Schwarz, windschnittig, stylisch. Sonys PlayStation 4 ist in mehr als einer Hinsicht der Rennwagen unter den Next-Gen Konsolen. Außen schick, innen ein röhrender Motor. Nun ja, zumindest innerhalb ihrer Leistungsklasse, denn auch bei Sony definiert man die Vorzüge eines Generationssprungs auf ganz eigene Weise.

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Dieses Mal kommt alles anders. In den letzten Monaten umkurvte Sonys PR gekonnt alle Fettnäpfchen, wartete ab, verriet nicht zu viel. Ein Slalom, garniert mit allerlei Trickfiguren. Darunter humorvolle Seitenhiebe in Richtung Redmond und punktgenaue Wendungen in der DRM-Politik. Nicht zu vergessen: ein wenig Hilfe von gewissen Drittherstellern, die sich zu technischen Vergleichen hinreißen ließen.

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Keine Frage, der Systemstart der PlayStation 4 ging in den USA erheblich besser über die Bühne als der ihres leidgeplagten Vorgängers, und allem Anschein nach kommt es in Europa ähnlich. Der Hype ist gigantisch. Schon jetzt warnen viele Händler, dass ein Next-Gen-Weihnachten nur für Vorbesteller in Erfüllung gehen könnte. Allen anderen Interessenten droht Däumchendrehen bis Januar 2014 oder der Griff zu Xbox One und Wii U. Sollte trotzdem noch etwas für den Einzelhandel übrigbleiben, sind wohl bürgerkriegsähnliche Zustände zu erwarten.

Eine Rechtfertigung dafür steht aus, denn PlayStation 4 ist keine Wunderkiste. Sie führt die Entwicklung der Sony-Konsolen konsequent weiter, aber nicht an neue Ufer.

Ausgepackt

Konsolen definierten sich einst durch ihre Benutzerfreundlichkeit: auspacken, anschließen, loslegen. Leider ein Relikt der Vergangenheit, denn genau wie bei Microsofts Xbox One ist ein Update der internen Programme nötig, um Sonys PlayStation 4 vollständig in Betrieb zu nehmen. 325 Megabyte für das obligatorische Update 1.51 saugt die überraschend kleine Kiste über das Internet, bevor es richtig losgeht, sonst liest das Ding nicht einmal Blu ray-Filme.

PlayStation 4 - Sonys Flaggschiff im Praxistest

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Das Gehäuse der PS4 ist windschnittig geformt und macht auch auf dem Regal etwas her. Nur die winzigen Knöpfe zum Einschalten und Disc-Auswerfen könnten einen Tick auffälliger sein. Man übersieht sie schnell
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Sie aufzustellen geht fix über die Bühne. Mit etwa 27 x 30 cm Fläche und rund 5 cm Höhe wirkt sie weit weniger wuchtig als die „Fat Lady“ PlayStation 3 und fügt sich prima zwischen anderen Geräten ein. Das war es auch schon, denn das Netzteil schlummert unbemerkt im Gehäuse und nimmt keinen weiteren Platz weg. Ein Headset mit Earbud-Ohrhörern, das an den ebenfalls beigelegten Dual-Shock-4-Controller geklemmt wird, rundet das Grundpaket zum Preis von 399 Euro ab.

Netzwerkanschluss, HDMI-Bildausgang sowie eine Buchse für ein optisches Audiokabel zum Surround-Receiver zieren sauber geordnet die Rückseite des Hauptgeräts, wobei die windschnittige Form des Gehäuses höchstens stört, wenn man bei wenig Licht nach den Anschlüssen sucht. Eine weitere, mit „Aux“ betitelte Schnittstelle bleibt für den neuen, optional erhältlichen Bewegungssensor reserviert, der Microsofts Kinect nacheifert. Diese Kamera liegt uns jedoch nicht vor.

Netzwerkanbindung per W-LAN oder Kabel sowie die Übernahme eines vorhandenen PSN-Kontos (mitsamt allen Trophies, aber ohne gekaufte Inhalte) sind genauso schnell erledigt, denn Sonys Hardware akzeptiert USB-Tastaturen als Eingabehilfe. Zwei entsprechende USB-3.0-Ports befinden sich auf der Vorderseite neben dem Slot-In-Schacht für Blu-ray-Discs. Die Initiierung der dazu nötigen Treiber dauert allerdings überraschend lang. Sogar so lang, dass ungeduldige Naturen mangels Feedback womöglich aufgeben, bevor die Tastatur ihre Arbeit aufnehmen kann. Ein Hinweis der Sorte „Tastatur erkannt, bitte warten“ wäre hilfreich. Oder ein schnellerer Ladevorgang.

Funktionen und Bedienung

PlayStation 4 gibt ihr Bild ausschließlich digital per HDMI aus, und obwohl das HD-Zeitalter längst alle Ecken Europas erreicht, erweist sich Sony großzügig. Mehrere TV-Auflösungen zwischen 480p und 1080p werden unterstützt, inklusive Zeilensprung (interlaced) unter 1080i, was für Besitzer von HD-Ready-Geräten eine überlegenswerte Alternative zum gröberen 720p darstellt. Die bei Bewegung entstehenden Rasterkämme sind zwar alles andere als schön, aber wenigstens wirkt die Grafikausgabe ein wenig schärfer. Wer das Maximum herausholen will, braucht einen Full-HD-Fernseher für 1080p. Stereoskopisches 3D und 4K sind momentan noch Zukunftsmusik. Letzteres wird wenn überhaupt nur für Filme verwendet.

Beim ersten Einrichten sollte man außerdem die bestmögliche Farbtiefe samt Kontrastwert herausfummeln, die das verwendete HDTV-Gerät verarbeiten kann. In der Grundeinstellung der Konsole kommen nämlich arg verwaschene Farben zutage, die den Genuss der Grafik spürbar einschränken können. Den passenden Höchstwert kann die Maschine nicht selbst erkennen – da hilft nur ausprobieren.

Anschließend ist Sonys neue Konsole voll einsatzbereit. Heißt im Klartext, sie kann Spiele und Apps wiedergeben sowie Blu ray-Filme lesen. Mehr ist zurzeit nicht vorgesehen, wie das einfach strukturierte Menü verrät. Sie findet selbst nach mehrfachen Versuchen mit unterschiedlichen Übertragungswegen keine Medienserver im Netzwerk, erkennt keine lokal eingespeisten Dateien (also weder Filme noch MP3s) und weigert sich vehement, Audio-CDs abzuspielen.

Multimedia ist keineswegs ein Fremdwort, aber bislang nur über externe Apps möglich. So darf man etwa spielinterne Musik durch selbst zusammengestellte Playlisten ersetzen, wenn man ein Abo für das hauseigene Musikstreaming-Angebot abschließt. 4,99 Euro monatlich sind nicht die Welt, aber angesichts der Leistungen der PlayStation 3 ein klarer Rückschritt in Sachen Benutzerfreundlichkeit.

Erst recht, wenn man bedenkt, dass Online-Partien nicht mehr kostenfrei sind. Wer gegen andere im Netz antreten möchte, muss sich ein Playstation-Plus-Abo ans Bein binden. Sony könnte einen lokalen MP3- und Movie-Player in zukünftigen Firmware-Updates nachliefern – ob es so kommt ist bislang jedoch nicht sicher. Zurzeit geht es um eine fast reinrassige Spielmaschine.

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Die Benutzerführung wurde grundlegend überarbeitet.
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Was bisher verfügbar ist, liegt sauber strukturiert in übersichtlichen Menüs vor. Von der alten Cross-Media-Bar keine Spur mehr, auch wenn alle verwendeten Symbole gleich bleiben. Stattdessen zieren mehrere große Kacheln für installierte Apps und Spiele das Blickfeld. Darunter eine Facebook-inspirierte „Neuigkeiten“-Spalte, die sämtliche Tätigkeiten festhält. Wie viel man davon mit anderen Leuten teilt, hängt von mehreren definierbaren Filtern ab.

Systemeinstellungen und Account-Daten finden darüber Platz, wurden aber unaufdringlich platziert. Alles wirkt aufgeräumt und logisch verknüpft, wenn auch nicht sonderlich modern gestaltet. Typisch für Sony zieren fließende Formen den Hintergrund, diesmal wirkt die Präsentation jedoch keineswegs so nobel wie in der letzten Generation. Kein Beinbruch, da man im Ausgleich dafür weniger vom Wesentlichen abgelenkt wird. Freundesliste? Innerhalb weniger Kommandos verfügbar, sauber aufgelistet. Trophies? Ebenfalls übersichtlicher eingereiht, nur an der langwierigen Synchronisation mit Sonys Servern ändert sich wenig.

Trotz einiger beschnittener Funktionen ein spürbarer Fortschritt gegenüber der PlayStation 3.Wobei dieselbe Kritik fällig wird wie schon bei Microsofts Xbox One. Angesichts hoher Datenmengen bei der automatisch ablaufenden Zwangsinstallation von Spielen und des immer stärker hervorgehobenen Vertriebswegs über das PSN-Netzwerk, sind 500 GB interne Festplatte verdammt wenig. Killzone: Shadow Fall beansprucht zum Beispiel eindrucksvolle 41 Gigabyte, das ist schon knapp ein Zehntel des verfügbaren Platzes. Rechnet man speicherbare Gameplay-Videos, Savegames und abgelegte Downloads aus möglichen Apps dazu, ist der Laden schnell dicht. Auf Dauer dürften nur externe Festplatten Abhilfe schaffen, denn Sony kann angesichts solcher Datenmengen nicht von permanenten Internet-Anbindungen ausgehen.

Erst vor kurzem diskutierte ganz Deutschland noch über die Drosselpläne der Telekom, Zocker auf dem Land benötigen Tage für ein „Game on Demand“ und der Infrastruktur des eigenen Netzwerks kann das ebenfalls nicht dienlich sein. Immerhin will Sony irgendwann noch einen Spiele-Streaming-Angebot über Gaikai einrichten. Da glühen die Leitungen.

Endlich ein neues Controller-Design

Wer die Playstation 4 als reine Spielkonsole wahrnimmt, wird mit der gebotenen Leistung durchaus zufrieden sein. Einen Grafikvergleich mit Microsofts Xbox One wollen wir vorerst vermeiden, denn diesen Schlagabtausch heben wir uns für einen eigenen Artikel auf. Nur eines können wir versichern: Wer Killzone: Shadow Fall, Knack oder einen Third-Party-Titel einlegt, wird den grafischen Vorsprung zur letzten Generation definitiv bemerken. Texturen erscheinen schärfer und farbkräftiger, außerdem wurde bei Geometrie und Effekten mächtig zugelegt. Ein wenig schärfere Schatten, besseres Licht, mehr Partikel und so weiter.

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Der neue Controller verfügt zusätzlich über ein Touchpad.
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Eine zufriedenstellende Steigerung, die zwar nicht an aktuelle High-End-Grafikkarten heranreicht, aber definitiv mehr gestalterische Freiheit lässt als bislang auf Konsolen üblich. Außerdem besteht bei den Konsolen ein höheres Steigerungspotenzial als auf dem PC, weil Programmierer extrem straff optimieren können. Wenn die Hardware überall gleich ist, kann man ohne Ende mogeln, egal ob durch Speichertricks oder optische Täuschung. Das gilt übrigens für beide neuen Systeme und nicht nur für Sonys PS4.

Für welche Maschine man sich letztendlich entscheidet, hängt natürlich von gewissen Präferenzen ab. Ein wichtiges Kriterium dürfte der Controller sein. Sony änderte beim Dual Shock 4 zum allerersten Mal das klassische Layout, wagt dabei aber keine radikalen Modernisierungen. Noch immer liegt das Steuerkreuz auf der primären Daumenposition, während beide Analogsticks eine sekundäre Haltung auf der Seite einnehmen. Schade, denn obwohl beide Sticks näher zu den Händen gerückt wurden, ist die Genauigkeit beim Geradeaus-Steuern noch immer nicht optimal. Außerdem ist der Verzicht auf Start- und Select-Button gewöhnungsbedürftig. Man sucht bei Spielstart reflexartig nach ihnen, findet aber nur die ungünstig platzierten Gegenstücke „Options“ und „Share“ vor.

Dazwischen findet ein Touchpad Platz, das weder zur feinfühligsten Sorte gehört noch auf Tippkommandos reagiert. Es lässt sich allerdings nach unten drücken und kann somit den Start-Button gegebenenfalls ersetzen. Die Berührungssensorik reicht aus, um etwa in Assassin's Creed 4 per Wisch-Geste über die Landkarte zu scrollen, aber so recht überzeugen kann das Zeigewerkzeug bisher nicht. Man muss viel zu oft neu ansetzen, als dass ein durchgängiges Arbeiten damit möglich wäre, denn die Fläche des Sensors ist dafür zu klein. Bei Killzone fühlten wir uns sogar auf den Arm genommen, weil die Wischfunktion zum Anwählen von Kommandos für den begleitenden Roboter verwendet wird. Das hätte per altmodischem Druck auf das Steuerkreuz wahrscheinlich noch zuverlässiger und schneller funktioniert.

Eine erste Einschätzung, die das Touchpad nicht zwingend als unbrauchbar einstuft. Es bleibt abzuwarten, ob Entwickler das Utensil sinnvoll zum Einsatz bringen. Womöglich bestimmt auch die hintergründige Software wie feinfühlig das Touchpad abgefragt wird. Alles eine Frage der Zeit.

Ähnlich wie bei der Menüführung erkennen wir beim Controller eine positive Entwicklung. Dank der minimal breiteren Maße liegt er besser in der Hand und bietet europäischen Großpranken mehr Griff. Alle Buttons bleiben nach wie vor prima erreichbar, zumal die hinteren Schulterbuttons L2 und R2 endlich über eine konkave Mulde verfügen. Das verhindert ein Abrutschen der Zeigefinger.

Eine rückseitige LED-Lampe dient als Signal für den optionalen Bewegungssensor. Sie fällt zwar auf (besonders, wenn sie die Farbe wechselt), stört aber auch bei dunklem Raumambiente nicht. Sie wirkt sich auch nicht auf den Verbrauch des fest verbauten Akkus aus, denn der hält in etwa so lange wie beim Dual Shock 3. Witzig: Der kleine Lautsprecher auf der Vorderseite gibt je nach Spiel besondere Effekte oder Sprachausgabe aus. Klingt ein wenig blechern, kommt aber als Effekt ganz gut rüber.

Apropos Controller: Eines der vordergründigen neuen Features der PS4 findet über den Share-Button Manifestation, Einmal gedrückt, darf man Screenshots und Videoaufzeichnungen der letzten 15 Minuten Gameplay zurechtstutzen, speichern und hochladen.

Hat leider ein paar Haken. Vorab gespeicherte Videos und Screenshots vermittelt Sony bislang nur über Facebook und Twitter, was ein entsprechendes Konto voraussetzt. Live-Streams sind über Ustream und Twitch möglich. Alle drei Video-Varianten lassen in Sachen Qualität zu wünschen übrig, egal welche Vorab-Einstellung getroffen wird. Auf Facebook mögen bei Bewegung nur ein paar Details verschwimmen, aber bei den Live-Streams gehören grobe Blockraster zur Tagesordnung. Es reicht zum Live-Mitverfolgen durchaus, aber wer Let's Plays genießen möchte, dürfte auf YouTube glücklicher werden.

Fazit

Auf den ersten Blick wirkt Sonys PlayStation 4 unheimlich gradlinig. Sie soll offenbar eine reinrassige Spielmaschine darstellen, was ihrer Leistungsfähigkeit zugutekommt. Schade, dass einige liebgewonnene Mediacenter-Funktionen der PS3 vorerst flöten gehen. Wer bisher Musik und Filme auf der Konsole speicherte, wird die alte Generation noch ein Weilchen weiter betreiben oder auf den PC umsatteln müssen.

Entschlackte Menüs, verbesserter Controller samt Headset-Anschluss und allgemeine Leistungsfähigkeit sprechen für Sonys Flaggschiff, wodurch die verlangten 399 Euro keineswegs schlecht angelegt sind. Allerdings könnte es sich lohnen, auf das angekündigte Bundle mit der PS Vita zu warten, denn mit der optimierten Streamfunktion zwischen den Geräten könnten die Japaner womöglich Nintendos Wii U Konkurrenz machen. Ein Kritikpunkt sei allerdings besonders hervorgehoben: In zukünftigen Revisionen darf gerne eine größere Festplatte verbaut sein.

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