Konsole hochgefahren, Spiel gestartet - das Chaos kann beginnen! Hier klaue ich einen Panzer und brettere über alles rüber, was nicht niet- und nagelfest ist. Alternativ reiße ich ein Geschütz ab und pulverisiere den Tank samt Besatzung. Oder ich pese einfach durch New York Zero und nutze mit einem famosen Allmachtsgefühl meine Superkräfte, um schlicht alles und jeden mit zerstörerischen Fertigkeiten aufzumischen. Superman auf Drogen, sozusagen. Wo das geht? In Prototoype 2!

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Das zeigt: manche Spiele benötigen eigentlich keine Rahmenhandlung, um zu begeistern. Klar, auch Prototoype 2 hat eine Geschichte. Die handelt von der Rache eines Mannes (Sergeant James Heller), der seine Familie verloren hat. Verantwortlich ist ein gewisser Alex Mercer, der im ersten Teil einen Virus freigesetzt haben soll. Oder doch nicht?

Was steckt wirklich hinter der Verschwörung um eine geheime Biowaffe? Naja, ist auch wurscht, denn die Handlung ist zwar tatsächlich mit ihrer schwarz-weißen Darstellung ziemlich cool inszeniert. Letztlich bleibt sie aber lediglich ein sich selbst zu ernst nehmender treibender Rahmen für die Fortentwicklung des Protagonisten, der ausgerechnet von seinem Widerpart schrecklich-schöne Mutantenfertigkeiten erhält.

Prototype 2 - Allmacht, Chaos, Zerstörung, Blut

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Yeah, so macht eine Stadtbesichtigung Spaß!
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Auf zum Mutanten-Stadl!

Alles andere ist schiere Gaudi in einer offenen Sandbox-Spielwelt. Wobei sich dieses Gefühl mit laufender Spielzeit eher verstärkt als abschwächt. Das liegt zum einen daran, dass die interessanteste der drei Zonen (gelb, grün, rot) aus dramaturgischen Gründen erst zuletzt betreten werden darf. Wo es vorher noch halbwegs gesittet in der urbanen Umgebung abgeht, herrscht in diesem per Luftbrücke erreichbaren Areal totale Anarchie: Überall tummeln sich mutierte Infizierte, eine Ruhepause gönnt euch Prototoype 2 kaum. Aber wer will das schon?

Hier kann man noch ungehemmter seinen urwüchsigen Gewaltfantasien freien Lauf lassen, eingeschränkt nur von zwei Dingen: den minimalen Schnitten der deutschen Version (keine Zivilisten absichtlich im Kampf attackieren) und der Tatsache, dass Gebäude leider nicht zerstörbar sind. Himmel, wie geil wäre diese Vernichtungs-Orgie erst mit so was wie einer Frostbyte-2-Engine?

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Trotz einiger Schnitte bleibt das Treiben auch in der deutschen Fassung ziemlich blutig!
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Natürlich wütet ihr nicht nur sinn- und ziellos durch die geteilte Millionenstadt, Prototype 2 bietet ein Grundgerüst aus zahlreichen Haupt- und Nebenmissionen, die euch gut und gerne 12-14 Stunden unterhalten. Für mich waren sie aber vor allem der direkte Weg zur Allmacht und nicht zu den Endcredits. Je mehr Missionen ich erledige, je mehr spezielle NPCs ich "konsumiere" - also ihre Essenz in mir aufnehmen - desto mehr Mutationen und Steigerungen der allgemeinen Körperkräfte stehen mir zur Verfügung. Ihr habt dabei teilweise die Wahl, ob ihr Hellers Fähigkeiten in offensiven oder defensiven Kategorien ausbaut.

Was das für einen Spaß macht, mit diesem höchst agilen Recken über Häuser zu kraxeln und Hunderte von Metern durch Hüpfer und Gleitflug zu überwinden! Die Ranken von Heller werden immer mächtiger, seine Klauen tödlicher, seine Sprünge und sein Speed dramatisch aufgebessert. Kurz: er wird zur ultimativen Kampfmaschine, die auch Dutzende Feinde (bei stabiler Bildrate!) im Nu vom Schlachtfeld fegt. Und das, liebe Leser, hinterlässt einfach ein verdammt befriedigendes und geiles Gefühl.

Mit zwei Tasten zur Allmacht

Der Witz an der Sache: Im Vergleich zum Vorgänger hat sich Entwickler Radical Entertainment nicht nur in so ziemlich allen Bereichen steigern können: Also bessere Grafik, fairere Gefechte (weil man feindlichen Attacken jetzt geschickt ausweichen kann) - auch das Kampfsystem bleibt trotz der durchaus vielfältigen Möglichkeiten recht simpel und leicht mit zwei Tasten beherrschbar. Selbst die Fights gegen Mittel- und Hauptgegner werden beim Einsatz der richtigen Talente zum Kinderspiel.

Coole Zerstörungsorgie, die Instant-Action rund um die Uhr bietet.Fazit lesen

Wenn wir keine Lust haben, die Körperschilde oder die "Biobombe" einzusetzen oder Autos auf Hubschrauber zu schleudern, klauen wir uns lapidar einen Panzer und überrollen die Übermacht mit ihren eigenen Waffen. Manchmal ist es deshalb sogar fast zu einfach - aber das lässt sich ja bekanntlich in den Optionen einstellen, indem ihr auf "Schwer" statt "Normal" stellt.

Wer will, findet aber auch in Prototoype 2 einige Wermutstropfen. Die Missionen etwa sind zu einseitig konstruiert. Über den Daumen gepeilt gibt es lediglich ein halbes Dutzend unterschiedlicher Aufgaben. Die könnt ihr oberflächlich betrachtet sogar auf verschiedenen Wegen lösen. Euch also in die Lager der Blackwatch-Bösewichte schleichen, anstatt alles in Schutt und Asche zu legen. Bisweilen kassiert ihr dafür auch einige Bonuspunkte. Mit Gewalt kommt man aber nicht nur schneller zum Ziel - es macht auch mehr Spaß, zumal ein herrlich düsterer Soundtrack das Geschehen passend untermalt.

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Bei diesen wahnwitzigen Fertigkeiten kommen Allmachtsfantasien auf.
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Außerdem ist das dreckige New York Zero zwar riesig, aber ohne gestalterische Höhepunkte erbaut. Lediglich die "rote Zone" sticht mit sehenswerten optischen Effekten heraus. Der Rest verschwimmt nicht nur in einer geringen Weitsicht. Oft lassen die oft groben Details doch ein wenig zu wünschen übrig. Aber das schmälert den Spaß an der Sache eigentlich kaum. Wer guckt schon auf irgendwelche Texturen, wenn gerade drei Fahrzeuge explodieren, ein Kampfhubschrauber vom Himmel fällt und ich dabei einen Mutierten zu blutigem Hackfleisch verarbeite? Genau ...

Recht cool sind übrigens auch die optionalen Radnet-Missionen, die täglich freigeschaltet werden. Statt einen aufgesetzten Multiplayer-Modus erhaltet ihr jeweils neue Aufgaben, die euch mit weiterem freischaltbaren Kram für eure Spielfigur oder Entwicklervideos belohnen. Die Ergebnisse vergleicht ihr online mit euren Kumpels. Nice.