbreitung) abhängen, dass die Entwickler in den Kisten sehen. Eigentlich hat Microsoft nur eine Chance: Die Scorpio muss dermaßen viel stärker sein, dass selbst zockerfremde Personen auf den ersten Blick einen gravierenden Unterschied zu Pro-Spielen erkennen – trotz möglicher schlampiger Optimierung. Alles andere ist nur marginaler Kleinkram.

PS4 Pro vs. Xbox Scorpio - Die Karten werden neu gemischt: Ist das Konsolenrennen wieder offen? – Ein Streitgespräch

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Der auf der E3 angekündigte Zombieschnetzler Days Gone soll besonders stark von der Pro-Leistung profitieren.
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Ganz nebenbei finde ich es gleichermaßen amüsant wie bezeichnend, dass nun ausgerechnet jene Generation, der man ohnehin vorwirft, alten Wein in neuen Schläuchen zu servieren bzw. ein Remake nach dem anderen ins Spieleregal zu werfen, selbst eine Neuauflage in Form der PS Pro (und mit Abstrichen, das muss sich noch zeigen, der Scorpio) erhält. Die Konsolen sind ihre eigenen Remaster-Versionen geworden.

Denis: Das liegt aber leider auch am Hardware-Hunger dieser Generation. Da Fanboys aller Fraktionen nur noch darauf erpicht sind, den Grafik-Schwanzvergleich als Leistungsmaßstab zu akzeptieren, richtet sich die Branche selbstredend danach. Damit steigen die Kosten und das Verlustrisiko. Unter solchen Umständen ist es verdammt schwer, Innovationen zu entwickeln. Jeder Fehlschlag wäre mit einer finanziellen Pleite gleichzusetzen, da Grafik im Vergleich mit dem Spielablauf inzwischen das Drei- bis Vierfache an Entwicklungskosten verschlingt.

Um aber zum eigentlichen Punkt zurückzukommen: Microsoft darf mit der Veröffentlichung eben kein Jahr mehr warten. Wenn sich PS4 und PS4 Pro fünfmal mehr absetzen ist klar, auf welchen Geräten der Fokus liegt. Aber darum sage ich ja: Microsoft darf nicht bis Weihnachten nächsten Jahres warten – sie müssen das Ding im März raushauen. Wenn der Pro-Userbase ein Jahr oder mehr Zeit eingeräumt wird, um zu wachsen, wird es schwer bis unmöglich, das noch aufzuholen.

Gregor: Keine Widerrede.

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