Ich habe sie mir verdient. Zwei rechtzeitig vorbestellte Konsolen und der einzige, pünktlich zum 29. November gefüllte Briefkasten gehörte meinen Mails: „Ware nicht verfügbar“. Auch das sechsstündige Ausharren in klirrender Kälte zum exklusiven Vorverkauf am Berliner Sony Center war vergebens. Erst nach drei weiteren Wochen und einer U-Bahn-Fahrt durch die halbe Stadt mit unhandlichem Killzone-Bundle unterm Arm und der paranoiden Angst im Hinterkopf, jeden Augenblick beklaut zu werden, war es soweit. Und all die Mühen nur für die eine, späte Erkenntnis: Es hat sich nicht gelohnt.

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Ließ sich genau genommen bereits im Vorfeld absehen – Anzeichen dafür gab es genug –, aber es war doch fast alles so wie früher. Ohne vorab auch nur einmal selbst Hand an Sonys neue Daddelkiste gelegt zu haben, stellte sich, je näher die PS4-Veröffentlichung rückte, endlich wieder jenes Kribbeln ein, das ich beinahe verloren wähnte. Sind Videospiele nicht mehr Freizeitspaß, sondern das, womit man seinen Lebensunterhalt verdient, ist's bald Essig mit der unschuldigen Vorfreude auf neue Spiele oder Konsolen. Zugegebenermaßen ein Luxusproblem, aber trotz der Kenntnis darüber immer noch genau das: ein Problem.

Vielleicht habe ich die Anzeichen für die drohende Enttäuschung deshalb einfach geflissentlich ignoriert, mich stattdessen ganz auf das Zählen der Tage, das Platzschaffen im Wohnzimmer konzentriert. Eben auf den leidenschaftlichen Kram, den jeder kennt, der in Videospielen mehr sieht als einen bloßen Zeitvertreib.

Next-Gen-Enttäuschung - Warum ich mir die PlayStation 4 nicht noch einmal kaufen würde

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Zumindest den aktuell spannendsten Aspekt der PS4 könnt ihr im Laden kaufen: den DualShock 4.
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Unbefriedigte Bedürfnisse

Während ihr diese Zeilen lest, schrauben sich die Xbox-One-Konsolen in den Elektronikmärkten kontinuierlich in die Höhe, während von Sonys Gegenstück nicht viel mehr Hardware verfügbar ist als der überteuerte DualShock-4-Controller. Selbst Amazon kann bis jetzt keine konkrete Auskunft darüber geben, wann der japanische Beitrag zur nächsten Generation wieder ausgeliefert werden kann. Mit künstlicher Verknappung hat das nichts zu tun, mit übersteigerten Erwartungen der Konsumenten und einer brillanten Marketingmaschinerie schon eher.

Sony selbst hat stetig Kohlen nachgeworfen, um das Feuer der Erwartungen auf höchster Flamme lodern zu lassen, hat Wünsche und Bedürfnisse in vielen von uns geweckt, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie überhaupt hegten. Kein Vorgehen, dessen Verurteilung gerechtfertigt wäre und dennoch maßgeblich für die leichte Next-Gen-Lethargie verantwortlich, die sich hier und da breitmacht. Selbstgefällige Floskeln wie „Genau das habe ich von Anfang an prophezeit!“ mögen nicht ganz unangemessen sein, sind letztlich aber doch nur Stimmungsmache und Beleg für die dogmatische Denkweise einiger. Bist du nicht meiner Meinung, musst du automatisch Unrecht haben.

Im Nachhinein ist es nicht ganz einfach, mit den Finger auf einen konkreten, entscheidenden Augenblick zu deuten. Es gibt kein Erweckungserlebnis, keinen Moment, ab dem der Glanz des Neuen plötzlich abgeblättert war. Und obwohl es leicht wäre, den schleichenden Prozess der Entzauberung der mauen Spielauswahl zuzuschieben, würde dies am eigentlich Grund der Enttäuschung doch vorbeigehen.

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Knack ist kaum mehr als eine aufgeblähte Technikdemo und ein exemplarisches Beispiel dafür, was bei der PS4 gerade schiefläuft.
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Bessere Technik macht noch keine neue Generation

Bereits zum Start von Xbox 360 und PlayStation 3 gab es nicht die eine Killerapplikation. Wer zuletzt beim ersten Einschalten einer Konsole aus dem Stegreif durch neue Ideen, bislang nie dagewesenen Mechaniken und technische Sprünge davon überzeugt war, in einer neuen Generation angekommen zu sein, hatte sehr wahrscheinlich Halo 1 im Laufwerk seiner Xbox. Beinahe alle späteren Fortschritte entwickelten sich kontinuierlich im Hardwarezyklus der jeweiligen Plattform. Warum werden Xbox One und PlayStation 4 dafür abgestraft, ebenfalls in dieser Tradition zu stehen?

Beinahe jeder andere Konsolen-Launch hatte etwas, das ihn auszeichnete – seien es Spiele, Technik oder bahnbrechende Features. Mit Super Mario 64 wurde uns schlagartig bewusst, warum wir dieses komische Teil, diesen wackeligen Stick auf dem Controller für dreidimensionale Welten unbedingt brauchten, die PlayStation 2 war durch den integrierten DVD-Player mehr als nur eine Zockerkiste und die gestochen scharfen Grafiken der Xbox 360 zeigten endlich, was der HD-Schriftzug auf dem sündhaft teuren Flachbildfernseher tatsächlich zu bedeuten hatte. Selbst Nintendos bislang blasse Wii U weckte dank cooler GamePad-Spielereien erheblich mehr von jenem Charme, der eine neue Konsole auszeichnen sollte.

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Nintendo kommt dem Next-Gen-Begriff mit der Wii U noch am nähesten.
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Und die Konkurrenz? Weder Sony noch Microsoft haben es geschafft, auch nur mit einem Aspekt ihrer Kisten das neugierige Erforschen der Spieler wachzukitzeln. So souveräne, funktionale, durchdachte Produkte PS4 und XO auch sein mögen, so langweilig und vorhersehbar sind sie auch. Das ist es, was man ihnen zum Vorwurf machen kann.

Ohne Zweifel werden wir noch dieses Jahr die ersten Must-Have-Spiele in die Finger bekommen. Findige Entwickler werden Möglichkeiten finden, das Plus an Leistung auch spielerisch gewinnbringend umzusetzen (hört, hört, Crytek!). Vielleicht lässt sogar Kinect endlich durchschimmern, wozu die Technologie in der Lage ist. Alles wird gut.

Bis es soweit ist, hole ich in Ruhe noch ein paar Highlights der vergangenen Generation nach, tausche PS4 wieder gegen PS3 aus und bleibe bei der späten Einsicht: Noch einmal würde ich mir die PlayStation 4 nicht zum Launch kaufen.

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