In wenigen Tagen ist es nun also auch in Deutschland soweit: Die PlayStation 3 erscheint offiziell im Handel. Nachdem der Veröffentlichungstermin von Sonys Next-Generation-Konsole mehrfach verschoben wurde und Ende 2006 bereits in den USA und Japan auf den Markt kam, dürfen die Konsoleros auch hierzulande endlich den PlayStation 2-Nachfolger erstehen - falls sie denn über das nötige Kleingeld verfügen.

Wobei man bei 600 Euro eigentlich nicht mehr wirklich von Kleingeld reden kann, denn diese Summe wird für die "große" Version der PS3 fällig. In Europa werden Videospielfans allerdings ohnehin keine Wahl haben, da nur diese Version mit einer 60 GB großen (austauschbaren) Festplatte angeboten wird. In Übersee wurde auch eine (nicht sehr beliebte) Fassung mit einer kleineren Festplatte und ohne integrierte WLAN-, SD- und CompactFlash-Karten-Schnittstellen veröffentlicht.

PS3 - Playstation Masters Finale Teaser2 weitere Videos

Das Abarbeiten ellenlanger Zahlenkolonnen bzw. technischer Spezifikationen wollen wir uns an dieser Stelle zum größten Teil schenken. Die wesentlichen technischen Merkmale der Konsole haben wir schon in einem anderen Artikel zur Genüge beschrieben ( siehe hier). Wenn man sich einige Videospiel-Foren im Internet so kurz vor dem Start der PS3 durchliest, bekommt man mehr oder weniger suggeriert, dass der verspätete Start der Konsole in Deutschland nicht nur einer von zahlreichen Marketingpannen begleiteten, unglaubliche Katastrophe gleichkommt. Auch wird man häufig den Eindruck nicht los, viele der "Fanboys" betrachteten es als ausgeschlossen, dass man sich für die PlayStation 3 interessieren könnte, obwohl man bereits eine Xbox 360 besitzt - den direkten Konkurrenten.

Doch ein kleiner Seitenhieb sei gestattet: Viele vergessen, dass der Massenmarkt von den meisten Geschehnissen rund um die PlayStation 3 im Vorfeld kaum etwas mitbekommen hat. Entscheidend für den Kauf sind vielmehr Faktoren wie Preis, Spieleangebot, Verfügbarkeit und letztlich auch Markenbindung.

PS3 - Großes Launch-Special: Alle Infos zur Next-Gen-Konsole von Sony!

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Da steckt Power drin: die PS3 in voller Pracht.
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Im Verlaufe der letzten Wochen zeigte sich daher, dass der in Europa später erfolgende Launch durchaus seine positiven Seiten haben könnte. Die ersten Kinderkrankheiten wurden beispielsweise mittlerweile durch Firmware-Updates (quasi das Betriebssystem der Konsole) behoben oder zumindest abgeschwächt. Bereits am ersten Verkaufstag soll Version 1.6 zum Download bereitstehen, womit z.B. Downloads parallel zum Betrieb im Hintergrund ablaufen können, ohne die Konsole für andere Tätigkeiten zu blockieren, wie das bisher der Fall war.

Kompatibilität und Grafik-Power
In der europäischen Ausgabe der Konsole wird die Rückwärtskompatibilität zu PS2-Titeln per Softwareemulation und nicht wie in Japan oder den USA per Hardware-Chips (u.a. Emotion-Engine) hergestellt. Dadurch sollen ca. 1200 (von 13.000) ältere Games zum Launch kompatibel sein. Aber mal ehrlich: Wer will schon noch die ganzen ollen Kamellen zocken, wenn es neue Spiele gibt? Bis auf wenige Ausnahmen wird das wohl ein eher selten genutztes Feature sein. Was also zunächst vielerorts als Nachteil angesehen wurde, könnte sich demnach schnell zum Vorteil wenden.

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Der Grafik-Chip der PS3 haut mächtig rein: Virtua Fighter 5 in hoher Auflösung.
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Zum einen spart der Konzern etwa 40 Dollar durch das Wegrationalisieren der Hardwareteile, zum anderen verwendet die Softwareemulation den RSX-Grafikchip der PS3 und macht somit möglich, dass einige PS2-Spiele in besserer Qualität daherkommen. So beispielsweise der am 16. April erscheinende Actionhit God of War 2, der auf der PS3 mit einer höheren Auflösung von 720p (entspricht 1280 x 720 Bildpunkten) wiedergegeben werden kann. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass Sony den Kostenvorteil umgehend an die Kunden weitergeben wird. Schließlich fährt das Unternehmen mit der Produktion jeder Konsole noch immer Miese ein.

Höhere Auflösungen sind ohnehin das mit herausstechendste Merkmal der neuen Konsolengeneration. Die PlayStation 3 unterstützt schon ab Werk den FullHD-Standard von 1080p (1920 x 1080) und die Schnittstelle HDMI für die volldigitale Übertragung von Audio- und Video-Daten und dem damit verbundenen Kopierschutzmechanismus HDCP. Dies gilt als Voraussetzung für das Abspielen von HD-Filmen in dem eingebauten Blu-ray-Laufwerk, einem der beiden technischen Nachfolger der DVD.

Wer dieses Feature aber wirklich nutzen will, muss sich zusätzlich noch ein analoges Komponentenkabel oder eine digitale HDMI-Strippe besorgen. In der Verpackung der PS3 liegt nämlich leider nur ein stinknormales Multi-AV-Kabel (Scart). In der Praxis zeigte sich dadurch, wie zu erwarten, ein signifikanter Qualitätsunterschied: Erst nachdem wir in der Redaktion die PS3 via HDMI-Kabel an den HD-Beamer angeschlossen hatten, konnten wir die volle Pracht der Bilder genießen: viel besserer Kontrast, deutlich bessere Auflösung. Ältere Standard-Glotzen werden aber natürlich genauso unterstützt wie DVDs oder CDs.

Die Spielekonsole wird zum Media Center
Neben diesen optischen Vorzügen bietet die neue Konsole im Gegensatz zur vergangenen Generation vor allem eine deutlich bessere Netzwerkunterstützung und damit auch Online-Konnektivität und Möglichkeiten für Internet-Spiele, Download-Inhalte und weiteren Schnickschnack. Die Einrichtung funktioniert dank eingebautem WiFi-Adapter völlig problemlos, und innerhalb weniger Minuten ist die Verbindung zur großen, weiten Spielwelt hergestellt. Gesteuert wird das Ganze über die so genannte "Cross Media Bar", die man so ähnlich bereits vom Handheld PlayStation Portabel (PSP) kennt. Diesen kann man übrigens ebenfalls mit der Konsole verbinden.

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Alles in Einem: Die PS3 wird zum Media Center.
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Die Media Bar ermöglicht mit simplen, einfach zu verstehenden Symbolen den Zugriff auf alle wichtigen Funktionen der Konsole - von der Profilerstellung bis hin zur Spielauswahl oder dem eingebauten Webbrowser ist alles mit wenigen Griffen auf dem neuen Sixaxis-Controller zugänglich. Diese Umgebung soll von den PS3-Besitzern nicht nur fürs Spielen verwendet werden, die Konsole soll in Zukunft unter dem Slogan "This is living" den Mittelpunkt der häuslichen Unterhaltung darstellen und als Medienzentrale im Wohnzimmer stehen. Weg vom "nerdigen" Gamer-Image, hin zum Hightech-Spielzeug für Erwachsene - dieses Image wird jedenfalls von Sonys Marketingabteilung angestrebt.

Dem immer "digitaleren" Lebenswandel vieler Menschen ist auch geschuldet, dass über Kartenleseschächte oder via USB, Bluetooth und andere Zugangsmöglichkeiten Peripheriegräte wie Digi-Cams, MP3-Player, Webcams oder Handys verbunden und damit die verschiedensten Medien auf das Gerät überspielt werden können. Die PlayStation 3 kann dabei mit einer Vielzahl von Formaten umgehen und somit Bilder, Videos und Musik der Anwender abspielen. Auf diese Weise können ganze Archive ohne große Hindernisse auf einem zentralen Gerät gespeichert, verwaltet und genutzt werden.

Internet, Home und Games
Zusätzlich stehen über den integrierten Browser vielfältige Dienste im Internet bereit, wobei beim Onlinedienst PlayStation Network natürlich auch ein Shop nicht fehlen darf. Dort können zahlungskräftige Gamer u.a. neue Spiele kaufen und herunterladen, sich kostenlose Demoversionen besorgen, Kontakt zu Freunden aufnehmen oder einfach nur im Netz surfen. Im Gegensatz zur Xbox 360 (Xbox Live) ist der Onlinedienst kostenlos. Kritikwürdig ist in der derzeitigen Firmware-Fassung (zum Start 1.6), dass Demoversionen von Spielen nach dem Kauf nicht in Vollversionen umgewandelt werden und man die Spiele nach dem Kauf nochmals downloaden muss. So was fällt wohl unter den Begriff "Kinderkrankheiten" und wird hoffentlich in Zukunft kundenfreundlicher gelöst.

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Wie ein zweites Leben: das Home-Feature der PS3.
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Für den Herbst hat Sony übrigens erst kürzlich die virtuelle Umgebung "Home" angekündigt. Viele Beobachter vergleichen dieses Projekt mit dem derzeit in den Medien gehypten Online-Langweiler "Second Life". Damit soll es ab Oktober möglich sein, mit eigenen Avataren die Weiten von Sonys Onlineservice zu durchstreifen, während man auf Einkaufstour geht, erspielte Trophäen begutachtet, Spiele mit Freunden zockt oder einfach nur rumgammelt.

Stichwort Spiele: Die stehen trotz der "Medienzentralen"-Beteuerungen der Sony-Mitarbeiter für jeden PlayStation-Fan natürlich weiterhin an erster Stelle des Interesses. Mit 28 Spielen zum Europa-Launch wird die größte jemals verfügbare Palette an Games bei einem Konsolenstart angeboten. Allerdings befinden sich darunter nur einige wenige Neuheiten, so beispielsweise das Rennspiel Motorstorm oder der Quoten-Shooter Resistance: Fall of Man.

Die meisten anderen Spiele des Aufgebots sind teilweise schon vor geraumer Zeit für Xbox 360/PC erschienen, sodass die Auswahl künstlich etwas aufgeblasen wirkt. Wer beispielsweise das Rollenspiel Oblivion spielen wollte, wird sich vermutlich schon die PC- oder 360-Fassung besorgt haben, bzw. sie zu jetzt verfügbaren Budgetpreisen kaufen, anstatt zur teuren und im Vergleich nur marginale Vorteile bietenden PS3-Version zu greifen. Auf der anderen Seite ist aufgrund des großen Angebots wohl für jeden Geschmack etwas dabei. Die großen potenziellen Hits sind jedoch erst in den nächsten Monaten zu erwarten, beispielsweise Metal Gear Solid 4 oder Gran Turismo 5.

Sixaxis-Controller
Gespielt wird auf der PS3 ab sofort mit den bereits erwähnten kabellosen Gamepads namens "Sixaxis", von denen bis zu sieben Geräte via Bluetooth angeschlossen werden können. Für viel Diskussion hat im Vorfeld die Entscheidung Sonys gesorgt, das Rumblefeature wegzulassen. Dieses lieferte dem Spieler in der PS2 mittels Vibration ein unmittelbares Feedback über das Spielgeschehen. Statt dieser Funktion besitzt das Pad nun einen Bewegungssensor, der die Bewegungen des Spielers erkennt und diese auf dem Bildschirm umsetzen kann, wie man das in ähnlicher Form auch von Nintendos Wii kennt.

Als Hintergrund des fehlenden Rumble wird der bis vor kurzem schwelende Rechtsstreit mit dem Patenthalter "Immersion" vermutet, was jedoch von Sony niemals direkt bestätigt wurde. Nachdem dieser Disput kürzlich beigelegt wurde, können Fans der Vibrationsfunktion aber vielleicht schon bald auf eine neue Version des Sixaxis hoffen, der dieses Feature dann wieder besitzt. Schön wär's. Der eingebaute Akku des Controllers kann im Übrigen über das mitgelieferte USB-Kabel an der Konsole aufgeladen werden.

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Ohne Rumble, dafür sechs Achsen: der Controller der PS3.
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Bei unseren ausgiebigen Spielsessions fiel das Spielgefühl mit dem Sixaxis im Vergleich zum bisherigen "Dual Shock 2" nicht besonders aus dem Rahmen. Das Pad ist zwar etwas leichter, gravierende Unterschiede sind jedoch weder im Gewicht noch beim Handling auszumachen. Lediglich die neuen, analogen Schultertasten R2 und L2 fallen sofort auf. Mit ihnen ist es z.B. in Rennspielen möglich, die Beschleunigung bzw. das Abbremsen besser zu kontrollieren und feiner zu justieren. Allerdings verkrampft die Hand in dieser Position schneller als beim Konkurrenzprodukt der Xbox 360, das für solche Haltungen besser ausgelegt zu sein scheint. Dafür hat man immerhin die Möglichkeit, den Controller als "Lenkrad"-Ersatz zu verwenden, was auch recht gut funktioniert, sofern das Spiel die Gyroscope-Funktion unterstützt.

Und hier ist noch lange nicht Schluss...
Außerdem besitzt das neue Pad einen PS-Knopf, mit dem man ohne Umwege auf das Systemmenü der Konsole zurückgreifen kann. Auf diese Weise lässt sich die Konsole ausschalten, der Akkustatus überprüfen oder auch einfach das laufende Spiel beenden. Das ist zwar kein überaus wichtiges Feature, passt aber zu dem insgesamt ziemlich wertigen Auftritt, den die PS3 hinlegt. Design-technisch schlägt sie im schwarz-silbernen Lackkleid die im blassen krankenhausweiß auftretenden Konkurrenten 360 und Wii jedenfalls deutlich, die sich diesbezüglich eher an Apple-Geräten orientieren.

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Einer der Hammer-Titel: Metal Gear Solid 4.
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Als netter Nebeneffekt der Media-Center-Ausrichtung gilt auch die Fähigkeit, Linux als Betriebssystem parallel einsetzen zu können. Legalen Homebrew-Projekten ist damit Tür und Tor geöffnet. Erste Anwendungen sind bereits erhältlich. Sony selbst bezeichnet die Konsole auch oftmals als PC, sodass auf diese Weise in Zukunft viele Features für die PS3 denkbar sind, die ab Werk noch gar nicht vorgesehen bzw. vorhanden sind. Durch die Fähigkeit, Maus und Tastatur anzuschließen, sind somit auch Office-Anwendungen möglich.

Kleinere Probleme mit Java- und Flash-Anwendungen sollten ebenfalls via Firmware-Update zu beheben sein. Im Vergleich zur Xbox 360 verbreitet die neue PlayStation einen deutlich geringeren Geräuschpegel und ist daher im Betrieb kaum wahrzunehmen, was sie für den Einsatz im Wohnzimmer prädestiniert. Dafür saugt sie andererseits reichliche 180 Watt aus der Steckdose. Das wirkt sich zudem auf die nicht zu unterschätzende Wärmeentwicklung aus, sodass man beim Aufstellen der PS3 für genug Belüftungsraum sorgen sollte.

Sony hat zwar im Vergleich zur Konkurrenz nicht nur den theoretischen Nachteil des späteren Starts und der damit schlechteren Ausgangsposition. Doch schon die Vergangenheit zeigte, dass dies den Erfolg einer Konsole nicht unbedingt verhindern muss. Bedeutend wird sicher zum einen das Spieleangebot sein, bei dem sich Sony früher immer auf sehr gute Unterstützung der 3rd-Party-Hersteller verlassen konnte. Zum anderen wird interessant sein zu beobachten, ob den Käufern der hohe Preis gerechtfertigt erscheint und sie die PlayStation 3 tatsächlich als Medienzentrale für Blu-ray-Filme und andere Medien nutzen werden. Denn in diesem Punkt hat sie der Konkurrenz aufgrund ihrer offeneren Systemstruktur Einiges voraus.