Stellt euch vor, Massen-Online-Rollenspiele wären nur noch mit individuellen Figuren und universellen Ortschaften gefüllt. Ganz ohne Nicht-Spieler-Charaktere, die euch an jeder Ecke Rüstungen, Tränke und Firlefanz fürs Crafting verkaufen. Selbst der Wirt am augenscheinlich niemals schließenden Tresen wäre ein Unikat, gestaltet und gesteuert von einem enthusiastischen Spieler, der auch mal eine schöne Schankgeschichte auf Lager hat. Undenkbar? Vielleicht. Aber die Jungs und Mädels der deutschen Softwareschmiede Infernum haben die Vision von einer Welt, die sich an dieses schier unerreichbare Ziel herantastet.

Der Grundgedanke ist simpel: Warum soll ein strammer Recke, der eben noch seiner Prinzessin einen Drachenschwanz zum Frühstück auftischte, lächerliche Botendienste vollziehen oder Omas Haustür bewachen? Und was soll das überhaupt mit diesen Fantasy-MMOs voller angeblicher Durchschnittsbewohner, die das halbe Land in Monsterblut tränken und jedes noch so mystische Rätsel lösen?

Das Sandbox-MMO-RPG Theralon (Arbeitstitel) versucht euch erst gar nicht in diese Rolle zu pressen. Ihr startet als Drachenreiter. Ein Held, ein ganz dicker Brocken. Nicht der „Auserwählte“, wie man es aus vielen Action-Adventures kennt, aber ein hauptberuflicher Problemlöser.

Project: Theralon

- Der F2P-Geheimtipp der Gamescom
alle Bilderstrecken
Das MMORPG Project: Theralon setzt auf die CryEngine 3.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 16/151/21

Bewundert, beneidet, gut bezahlt. In der Präsentation mit Josephine Gerke wehte gar einem Pseudo-Siegfried mit wallendem Haar der Wind um die Ohren, während er mal schnell fünfzig Meter in die Tiefe stürzte, ohne auch nur einen Kratzer davonzutragen. Das sollte verdeutlichen, dass Theralon sich selbst nicht ganz so ernst nimmt.

Der schuppiger Flügelwurm des Obermackers dient übrigens nicht nur als wolkenstürmendes Reittier, sondern auch als Freund und Kräftespender. Vordefinierte Klassen sind nicht geplant, doch je nach Wahl des Mounts kommen andere Fertigkeiten zutage, die vor allem in actionreichen Luftschlachten gebraucht werden. Gegen böse Drachen oder Luftschiffe voller Orks.

Keine Frage: Mit diesem Pärchen bestreitet ihr sagenhafte Schlachten und erforscht im Kreise der Vögel eine zerklüftet wirkenden Landschaft, die neben stabilen Landstrichen auch immer wieder gigantische Schluchten und Meere preisgibt. Märchenhafte Paläste mit comicartig schräger Architektur dienen dem Paar höchstens als Ruhestätte.

Ein sehr ambitioniertes Sandbox-MMO-Projekt – hoffentlich geht alles so auf, wie Infernum es vor Augen hat.Ausblick lesen

Zauberei mit der CryEngine 3

Obwohl Projekt Theralon grafisch an World of Warcraft erinnert, beeindruckt es bereits in dieser frühen Phase durch angedachte Details. Behausungen lassen sich mittels eines ausführlichen Editors selbst zusammenbauen und in der persistenten (also nicht instanzierten) Umwelt dauerhaft platzieren.

In Folge dessen bilden alle Spieler eines Servers eigenständig Ortschaften – inklusive Pflege und Verteidigung. Ob märchenhafte Architektur oder nicht dürfte dann wohl eher eine Entscheidung der vorherrschenden Gilde oder des womöglich gebildeten Stadtrats sein.

Project: Theralon

- Der F2P-Geheimtipp der Gamescom
alle Bilderstrecken
Das MMORPG wird die CryEngine 3 nutzen, weswegen wir uns trotz Comic-Grafikstil auf interessante Effekte freuen dürfen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder

Sandkasten-MMO? Das ist angesichts der Möglichkeiten eine glatte Untertreibung. Alle Spieler sollen dauerhaft Einfluss auf die Umwelt nehmen. Schlachtet ihr zu viel Freiwild im naheliegenden Wald ab, suchen die dort ansässigen Wölfe eben näher am Dorf nach Fressen und fallen in ihrer Not über Einwohner her. Eine selbst geschaffene Plage.

Interessantes System, aber auch ein sehr hoch gestecktes Ziel, das viel Feinabstimmung und wahrscheinlich ein paar Katalysatoren benötigen wird. Gewisse Entwicklungen sind im Voraus einfach nicht abzuschätzen. Man stelle sich vor, welche Konflikte entstünden, wenn viele Spieler ein Gebiet abgrasen würden, weil es besonders schön ist oder sich irgendwelche Schätze dort leichter bergen lassen.

Die Bewohner der ansässigen Stadt hätten alle Hände voll zu tun, ihre Umgebung im Gleichgewicht zu halten. Andererseits garantieren eben solche Umstände genügend nachvollziehbare Probleme, die zu handlungsmotivierten PVP-Schlachten führen könnten.

I'm too sexy for your quest

Vorausgesetzt der Anreiz ist hoch genug. Drachenreiter sind einfach zu sexy, um sich mit Belanglosigkeiten die Finger schmutzig zu machen. Loot verkaufen? Onkel Manfreds Hundehütte bewachen? Pah! Wozu hat man denn einen Nebencharakter?

Ob die versprochene sekundäre Spielfigur ihre Dienste aus Bewunderung, gegen Bezahlung oder aus schierer Langeweile anbietet, ist noch unklar – wie so vieles bei Theralon, denn das Projekt befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium.

Project: Theralon

- Der F2P-Geheimtipp der Gamescom
alle Bilderstrecken
Auch Drachen spielen offenbar eine wichtige Rolle, die auch als Reittiere eingesetzt werden können oder auch als riesige, feuerspeiende Gegner auftreten.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 16/151/21

Das Potenzial hinter der Idee ist jedoch riesig, denn gerade die Beziehung zwischen Held und Wasserträger könnte spannende Geschichten offenbaren, die weit mehr bieten als das übliche „Töte drölf Wölfe“ und „besiege den Ork mit dem unaussprechlichen Namen im geheiligten Land XY“.

Gute Geschichten leben von den Schwächen ihrer Hauptdarsteller. In MMO-RPGs sind sie jedoch schwer zu vermitteln, da selbst die willigsten Rollenspieler immer nur auf einer groben Umgangsebene miteinander agieren. Geschichten erzählen, zusammen Pfeife rauchen, gemeinsam Orks schlachten und vielleicht ein paar Items im Gildenhaus tauschen. Alles andere obliegt der Fantasie der Gruppe und dem Umfang der Emote-Palette.

Was aber, wenn man in die Rolle schützenswerter, schwacher Charaktere schlüpft, die man mit der Zeit schlichtweg liebgewinnt? In die Rolle von Problemquellen. Droht dem Nebencharakter Gefahr, wird der Held benachrichtigt, sodass man entweder zu ihm umschaltet, um ihn eigenhändig aus der Bredouille zu holen, oder den Drachenreiter losschickt. Oder die Gilde. Oder sonsteinen, der in dieser freien Umwelt gerade Zeit dafür hat.

Warum Sandbox?

Für persönliche Probleme zieht man mit viel höherer Motivation in die Schlacht als für irgendwelche dahergelaufenen NPCs. Gilden könnten so nicht nur für Raids zusammenkommen, sondern mit jedem neuen Mitglied weitere Aufgaben erhalten, die durch den bisherigen Werdegang des Neuankömmlings zustandekommen.

Project: Theralon

- Der F2P-Geheimtipp der Gamescom
alle Bilderstrecken
Es wird auch möglich sein, Belagerungswaffen wie etwa Ballistae einzusetzen, die vor allem im Kampf gegen fliegende Drachen nützlich sind.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder

Gleiches gilt für das eigene Heim. Gildenhäuser und Privatunterkunft sind ne tolle Sache. Nur sind sie abseits der Einrichtung meist vorgefertigt und in irgendwelchen Instanzierten Gegenden untergebracht. Was aber, wenn ihr das schicke Eigenheim nicht nur in liebevoller Kleinarbeit selbst zusammensetzen, sondern mit anderen Spielern ganze Dörfer und Städte errichten könntet, die in einer persistenten Welt die Landschaft schmücken?

Würdet ihr euer Dörflein nicht bis zum letzten Atemzug gegen jede noch so große Ork-Horde verteidigen? Würdet ihr Besucher nicht noch herzlicher begrüßen, sie mit kokettierenden Gang durch die schönsten Straßen führen? Vielleicht könntet ihr einem Fremden sogar einen Auftrag anbieten, den euer Nebencharakter nicht alleine auf die Reihe bekommt. Ihr seht, das Potenzial ist schier unendlich.

Welchen Weg Infernum abseits der zentralen Drachenreiterstory nehmen wird, ist leider noch nicht ersichtlich. Aufgrund des messeüblichen Zeitdrucks war leider noch nicht viel Handfestes zu sehen. Aber wenn das Kopfkino schon bei der Beschreibung verrückt spielt, hat der Titel gute Aussichten.

Project: Theralon

- Der F2P-Geheimtipp der Gamescom
alle Bilderstrecken
Wann das Free-to-Play-MMORPG Project: Theralon erscheint steht noch nicht fest, ebenso der finale Name.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 16/151/21

Nur zwei Dinge bereiten noch ein wenig Kopfzerbrechen. Erstens: die Überpopulation an Superhelden. Sollte Infernum diesen Designentschluss nicht in der globalen Handlung humorvoll thematisieren, könnte die Welt von Theralon mit steigendem Erfolg an Glaubhaftigkeit verlieren.

Es wäre lediglich die Verkehrung des „Jeder ist ein Otto-Normal-Raider“-Designs. Zum Anderen könnte die Browsereinbindung mächtig auf Kosten der Performance gehen. Natürlich ist es beeindruckend, wie viel Grafikpower und offene Spielstruktur Infernum über die CryEngine 3 in einen Browserstream quetscht.

Das Ziel ist auch klar: Eine vereinfachte Facebook-Anbindung und volle Kontrolle über die Inhalte. Aber angesichts der hochgesteckten Spielziele mit unzähligen Sandbox-Variablen könnte sich die Browseranbindung als Nadelöhr herausstellen. Wir sind schon gespannt, wie die Entwicklung weitergeht.